Live im Sommergarten: - Sumo-Ringerinnen aus Brandenburg

Den Gegner ganz genau ins Visier nehmen: Im Sumo gehört das mit zum Kampf. Auch beim Nachwuchs. Die mehrfache Weltmeisterin Sandra Köppen-Zuckschwerdt trainiert die Brandenburger Sumo-Jugend – und war gerade mit ihren Zöglingen bei der Weltmeisterschaft in Taiwan.

Für eine WM-Medaille hat es diesmal nicht gereicht für die Sumo-Ringer aus Brandenburg. Aber immerhin: Für Medaillen-Hoffnung Kerstin Schmidtsdorf wurde es ein guter 5. Platz. Sandra Köppen-Zuckschwerdt ist ihre Trainerin und großes Vorbild des Sumo-Nachwuchses. Nach einer erfolgreichen Karriere im Judo wurde sie Sumotori, wie man die Sumo-Kämpfer nennt. Fünf Mal war sie Weltmeisterin. Ihre Tochter Marie-Luis Zuckschwerdt tritt in ihre Fußstapfen. In Taiwan startete sie mit nur 13 Jahren in der Altersklasse U18 und erkämpfte sich den 7. Platz. „Die Erfahrung, die sie mit dieser Teilnahme machen konnte, und die Chance, auf echtem Lehmboden zu kämpfen, sind unbezahlbar“, sagt ihre Mutter stolz. „Wir gratulieren zu dieser großartigen Leistung und zu ihrem Mut, bei den Großen mitzukämpfen.“

Sumo-Ringer als Nationalheilige
Sumo ist im Japanischen ein allgemeiner Begriff für Ringen. Bereits vor rund 2000 Jahren gab es erste Kämpfe zu Ehren der Shinto-Götter. In heutiger Form existiert der Sport seit dem 19. Jahrhundert. Sumo-Ringer gelten in Japan als Nachfahren der Samurai – archaisch, stark und diszipliniert. Sie müssen vor allem eins sein: loyal. Ihr ganzes Leben verbringen sie im gleichen Verein. In Japan werden sie wie Nationalheilige gefeiert. Zwar existieren innerhalb und außerhalb Japans Amateurligen, das einzige professionelle Ligen-System des Sumō gibt es aber in Japan: Das Ozumō. In diesem wacht der Sumō-Verband aufmerksam über die Einhaltung der Regeln, die nicht nur den unmittelbaren Sport, sondern das gesamte Leben der Ringer betreffen. Zeremonielle Einmärsche und religiöse Rituale nehmen auf den Turnieren die meiste Zeit in Anspruch. Die Kämpfe selbst dauern durchschnittlich unter zehn Sekunden.

Nicht alle schwergewichtig
Die Amateur-Sumōtori rekrutieren sich hingegen zum großen Teil aus aktiven oder ehemaligen Judōka. Die Kampfregeln sind weitestgehend identisch mit denen des traditionellen japanischen Sumō-Ringens. Aber: Die Amateure fokussieren sich ausschließlich auf den eigentlichen sportlichen Wettkampf. Die im Vorfeld üblichen Zeremonien oder Rituale werden deshalb größtenteils weggelassen. Die Kämpfe selbst können außer in klassischen Dohyos aus Lehm auch auf Sportmatten ausgetragen werden. Meisterschaften werden in verschiedenen Gewichtsklassen abgehalten, wobei die Einteilung dieser Klassen von der jeweiligen Altersgruppe abhängt. Durch diese Maßnahmen wird auch relativ leichten Ringern die Möglichkeit zum Erfolg gewährt. Und: Nur bei den Amateuren sind auch Frauen zulässig.

Beitrag von Christine Knospe