Diskussion über Ausstieg vor 2038 - Ost-Ministerpräsidenten warnen vor vorzeitigem Kohleausstieg

Sa 17.12.22 | 14:57 Uhr
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Windkraftwerke vor einem Braunkohle Kraftwerk (Quelle: dpa/Jochen Tack)
Audio: Antenne Brandenburg | 17.12.2022 | Daniel Mastow | Bild: dpa/Jochen Tack

Der Bund will die Bundesländer offenbar mit finanziellen Anreizen zu einem Kohleausstieg vor dem Jahr 2038 bewegen - den Ministerpräsidenten der Kohle-Länder im Osten missfällt das. Sie warnen vor einer unsicheren Energieversorgung.

Die Regierungschefs der ostdeutschen Kohleländer haben mit Verweis auf die Energiekrise vor einem vorzeitigen Kohleausstieg gewarnt und Verlässlichkeit vom Bund angemahnt. "Die Braunkohle wird aktuell und auch absehbar gebraucht wie selten zuvor, um eine gesicherte Energieversorgung für Deutschland zu gewährleisten", heißt es in einem am Freitag bekanntgewordenen Brief von Dietmar Woidke (Brandenburg, SPD), Michael Kretschmer (Sachsen, CDU) und Reiner Haseloff (Sachsen-Anhalt, CDU) an Kanzler Olaf Scholz (SPD).

Dennoch übe vor allem das Bundeswirtschaftsministerium "in vielfältiger Weise direkt und indirekt Druck aus, um die ostdeutschen Braunkohleunternehmen zu einem vorzeitigen Ausstieg zu bewegen".

Erhebliche finanzielle Vergünstigungen für schnellen Ausstieg

Nach Darstellung der drei Ministerpräsidenten werden in Gesetzgebungsverfahren erhebliche finanzielle Begünstigungen geplant, "mit denen offenkundig auch die ostdeutschen Bergbauunternehmen dazu "motiviert" werden sollen, nach dem Vorbild des Rheinischen Reviers ebenfalls einem vorgezogenen Ausstiegsdatum zuzustimmen".

Der Kohlekonsens werde so infrage gestellt und aufgeweicht. Ursprünglich war als Datum für den Kohleausstieg das Jahr 2038 festgelegt. In ihrem Koalitionsvertrag hat die Ampel-Koalition in Berlin formuliert, "idealerweise" bis 2030 auszusteigen.

Wettbewerbsfähigkeit als Kohle-Argument

Woidke, Kretschmer und Haseloff machten darauf aufmerksam, dass dieser Umstand die Menschen in den ostdeutschen Revieren verunsichere und sich die finanziellen Risiken für die Länder erhöhten. "Die deutsche Stromerzeugung befindet sich durch den Wegbruch der bisher als selbstverständlich geltenden Option billiger Stromerzeugung aus Gaskraftwerken unter größter Anspannung." Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit brauchten eine Diskussion über Zubau. "Und zwar Zubau an gesicherter Leistung, Netzen und Speichern."

"Ich halte den Kohleausstieg in Sachsen vor 2038 für klimapolitisch absolut notwendig", konterte Kretschmers Stellvertreter und Energieminister Wolfram Günther (Grüne). Der Ausstieg werde unabhängig von politischen Entscheidungen aus wirtschaftlichen Gründen vor 2038 kommen. Um Sachsen als Energieland und Wirtschaftsstandort auf einen früheren Kohleausstieg vorzubereiten, gelte es den Ausbau erneuerbarer Energie massiv zu beschleunigen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 16.12.2022, 8:30 Uhr

49 Kommentare

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  1. 49.

    Für mich stellt sich die Frage, von wo kommt nach 2030 die sichere Grundlast von 30-45 GW her . Da es keine echte alternative gibt , müssen die Kohlekraftweke bis 2038 weiter am Netz bleiben .

  2. 48.

    1 ich gehöre keiner Seite an, sondern ich gehe realistisch an die ganze Sache ran. Nicht einmal Sie wissen ob es gelingt DE zu 100%mit EE zu versorgen, keiner weiß das alle hoffen es ,oder welches Land auf der Welt hat es schon geschafft ,keins. Alle reden davon es ist bis jetzt nur Theorie nichts weiter. Wie des öffteren schon geschrieben erst wenn die EE in der Lage sind die Energieversorgung unseres Landes zu 100% zu übernehmen können wir alles andere abschalten und nur dann. Zum Beispiel Vestas glauben Sie wirklich die haben sich aus DE zurück gezogen weil die Regierung den Ausbau von EE verschleppt haben ,nein die sind nach Indien gegangen weil man dort billiger produzieren kann und mehr Gewinn macht, nennt man Kapitalismus. Oder Tschernitz das letzte Solarglaswerk in DE die müssen jetzt das dreifache an Gas bezahlen, was glauben Sie wie lange das Werk bei diesen Gaspreise in DE noch durchhalten kann. Es sind die Rahmenbedingungen die die Firmen aus DE vertreiben .

