Grafik: Ein Smartphonedisplay mit mehreren Funktionen (Quelle: imago/Ikon Images)
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Service - Gebrauchte Technik kaufen

Das neueste Handy, das schnellere Notebook, der größere Fernseher. Die Verlockungen sind groß. Technische Geräte spielen schließlich in unserem Leben eine wichtige Rolle. Doch  deren  Nutzungsdauer wird immer kürzer.  Jeder von uns produziert jährlich etwa 23 Kilo Elektroschrott. Warum also nicht  einmal ein gebrauchtes Gerät kaufen?

Das schont den Geldbeutel und die Umwelt. Auf was Sie dabei achten müssen, damit das gebrauchte Schnäppchen sich auch wirklich lohnt, erklärt der zibb Service. Experte im Studio: Sven Oswlad, rbb Multimedia-Experte.

Wie komme ich an ein gebrauchtes Gerät?

Reale Läden (An – und Verkauf oder auch Handy-Reparaturläden), Kleinanzeigen von privat oder professionelle Plattformen im Netz, wie z.B. , z.B. rebuy, asgoodasnew, flip4new, clevertronic, buyzoxs, lapstore, itsco. Einige Anbieter wie amazon und ebay haben extra Seiten für sogenannte B-Ware. Außerdem bieten auch einige Hersteller direkt gebrauchte und überholte Geräte an, z.B. apple, Medion, Teufel. Oder: Über gute Bekannte und Freunde, die ihr Gerät verkaufen möchten.

Wie viel Geld kann man sparen?

Das kommt auf mehrere Faktoren an: wie alt, wie gebraucht, welche Gewährleistungen hat das Gerät noch, kaufe ich privat oder bei einem Händler. Fehlt z.B. nur die Originalverpackung oder gibt es optische Mängel auf einem Gerät, das ansonsten aber neu ist, kann man etwa 10 % - 15 % sparen und das oft bei aktuellen Geräten. War das Gerät tatsächlich in Gebrauch, ca. 30-50 %. Kauft man von privat, ist es meistens am günstigsten, dafür hat man u.U. ein höheres Risiko.

Was ist B-Ware?

Normalerweise handelt es sich bei B-Ware oder auch zweite Wahl genannter Ware  um Artikel, die aus dem normalen Vertrieb eines Händlers herausfallen und zum Sonderpreis angeboten werden, dabei aber neu beziehungsweise neuwertig und voll funktionsfähig sind.

Es gibt verschiedene Gründe, warum eine Ware zur B-Ware wird: es fehlt die Originalverpackung, die Ware wurde nur einmal ausgepackt und vorgeführt, sie ist so gut wie neu und unbenutzt, sie funktionieren einwandfrei. Manchmal kann das Produkt kleine äußere Makel aufweisen. Man sollte Händler bevorzugen, die den Zustand/ Makel genau beschreiben.

Die gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren darf hier in der Regel nicht heruntergesetzt werden, wenn es wirklich neue Produkte sind. Das hat auch ein Gericht entschieden (Urteil vom 16.01.2014, Az.: 4 U 102/13).  Allerdings definieren die Anbieter den Begriff B-Ware sehr unterschiedlich.

Ratsam ist, genau das Kleingedruckte zu studieren: wird von B-Ware gesprochen? War das Produkt in Gebrauch oder nur einmal ausgepackt und ausprobiert? Und welche Gewährleistung bietet der Händler tatsächlich? Niemand will sich ja tatsächlich wegen eines gebrauchten Handys auf einen Prozeß einlassen.

Was ist refurbished?

Es bedeutet übersetzt runderneuert. Hierbei handelt es sich um Geräte, die schon in Gebrauch waren und dann generalüberholt worden sind. Solche Produkte werden oft auch vom Hersteller selber angeboten oder haben eine vom Hersteller zertifizierte Werkstatt durchlaufen.  Apple hat z.B. eine extra Seite und ein eigenes Zertifikat, das einen hohen Qualitätsstandard garantieren soll.

Diese Produkte können Gebrauchsspuren aufzeigen und die Gewährleistungsfrist ist oft auf ein Jahr verkürzt.

Was bedeutet gesetzliche Gewährleistung im Unterschied zur Hersteller Garantie?

Auf Neuware gibt es grundsätzlich 2 Jahre Gewährleistung, auf Gebrauchtwaren 12 Monate, wenn sie gewerblich und nicht privat verkauft wurde. Die Gewährleistung deckt Mängel ab, die das Gerät schon zum Zeitpunkt des Kaufes hatte. Stellt der Kunde einen Mangel fest, kann er vom Händler verlangen, dass er behoben wird. Wobei der Käufer nach 6 Monaten beweisen muss, dass der Fehler tatsächlich beim Hersteller liegt. Hersteller Garantie ist hingegen eine freiwillige Leistung des Herstellers. Mittlerweile bieten aber auch Gebrauchthändler Garantien an.

Bekommt man gebraucht auch relativ neue oder eher veraltete Geräte?

Ja, durch die sogenannten early adopter, also die, die immer sofort das neueste Gerät haben wollen, landen die auch schnell wieder auf dem Gebrauchtmarkt. Oder eben durch Rücksender, die nur kurz ausgepackt, ausprobiert und zurückgeschickt wurden.

Woran erkenne ich seriöse Seiten?

An den einschlägigen Siegeln wie Trusted Shop, IPS, TÜV usw. Außerdem:  Achtung, wenn es verdächtig günstig ist, dann kann meist etwas nicht stimmen. Und: immer auf Usermeinungen schauen.

Auf was muss man unbedingt achten, wenn man gebraucht im Netz kauft?

Zustandsbeschreibung der Ware, Gewährleistung/Garantie, Kleingedrucktes.

Welche häufigen Schwachstellen gibt es bei Handys, Tablets, Notebooks?

Der Akku ist oft ein Schwachpunkt, den sollte man prüfen. Vor allen Dingen prüfen, ob der nicht schon einmal nass geworden ist. Denn wenn er einmal nass war, kann er explodieren. Bei den (älteren) iPhones gibt es einen Sensor, der rot wird, wenn das Gerät einmal einen Wasserschaden hatte. Und natürlich auch alle anderen relevanten Stellen wie off buton, USB Anschluss testen.

Zusammengefasst: Unterschiede zwischen Händler vor Ort,  Händler im Netz und Kauf von privat?

Beim Händler vor Ort, kann ich das Gerät direkt in Augenschein nehmen. Gesetzlich ist festgelegt: Bei Händlern gilt die  Gewährleistungsfrist (gebrauchte Ware ein Jahr) und im Internet sogar auch ein Rückgaberecht bzw. Widerrufsrecht  innerhalb von 14 Tagen.  Kaufe ich gebraucht von privat, ist es u.U. preislich noch günstiger aber es fehlt die Gewährleistung, das Rückgaberecht.  Von privat kaufen ist vielleicht eher etwas für technikaffine Menschen, die sich gut auskennen.

Beitrag von Susanne Stein