06.06.2019, Berlin: Eine Frau und ein Mann laufen in blauen Regencapes durch den Regen. (Quelle: dpa/Ducret)
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Service - Schutz bei Unwetter mit Starkregen

Die Starkregenereignisse häufen sich. Auch am Mittwoch war die Berliner Feuerwehr wieder mal im Ausnahmezustand, bereits zum zweiten Mal in dieser Woche. Nach dem Starkregen sind die Feuerwehren vielerorts zum Abpumpen unterwegs.

Wer zahlt die Schäden?

Vollgelaufene Keller, liegen gebliebene Autos und gestrichene Flüge sind ärgerlich. Für die Kosten im Keller zahlen Hausrat- und Wohngebäudeversicherung aber nur, falls Sie sich gegen sogenannte Elementarschäden abgesichert haben. Schäden am Auto übernimmt die Kaskoversicherung.

Das Geld für gestrichene Flüge bekommen Sie von der Fluggesellschaft zurück. Eine Entschädigung werden die Airlines aber vermutlich ablehnen und auf "außergewöhnliche Umstände" verweisen. Im Detail:

Welche Versicherungen braucht man um sich vor Unwetterschäden abzusichern?

Für ein Einfamilienhaus benötigt man eine Wohngebäudeversicherung. Sie deckt alles ab was fest mit dem Gebäude verbunden ist. Für die beweglichen Gegenstände im Haus oder in der Mietwohnung braucht man eine Hausratversicherung.

Achten Sie darauf, dass auch in der Hausratversicherung ein Überspannungsschutz inbegriffen ist.

Wenn bei Starkregen der Keller vollläuft, egal ob im Eigenheim oder zur Miete benötigt man zusätzlich eine Elementarschadenpolice. Diese kann man später auch noch dazu buchen. Doch je nach Lage des Hauses kann die teuer sein. Und so ist dies wie bei allen Versicherungen eine Frage der Risikoabwägung.

Schutzmaßnahmen bei Überflutung

Besonders überflutungsgefährdet sind Häuser in Geländetiefpunkten, Hanglagen sowie in der Nähe von Bächen, Flüssen und Seen.

Schutzmaßnahmen sollen oberirdisch abfließendes Wasser vom Gebäude fernhalten und das Eindringen über tief liegende Hauseingänge, Kellergeschosse, Souterrainwohnungen, Garagenzufahrten, Fenster oder Lichtschächte vermeiden. Bei Neubauten sollten Sie bereits bei der Planung entsprechende Vorkehrungen treffen.

Bei bestehenden Gebäuden kann das Risiko des Eintritts von Wasser von außen durch Umbauten verringert werden. In Abhängigkeit von der Lage und den örtlichen Verhältnissen können die folgenden Maßnahmen vor dem Haus oder am Haus geeignet sein: Bodenschwellen, Gefälle des Eingangsbereichs, Türschwellen, Überdachungen, Aufkantungen, Barrierensysteme oder drucksichere Kellerfenster. Des Weiteren können auf dem Grundstück Geländemulden und Bodensenken geschaffen werden.

Diese Schutzmaßnahmen dürfen aber nicht dazu führen, dass überschüssiges Regenwasser vom eigenen Grund und Boden zum Nachbarn abgelenkt wird. Denn wenn dadurch auf dem Nachbargrundstück Schäden entstehen, kann der Verursacher der dort anfallenden Wassermengen haftbar gemacht werden.

Wie kann man sein Eigenheim vor Kellerüberflutung schützen?

Auch wenn Sie in ein bereits gebautes Haus einziehen, ist es noch möglich, Ihr Heim mit einigen Maßnahmen gegen eine Kellerüberflutung nachträglich zu sichern. So hilft beispielsweise eine wasserundurchlässige Schicht dabei, das Gebäude von außen abzudichten. Derartige Abdichtungsmethoden werden nach der DIN 18195 vorgenommen.

Alternativ zur Außenabdichtung können Sie eine Innenabdichtung vornehmen lassen. Zumeist besteht dabei allerdings das Problem, dass die Bausubstanz von außen weiter Feuchtigkeit aufnimmt und die Wärmedämmfähigkeit der Wände verloren gehen kann. Eine andere Methode ist die Abdichtung mit Hilfe von Injektionen. Sie enthalten harzähnlichen Stoffe, die dafür sorgen sollen, dass das Mauerwerk von innen wasserundurchlässig wird.

Sofa in überschwemmter Wohnung
Bild: imago stock&people

Ist Ihr Wohngebiet oder Ihre Wohnlage witterungsbedingt des Öfteren bedroht, ist die Investition in eine Schmutzwasserpumpe ebenfalls sinnvoll. Im Falle von eindringendem Wasser, kann dem Volllaufen des Kellers so immerhin noch entgegengewirkt und das Schlimmste verhindert werden.

Was ist zu beachten bei Wasserschäden in Mietwohnungen?