  3. 47.

    Ich habe auf Ihren Beitrag #36 geantwortet, und promt lenkt man in alter Manier ab, diesmal mit einer neuen Behauptung.
    Mene Zahlen belegen den Stand der EE - Versorgung, und wer an Wunder glaubt, der ist realitätsfern, zumal es nicht nur um verläßlich verfügbare Menge geht, sondern auch die jederzeit verläßliche Spannung des verfügbaren Stroms, zwar nicht für die Haushalte, aber für die Industrie.

  4. 46.

    Merkel hatte das Sagen und der Altmaier als ehemaliger Kanzleramtschef und späterer Wirtschaftsminister tat bestimmt nie etwas gegen seine "Gönnerin". P.A. war stets Merkel. Die Industrien auf der ganzen Welt mögen und verlangen doch niedrige Energiepreise. EEG-Umlage war industrieschädigend und wir Bürger zahlen doch ""gern unter Zwang". Ich sage ehrlich: Wenn wir aus dieser heutigen Notlage jemals wieder raus kommen ist das ein Wunder. Es wartet ein Schuldenberg, den bitte wer abzubauen bereit ist ? Die anzuwerbenden Fachkräfte aus dem Ausland ?

  5. 45.

    "Altmaier? Glauben sie wirklich der durfte über diese Sachen selbst entscheiden? "

    Erzählen sie uns ruhig mehr aus ihrer Verschwörungsbubble, am 4. Advent ist Zeit für schöne Märchen.

    "Es muß vorwärts gehen, mit Logik, Verstand und Fachwissen." Momentan geht es eher rückwärts, wie man oben zweifelsfrei nachlesen kann. Entgegen jeder Logik, Verstand und Fachwissen.

    "Mit Ideologie, festkleben und Wünsch mir was wird dat nix." Es sind die ostdeutschen MP die mit Ideologie an veralteten Technologien festhalten, kleben tun die auch, nämlich an ihren Stühlen weshalb sie dummen Leuten ohne Weitsicht und Verstand nach dem Munde reden.

  6. 44.

    "Fazit, mit EE konnte nicht einmal die Hälfte des öffentlichen Stromverbrauchs abgedeckt werden. "

    Welch Wunder wenn man jahrelang absichtlich den Ausbau verhindert.

  7. 43.

    Altmaier? Glauben sie wirklich der durfte über diese Sachen selbst entscheiden?
    Aber es ist egal, es hilft nicht weiter über die Fehler der Vergangenheit zu streiten.
    Es muß vorwärts gehen, mit Logik, Verstand und Fachwissen.
    Mit Ideologie, festkleben und Wünsch mir was wird dat nix.

  8. 42.

    Nun, die öffentliche Stromversorgung im ersten Halbjahr 2021 in TWh: Kernkraft 32,2, Braukohle 45,8, Steikohle 20,4, Gas 30,7 = 129,1 ; Wind 59, Solar 28,3, Biomasse 22,4, Wasser 11,1 = 120,8 TWh.
    Fazit, mit EE konnte nicht einmal die Hälfte des öffentlichen Stromverbrauchs abgedeckt werden.
    Übrigens, mit welchen Strom wird die Industrie versorgt?

  9. 41.

    Merkel? So ein Quatsch! Es war die deutsche Industrie die billige Energie wollte und immer noch will, es war hauptsächlich Altmaier der sich gegen den Ausbau der EE gestemmt hatte. Außerdem hatte Altmaier bewußt ein Gutachten zum Kohleausstieg zurückgehalten und dafür gesorgt dass Unternehmen die Zahlung der EEG-Umlage umgehen konten.

    Ich schließe jetzt schon Wetten ab auf wessen Gehaltsliste Altmaier in ein paar Monaten auftauchen wird.

  10. 40.

    Merkel ist nun mal immer noch promovierte Physikerin. Ob die innerlich mit EE abgeschlossen hat und nur "Klimaschutz" predigte wie der Pfarrer in der Kirche seine Predigt ? Nordstream 1 und 2 wurden von Merkel für absolut notwendig befunden. Damals durfte die das. sie war ja "mächtigste Frau der Welt". Heute verscheißern uns andere.

  11. 39.

    Deutschland hat als Industrieland aber nicht den höchsten CO2- Eintrag / Kopf in die Atmosphäre. Wenn weltweit nicht mit gezogen wird erleidet die Erdenbevölkerung den Hitze-und Hungertod. Was ist denn nun wirklich an messbarem Erfolg aus den Klimakonferenzen raus gekommen ? Tonnenweise Kerosinverbrennung und schöne Tage am Meer und gutes Essen dazu. Wir müssen uns dem Potential der Erde anpassen. Insektenschutz heißt Nahrungsmittelproduktion sichern. Wir haben 16,6° im Schlafzimmer; einiges wird klamm-wir müssen heute dort "trockenheizen". Bald kommt nun die CO2-Strafsteuer; unsere Politik hat so viel falsch gemacht; Reden schwingen führt zu Verdruss der Bürger. 40 cent für 1Kwh ist "Weltspitze".

