Service - Mobilfunk vom Discounter: Ist billig trotzdem gut?

Handytarife werden nicht nur von den großen Mobilfunkbetreibern angeboten, sondern auch von Discountern wie Aldi, Lidl oder Netto. Doch für wen sind die geeignet? Wie sind die Vertragsbedingungen, wie gut ist das Preis-Leistungs-Verhältnis und wo liegen mögliche Nachteile? Das hat die Zeitschrift Finanztest in einem aktuellen Test untersucht.

Zu Gast im Studio: Thomas Grund, Redakteur bei Finanztest

Der tägliche Einkauf muss sein. Frisches Obst, ein Brot und andere lebensnotwendige Dinge.  Im Discounter gibt es aber noch anderes:  Und zwar preisgünstige Guthaben für Handys. Aber ist das wirklich empfehlenswert? Finanztest hat jetzt 36 Mobilfunktarife von Supermärkten geprüft.  Was wird geboten für wenig Geld?  Wie viele Gesprächsminuten oder sms sind inklusive? Wieviel Gigabyte mit maximaler Geschwindigkeit stehen zur Verfügung? Und welcher Service wird geboten?

Handy-Tarife zwischen Gurken und Salami: Ist das wirklich zu empfehlen?
Finanztest hat diese Tarife bereits mehrfach geprüft: Das Fazit für den diesjährigen Test: „Die Tarife bieten mehr für gleiches Geld“. Zudem können die Kunden jetzt auch verstärkt  die schnellere LTE-Datenverbindungen nutzen, wenn auch nicht in optimaler Qualität. Das Surfen wird dadurch angenehmer. Die Discounter nutzen Netze von Telefonica, Vodafone und auch von der Telekom. Eine Kündigung ist unproblematisch. Denn die Discounter rechnen in der Regel in einem 28-Tage-Rhythmus ab.  Wer danach den Tarif nicht weiter nutzt, also bezahlt, ist raus und kann sich einen anderen Tarif suchen. Sollte das Guthaben schneller aufgebraucht sein, gibt es keine Telefonsperre. Falls das notwendige Guthaben zu gering ist, um die gebuchte Option weiter nutzen zu können, fällt man in den Basistarif zurück und zahlt entsprechend für jede genutzte Einheit. In der Regel aber informieren die Anbieter rechtzeitig, so dass man sein Guthaben  eigentlich nicht überschreiten kann. So funktioniert das Aufladen:

Bei einigen Anbietern muss man die Filiale aufsuchen, einen Bon kaufen und kann dann aufladen. Bei anderen geht das Aufladen auch online, was bedeutet, dass der Anbieter auch die Kontonummer haben muss, oder man kauft sich entsprechende Auflade-Karten  beispielsweise in Tankstellen. Bei Prepaid-Karten-Angeboten von z.B. der Telekom, besteht die Möglichkeit, auch bei Geldinstituten oder sogar bei der Bahn nachladen zu können.

Es gibt drei Tarif-Varianten bei Discountern, die Finanztest untersucht hat:

Basistarife

Monatliche Gebühren fallen hier nicht an. Jede Nutzung wird separat abgerechnet, also jedes Telefongespräch, jede SMS oder jeder Zugriff auf das Internet muss  einzeln bezahlt werden. Die Tarife sind in der Regel gering.
Dieser ist nur für Leute geeignet, die wenig telefonieren.  Der günstigste Anbieter, den Finanztest ermittelt hat, ist Galeria Mobil mit seinem „5 Cent Prepaid“ Tarif. Alle anderen lagen bei 9 Cent pro Einheit. Für Leute, die gern im Internet unterwegs sind, ist der Basistarif ungeeignet.

Volumentarife

Wer sich für einen Volumentarif entscheidet, muss für ein festgelegtes Kontingent an Telefonie- oder sms-Einheiten eine Vorauszahlung leisten. Für ca. 4 Wochen. Bei den von Finanztest untersuchten Anbietern lassen sich dabei mindestens 300 Gesprächsminuten und mehr als 500 Megabyte Datenvolumen nutzen.
Diese Volumentarife gibt es bei Edeka Mobil schon ab 8,95 Euro für 300 Einheiten, bei Rossmann Mobil by Otelo für 7,99 Euro  für 300 Einheiten und bei Tchibo ebenfalls für 7,99 Euro, da allerdings sogar schon verbunden mit einer Flat.

Flattarife
Die Flatrates sind etwas für Leute, die sehr viel ihr Smartphone nutzen. Für eine monatliche Gebühr können sie telefonieren, Kurznachrichten schreiben oder im Internet surfen, soviel sie möchten. Bei diesem von den Discountern angebotenen Prepaid-Tarif ist das  Datenvolumen am höchsten.
Sehr günstig mit 7,99 Euro ist hier „Aldi-Talk“, zudem mit einem Datenvolumen von 1,5 Gigabyte.  Ebenso „ja!  Mobil / Penny Mobil Rewe“ mit 7,99 Euro und 1 Gigabyte. Dort kostet allerdings jede sms 9 Cent. „Lidl Connect“ bietet die Flatrate zum gleichen Preis. Hier sind es aber nur 750 Megabyte. Insgesamt hat Finanztest in dieser Kategorie 16 Tarife aufgelistet. Jeder kann sich also schnell einen Überblick verschaffen und sich den passenden aussuchen.

Eher nicht geeignet sind solche Prepaid-Tarife für diejenigen, die Wert auf neue Smartphone-Technik legen und damit auf eine schnelle, qualitativ gute Verbindung angewiesen sind.  Bei den 36 Tarifen, die Finanztest untersucht hat, gibt es nur einen, der das leistet: Edeka Smart Mobil. Doch ist diese Flatrate mit einem monatlichen Preis von fast 25 Euro nicht gerade sehr preiswert.
Auch Kunden, die sich gern beraten lassen, sind im Discounter nicht richtig, denn das Personal dort wird in den seltensten Fällen genau Bescheid wissen oder Zeit für ein Kundengespräch haben.

Rufnummer portieren

Bleibt die Frage, ob man seine Rufnummer vom alten Vertrag mitnehmen kann, wenn man auf einen Prepaid-Tarif wechseln will. Jeder Anbieter ist verpflichtet, diese Nummer freizugeben. Nach der fristgerechten Kündigung muss das beim bisherigen Anbieter beantragt werden. Entsprechende Formulare sind im Internet zu finden und heißen Portierungserklärung. Das Wort Portierung steht hier für Übertragen. Allerdings geht das meistens nicht ohne eine Gebühr ab, die 25 oder 30 Euro betragen kann. Der neue Anbieter ist aber oft bereit, diesen Betrag wieder gut zu schreiben, so dass sich das in der Regel ausgleicht.

Beitrag von Boris Römer