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Service - Was man beim Hörgerätekauf beachten sollte

Viele ältere Menschen sind auf ein Hörgerät angewiesen. Wie gut sie damit am Ende hören und wie teuer das ganze wird, hängt ganz wesentlich auch von der Wahl des Geräteakustikers ab. Die Stiftung Warentest hat ihre Leser ausführlich nach der Zufriedenheit mit ihrem Hörgerät befragt. Im Fokus standen die vier großen Hörgeräte-Ketten Geers, Kind, Amplifon und Fielmann.

Schlecht hören nervt - und isoliert auch sozial. Etwa elf Millionen Deutsche hören laut einer Hochrechnung von Stiftung Warentest schlecht, doch nur etwa vier Millionen davon besitzen ein Hörgerät, und noch weniger nutzen es auch wirlich ständig. Mehr als 1700 Nutzer von Hörgeräten und ihre Angehörigen haben jetzt in einer großen Umfrage von ihren Erfahrungen mit der Hörhilfe berichtet – sowie vom Service beim Akustiker und den Kosten fürs Hörgerät. Die Stiftung Warentest hat die wichtigsten Ergebnisse und Tipps in ihrer aktuellen "test"-Ausgabe zusammengefasst, Redakteur Gunnar Schwan erläutert sie bei zibb.

Leider sind das Thema "schlecht hören" und damit Hörgeräte immer noch fast tabu, dabei tragen viele Menschen ihre Sehhilfe mit Stolz, scheuen aber zuzugeben, dass sie eine Hörhilfe bräuchten. Dabei ist es ganz wichtig, sich so früh wie möglich ein Hörgerät anzuschaffen, denn tatsächlich verlernt das Gehirn das Hören, die zuständigen Bereiche verkümmern regelrecht.

Deshalb sollten Menschen, die schlecht hören, sich bald über die unterschiedlichen Geräte und Anbieter informieren. Bei der Umfrage kam heraus, dass die Menschen sehr unterschiedliche Zuzahlungen leisten mussten und offenbar unterschiedlich guten Service erhalten haben, je nachdem, von welchem Anbieter sie ihr Hörgerät hatten: Nur etwa 70 Prozent der befragten Hörgerätenutzer sind zufrieden mit ihrem Hörgerät, fast ein Drittel ist also unglücklich mit der Hörhilfe. Nach Filial-Anbietern befragt, sind 23 Prozent der Fielmann-Kunden eher oder sehr unzufrieden, bei amplifon schon 29 Prozent. 39 Prozent der Umfrageteilnehmer, die ihr Hörgerät vom Anbieter Geers haben, sind unzufrieden, und sogar 41 Prozent der Kind-Kundinnen und -Kunden. Auch Kosten und Zuzahlung fürs Hörgerät fallen je nach Anbieter extrem unterschiedlich aus: Bei Fielmann mussten die Kunden durchschnittlich nur zehn Euro selbst zuzahlen, bei Kind dagegen 475 Euro. Es gibt natürlich auch freie Hörgeräteakustiker, die keiner Kette angehören, hier lagen die Umfrage-Werte sowohl bei Zufriedenheit als auch bei den Zuzahlungen im Durchschnittsbereich.

Hier noch mal die wichtigsten Tipps der Stiftung Warentest für Sie zusammen gefasst:

Achten Sie auf guten Service - suchen Sie sich einen Ihnen sympathischen Akustiker, der Sie ausführlich berät, anstatt nur teure Geräte vorzuschlagen. Er sollte Ihnen mindestens drei Hörgeräte für jeweils mehrere Wochen zum Testen anbieten. Probieren Sie dabei ruhig auch "einfache" Hörgeräte ohne viele Zusatzfunktionen, vielen Menschen reichen die aus. Und zum Beispiel besonders kleine, unauffällige Hörhilfen bedürfen auch einer guten Feinmechanik: Wer als älterer Mensch schon leicht zittert oder weniger beweglich ist, kommt manchmal besser mit größeren Geräten aus.
Bleiben Sie geduldig mit sich und der Hörhilfe und probieren Sie jede in verschiedenen Situationen aus. Führen Sie dazu am besten ein Hörtagebuch. Und das Wichtigste: Besorgen Sie sich ein Hörgerät wirklich früh, also sobald Sie schlechter zu hören beginnen. Wer dann weiter unzufrieden mit seinem Gerät ist, sollte es sich ruhig erneut vom Akustiker anpassen lassen. Und vielen Nutzerinnen und Nutzern von Hörgeräten hilft auch ein Hörtraining weiter.

Beitrag von Corinna Meyer