Eine Frau chillt in ihrem Mietwagen am Strand (Quelle: Colourbox)
colourbox
Bild: colourbox

Service - Urlaubsanspruch: Das sind Ihre Rechte!

Unklarheiten beim Urlaubsanspruch gibt es auch immer wieder: Kann Urlaub tatsächlich verfallen, wenn man ihn nicht nimmt?  Was ist in der Elternzeit, dem Mutterschutz, bei Minijobs und der Teilzeitarbeit? Wir klären diese Fragen und geben praktische Tipps. 

Studiogast: Volker Kitz, Jurist und Bestsellerautor

Rasant geht das Jahr dem Ende zu, bei vielen sind die Akkus leer, Zeit für einen Urlaub. Auf wie viele Urlaubstage hat man denn überhaupt einen Anspruch? Einige haben sogar noch Resturlaub, verfällt der eigentlich am Ende des Jahres? Um das Thema Urlaubsanspruch drehen sich unzählige Legenden und Fragen, die wichtigsten klären im zibb Service.

Bis wann muss man Resturlaub nehmen?  Welche Ausnahmen gibt es?
Grundsätzlich bis zum 31.12., es gibt Ausnahmen, z.B. wenn man den Urlaub  wegen Krankheit nicht eher nehmen konnte oder, wenn es aus betrieblichen Gründen nicht möglich war.

Wo ist der gesetzliche Urlaubsanspruch geregelt?
Im Bundesurlaubsgesetz, darin heißt es: Jeder Arbeitnehmer hat in jedem Kalenderjahr Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. Hier ist der Mindest-Urlaub geregelt, natürlich gibt es auch tarifliche oder vertragliche Regelungen zum Urlaubsanspruch, die dürfen aber nicht schlechter als der gesetzliche Mindestanspruch sein. So ergibt es sich, dass die durchschnittliche Urlaubsdauer länger als gesetzlich vorgeschrieben ist, nämlich knapp  6 Wochen.

Wer hat einen gesetzlichen Urlaubsanspruch?
Grundsätzlich gilt er für alle Arbeitnehmer: Arbeiter, Angestellte, Auszubildende.

Wie hoch ist der Urlaubsanspruch grundsätzlich? Welche Abweichungen gibt es, z.B.  bei Teilzeitarbeit?
Grundsätzlich hat man Anspruch auf 4 Wochen Urlaub, bei einer 6-Tage-Woche sind das 24 Tage, bei einer 5-Tage-Woche sind das 20 Tage. Bei einer Teilzeitbeschäftigung rechnet man 4 mal die Anzahl der Arbeitstage pro Woche. Habe ich also eine 4-Tage-Woche, rechne ich 4x4 und komme auf 16 Tage Urlaub. Eine 3-Tage-Woche hat 12 Tage Urlaub.

Wie frei in der Wahl meines Urlaubzeitraumes bin ich, inwieweit darf der Chef bestimmen?
Ausschlaggebend ist zunächst der Arbeitnehmer-Wunsch. Ausnahmen sind z.B. dringende betriebliche Erfordernisse oder die Wünsche anderer Arbeitnehmer, die aus sozialen Gründen Vorrang haben, z.B. wegen der familiären Situation oder des Alters.

Wie beantragt man den Urlaub am besten? Was kann man tun, wenn der Wunschtermin verweigert wird?
Es ist nicht festgelegt, in welcher Form. Schriftlich ist natürlich immer besser. In vielen Betrieben ist es üblich Ende des Jahres, Anfang des Jahres, damit es geplant werden kann. Wenn der Wunschtermin verweigert wird, kann man sich aufs Bundesurlaubsgesetz berufen und nach den Gründen fragen, warum der Urlaub so nicht gewährt wird.

Kann mich Chef aus dem Urlaub zurückrufen? Kann er einmal genehmigten Urlaub, widerrufen?
Nein. Aber für beide Frage gilt: es kann ja auch einvernehmliche Regeln geben.

Was, wenn man im Urlaub krank wird?
Dann benötigt man eine Krankmeldung und die Urlaubstage zählen als Krankentage, man kann diese Urlaubstage dann irgendwann anders nehmen.

In einigen Fällen kollidiert deutsches Recht mit Europäischem Recht
Erst vor wenigen Wochen hatten die Richter des Europäischen Gerichtshofes in einem Fall entschieden, in dem ein Arbeitnehmer seine Arbeitsstelle gewechselt hatte und sich seine noch verbleibenden Urlaubstage auszahlen lassen wollte. Sein Arbeitgeber wollte sich nicht darauf einlassen, mit der Begründung, der Arbeitnehmer hätte keinen Urlaubsantrag gestellt. Die Richter entschieden: Keinen Urlaubsantrag gestellt zu haben, reicht nicht, dass der Urlaubsanspruch verfällt. Der Arbeitgeber muss eindeutig darauf hingewiesen haben, dass er sonst verfällt und außerdem muss auch tatsächlich die Möglichkeit bestanden haben, ihn zu nehmen. Denn wenn es überall unterbesetzt ist im Unternehmen, trauen sich trotz des Aufrufs viele nicht, Urlaub zu nehmen.

Was passiert mit dem Urlaubsanspruch, wenn man mitten im Jahr den Arbeitgeber wechselt?
Der Urlaubsanspruch entsteht immer Anfang des Jahres, theoretisch kann ich also im Januar gleich meinen gesamten Jahresurlaub nehmen. Im neuen Unternehmen kommt es dann darauf an, wie viel Urlaub ich schon im alten Unternehmen hatte, darüber müssen sich die beiden Arbeitgeber verständigen. Habe ich schon alles genommen, muss ich beim neuen Arbeitgeber bis zum Jahresende ohne Urlaub durcharbeiten. Sobald allerdings feststeht, dass ich im ersten Halbjahr aus einem Unternehmen ausscheide, braucht mir das alte Unternehmen für dieses Jahr nur noch anteilig Urlaub zu gewähren. Diese Regel gilt aber nicht, wenn ich im zweiten Halbjahr ausscheide. Wenn ich z.B. zum 30.7. aufhöre, kann ich meinen kompletten Jahresurlaub bis dahin nehmen. Da hat der alte Arbeitgeber Pech, der neue Glück.

Was ist noch eine häufige Streitfrage, wenn es um Urlaub geht?
Dass man während der Urlaubszeit nicht gegen Entgelt arbeiten darf, darauf sollte man unbedingt achten, sonst kann es eine Abmahnung geben. Urlaub soll wirklich der Erholung dienen.

Beitrag von Susanne Stein