Hand mit Smartphone, Foto: dpa/Christian Ohde
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Service - Kontaktlos bezahlen

Kontaktlos bezahlen mit Karte oder Handy - in Ländern wie Schweden längst üblich. 80 Prozent nutzen dort bereits diese Möglichkeit. Anders in Deutschland, wo die Bargeld-Nutzer noch in der Mehrheit sind. Doch das soll sich jetzt ändern. Immer mehr Geschäfte und Banken machen mit.

Technische Basis des kontaktlosen Bezahlens ist die sogenannte Near Field Communication (NFC). Hinter NFC steckt ein Übertragungsstandard, der bei Smartphones schon lange zur Grundausstattung gehört und mit dem seit 2012 auch Bank- und Kreditkarten ausgestattet werden. Er dient dem kontaktlosen Austausch von Daten auf kurze Distanz. Wenn die Kasse eines Händlers ebenfalls über den Funkstandard verfügt, brauchen Kunden zum Bezahlen ihre Karte oder ihr Handy lediglich an das Kassenterminal halten. In manchen Fällen ist nicht einmal mehr die Eingabe der PIN nötig.

Giro- und Kreditkarten werden ausgetauscht
Ob die eigene Giro- oder Kreditkarte NFC-fähig ist, erkennt man an einem Funksymbol darauf, das ein wenig an das WLAN-Symbol erinnert. Banken und Sparkassen statten derzeit Giro- und Kreditkarten beim regulären Austausch mit der NFC-Technik aus.

Dabei gibt es verschiedene Arten von kontaktlosem Bezahlen. Zunächst einmal eine Technik, die bereits relativ verbreitet ist: Das kontaktlose Bezahlen mit Guthaben.

Zuerst wird eine digitale Geldbörse angelegt, genannt Wallet. Die wird in der jeweiligen App mit der Kredit- oder EC-Karte verknüpft. Von dort werden die Zahlungen abgebucht. Die Transaktionen enthalten keine persönlichen Daten, etwa Name oder Adresse. Nur was zur Abwicklung wirklich nötig ist, wie der Betrag und die Kartennummer, wird - allerdings verschlüsselt - ins System des Kaufhauses übermittelt.

Inzwischen gibt ein Teil der Kreditinstitute aber auch NFC-fähige Girocards aus, die ohne das Aufladen des Chips auskommen. Damit können Kunden kontaktlos und ohne PIN bezahlen, falls der Betrag unter 25 Euro liegt. Sind es mehr als 25 Euro, ist die PIN allerdings nach wie vor erforderlich.

Mehrere Millionen Kontaktlos-Karten bereits in Umlauf
Die Geldhäuser sind bei der Einführung von Girokarten mit Kontaktlos-Funktion unterschiedlich weit. Beispiel Volks- und Raiffeisenbanken: Sie haben bisher etwa 14 Millionen solcher Karten an ihre Kunden ausgegeben, 2020 sollen alle 27 Millionen mit NFC-Chip ausgestattet sein.

Bei den Sparkassen sind momentan rund 23 Millionen Girokarten mit Kontaktlos-Funktion in Umlauf, Ende des Jahres sollen es 35 Millionen sein und 2020 alle 45 Millionen. Die Commerzbank hat im Frühjahr damit begonnen, die neuen Girokarten mit NFC-Chip auszugeben. Wer schon vor dem Verfallsdatum der alten eine neue Girokarte mit NFC-Chip haben will, bekomme sie auch, und zwar gratis, so ein Sprecher der Bank. Bei der Deutschen Bank läuft der Umtausch seit Mitte September.

Verbraucher können sich schützen
Abschalten lässt sich die Funktion relativ unkompliziert bei den Volks- und Raiffeisenbanken, das geht am Geldautomaten. Bei den Sparkassen geht das für die Girokarte in der Filiale, bei Kreditkarten funktioniert es nicht. Kunden können aber eine kostenlose Schutzhülle, die das Funksignal aufhält, in der Geschäftsstelle bekommen. Darauf weist auch die Commerzbank hin.

Bei einigen anderen Geldhäusern gilt ebenfalls: Wer die Funktion loswerden will, muss Berater in der Filiale ansprechen, teils geht es auch per Telefon. Bei Kreditkarten ist das Abschalten aber meist nicht möglich. Im Fall der ING-Diba geht das auch bei Girokarten bisher nicht, die Bank arbeitet daran.

Weiteres Problem: Mit einer kostenlosen App auf dem Smartphone kann jeder die Daten der Kontaktlos-Bankkarten in nur Sekunden auslesen. Allerdings geben Verbraucherschützer Entwarnung. Es handelt sich dabei meist um weniger sensible Daten.

So fehlt bei Kreditkarten die Prüfziffer, die aber beim Online-Shopping in der Regel benötigt wird. Tipp: Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte eine spezielle Schutzhülle verwenden. Das macht allerdings den Zahlungsvorgang wieder ähnlich umständlich wie beim Zahlen mit einer normalen Kreditkarte. Und: Verbraucher sollten ihre Kontobewegungen noch sorgfältiger im Auge behalten, um unberechtigte Abbuchungen sofort der Bank melden zu können.

Bezahlen per Smartphone
Das Bezahlen mit dem Smartphone beruht ebenfalls auf der NFC-Technik. Voraussetzung ist eine NFC-Schnittstelle. Bisher war diese Bezahlmöglichkeit für Verbraucher wenig interessant. Zu viele Anbieter gab es auf dem Markt.

Im Sommer 2018 kam wieder Bewegung in das Thema. Denn seitdem gibt es das Bezahlsystem Google Pay des amerikanischen Großkonzerns auch in Deutschland. Zum Bezahlen von Beträgen bis 25,00 Euro muss man bei Google Pay das Smartphone nur "wecken", also weder den Bildschirm entsperren noch die App öffnen, und es nah an den Kassenterminal heranhalten. Dann läuft die Zahlung automatisch. Bei höheren Summen muss man das Gerät entsperren.

Bisher können Google Pay allerdings nur Kunden folgender Anbieter nutzen: Commerzbank, Comdirect, N26 und Boon. Weitere sind aber bereits angekündigt. Google Pay funktioniert außerdem bisher nur mit Kreditkarten.

Auch die Sparkassen bieten ihren Kunden inzwischen eine App: "Mobiles Bezahlen". In dieser App können Kunden ihre Giro- oder Kreditkarte hinterlegen und das per Sicherheitscode TAN bestätigen. Bei den Volks- und Raiffeisenbanken ist das mobile Bezahlen eine Funktion innerhalb der Banking-App, unter dem Menüpunkt "Digitale Karten" kann man sie einrichten.

Alle Lösungen funktionieren nur mit Android-Geräten, die in Deutschland aber auch am weitesten verbreitet sind.

Apple Pay soll bis Ende 2018 in Deutschland verfügbar sein. Zu Beginn dabei sind wahrscheinlich die Deutsche Bank, Hypovereinsbank, Santander, N26 und der Wirecard-Ableger Boon. Bis dahin ist das mobile Bezahlen nur für Android-Nutzer möglich. Denn Apple gibt anderen Anbietern keinen Zugriff auf die NFC-Technik im iPhone.

Beitrag von Christine Knospe