Werden die angemieteten Räume aufgrund eines Unwetters oder Starkregens überschwemmt, ist zu beachten:

  • Der Vermieter ist über die Schäden umgehend zu informieren, am besten schriftlich mit einer detaillierten Beschreibung.
  • Bei Schäden an der gemieteten Räumlichkeit (nasse Wände und Tapeten, Fußböden und Decken, durchfeuchtetes Parkett oder eingelaufener Teppichboden, soweit mitvermietet) hat der Mieter einen Instandsetzungsanspruch unabhängig davon, ob der Vermieter den Wasserschaden verschuldet hat oder nicht. Er sollte den Vermieter schriftlich bitten, den Schaden zu besichtigen und unverzüglich zu beseitigen. Kommt er dem in angemessener Frist – in der Regel eine Woche – nicht nach, gerät er in Verzug. Dann kann der Mieter unter Umständen selbst den Schaden beseitigen und Kostenersatz verlangen.
  • Überschwemmungsschäden in der Wohnung des Mieters (aber auch im Keller) sind Wohnungsmängel, die grundsätzlich auch zu einer Mietminderung berechtigen. Solange die Wohnung nicht uneingeschränkt benutzt werden kann, darf der Mieter die Miete kürzen, auch dann, wenn der Vermieter für die Überschwemmung nicht verantwortlich oder sogar selbst Leidtragender ist. Aber Vorsicht beim Umfang der Minderung. Bei Mietrückständen kann eine Kündigung ausgesprochen werden, die nicht immer abgewendet werden kann. Gegebenenfalls sind Vorbehaltszahlungen oder die Zurückbehaltung sachgerechter. Hier empfiehlt sich eine Rechtsberatung.

Die Ansprüche gegen den Vermieter scheiden nur aus, wenn der Mieter oder dessen Beauftragte den Wasserschaden zu vertreten haben (das ist beispielsweise der Fall, wenn der Mieter die Wohnung tagelang unbeaufsichtigt und/oder ein Fenster geöffnet gelassen hat).

Schäden an der Einrichtung beziehungsweise am Mobiliar wird der Mieter in aller Regel selber tragen müssen. Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung decken Überschwemmungsschäden (anders als Leitungswasserschäden) normalerweise nicht ab, es sei denn, es ist eine Elementarversicherung ergänzend abgeschlossen.

Schadensersatz kann der Mieter vom Vermieter nur dann verlangen, wenn diesen ein Verschulden trifft, weil zum Beispiel die Überschwemmung durch einen Kanalrückstau wegen eines nicht ausreichend gewarteten Rückstauventils entstanden ist. War die Kanalisation von der Gemeinde nicht ausreichend dimensioniert, kommen auch Ersatzansprüche gegen die Gemeinde in Betracht.

Symbolbild: Ungefallener Baum nach einem Unwetter über Berlin im Jahr 2007. (Quelle:imago stock&people/imago stock&people)
Bild: imago stock&people/imago stock&people

Wie verhalte ich mich richtig bei Unwetter?


DRAUßEN

  • Meiden Sie ungeschützte Orte, an denen Sie von Hagel oder von vom Sturm mitgerissenen Gegenständen getroffen werden könnten.
  • Suchen Sie Schutz in einem Gebäude und meiden Sie bei starken Stürmen Hallen mit großen Deckenspannweiten.
  • Wenn noch ausreichend Zeit ist, sichern Sie draußen bewegliche Gegenstände wie Gartenmöbel, Fahrräder etc.
  • Suchen Sie bei Gewitter Schutz in einem Gebäude oder gehen Sie mit eng zusammen stehenden Füßen, möglichst in einer Mulde, auf den Fuß ballen in die Hocke.
  • Meiden Sie offenes Gelände, Berggipfel, Bäume, Türme, Masten, Antennen und lehnen Sie sich nicht an Zäune.
  • Halten Sie zu Überlandleitungen einen Mindestabstand von 50 Metern ein.
  • Vermeiden Sie alle Gegenstände mit Metallteilen wie Regenschirme und Fahrräder.
  • Im Auto sind Sie bei Gewitter sicher. Bleiben Sie also im Fahrzeug und berühren Sie keine blanken Metallteile.

ZU HAUSE

  • Schließen Sie bei Hagel und Wirbelstürmen die Fenster, Roll- oder Fensterläden und halten Sie sich von ungeschützten Öffnungen fern.
  • Suchen Sie einen innen liegenden Raum im  Erdgeschoß auf. Meiden Sie jedoch Kellerräume, da diese sehr schnell von Wasser geflutet und zu lebensbedrohlichen Fallen werden können.
  • Meiden Sie Räume mit großer Deckenspannweite wie z. B. Hallen.
  • Nehmen Sie empfindliche Geräte vom Netz oder verwenden Sie einen Überspannungsschutz. Entsprechende Geräte gibt es im Handel. Genaue Informationen zu den Geräten erhalten Sie auch über den VDE.

Beitrag von Christine Wiedergrün