  12. 38.

    Meine Vorstellungen sind ähnlich bis gleich. Wenn ich nur an die kommende Volksbefragung in Sachen Energie in Berlin denke schüttle ich nur den Kopf; das kann nichts werden. Wo kommt denn Berlins Energie her ? Auch aus Brandenburg ; bestimmt noch länger "Kohlestromland" als uns lieb. Derzeit kaum Wind; von Sonne für PV lieber schweigen. Erdwärme nutzen wird zunehmen. Aber denken wir nur an Krieg und Rüstung weltweit - absolute Klimakiller. Bekomme nasse Augen wenn ich Bilder aus der Ukraine sehe. Was bringen uns jährlich 500 000 TESLAS ? Viel zu groß, zu schwer . Kleine E-Mobile und ÖNV bedarfsgerecht ausbauen. Schluss mit Urlaubsfliegerei in ferne Länder. Europa reicht allemal aber nicht 3 x im Jahr ! Politiker müssen Vorbild sein; nur von anderen verlangen ist ein Unding.

  13. 37.

    Wenn sie richtig gelesen hätten, dann wüssten sie, dass jetzt genau in diesem Moment kein kompletter Ausstieg möglich ist und ein Grund in der Blockadehaltung der damaligen Regierung lag.
    Und nochmal Merkel ist promovierte Physikerin und kein Jurist. Schließlich hat sie die Sprache Fukushima auch verstanden.
    Vielleicht bekommen wir über eine zeitnahe Kernfusion noch ein neues Zeitfenster für viele Möglichkeiten, aber auch hier haben uns China und die USA bereits komplett abgehängt.

  14. 36.

    "Die eine glaubt nicht daran das es gelingt dieses Land zu 100%mit EE zu versorgen und die andere hofft das es funktioniert. "

    Schon an diesem Satz sieht man welcher "Seite" sie angehören. Man "hofft" nicht, sondern ist frei von ideologischen Verblendungen der EE Gegner.

    "Die Solar und Windkraftunternehmen haben DE nicht den Rücken gekehrt weil der Ausbau der EE zu schleppend voran ging, sondern weil sie woanders billiger ist."

    Man hat von Seiten der alten Bundesregierung alles dafür getan die EE Unternehmen zu behindern und regelrecht zu sabotieren.

  15. 35.

    Egal wann, egal warum … Hauptsache KEIN ABRISS, sondern in die kalte Reserve … Für noch 100 Jahre … DAS sollten wir bitte gelernt haben !

  16. 34.

    Man sieht mal wieder bei diesem Thema, es gibt hier 2 Seiten. Die eine glaubt nicht daran das es gelingt dieses Land zu 100%mit EE zu versorgen und die andere hofft das es funktioniert. Man kann jetzt darüber diskutieren was alles falsch gelaufen ist, aber zu sagen das dieses hoch industrielle Land nur mit EE seinen Energiebedarf decken kann, ist für mich zur Zeit nur ein frommer Wunsch. Einige hier in der Runde haben schon etwas in der Richtung klimafreundlich getan PV,Erdwärme usw im kleinen mag es funktionieren aber ob es auch für ein ganzes Land funktioniert,das werden wir sehen wenn es soweit ist,berechtigte Zweifel bei dem einen oder anderen sind eventuell angebracht. Wenn einige hier schreiben die frühere Regierung hat den Ausbau von EE verschleppt, kann sein oder vielleicht hat sie auch nicht geglaubt das dies möglich ist. Die Solar und Windkraftunternehmen haben DE nicht den Rücken gekehrt weil der Ausbau der EE zu schleppend voran ging, sondern weil sie woanders billiger ist.

  17. 33.

    Sie haben ja recht
    Es gibt halt aber auch natürliche klimaveränderungen,die durch uns stark gefördert und dadurch durch uns verursacht wird
    Die Merkelregierung und allgemein CDU/ CSU haben den Sektor der EE ins Stocken gebracht , ansonsten könnten wir da schon viel weiter sein
    Viele Foristen scheinen hier aber eher der Kohlelobby nahe zu stehen

  18. 32.

    Nicht teils sondern ausschließlich menschengemacht. Oder wie glauben sie sind die Treibhausgase in dieser Menge in die Atmosphäre gelangt.
    Bestimmt nicht indem fossile Bodenschätze von selbst beschlossen hätten sich zu fördern und abzufackeln und das wissen Wissenschaftler schon sehr lange. Selbst die Proklamation des Club of Rome 1972 hat niemanden der Politiker wirklich interessiert.
    Aber die schlimmsten Frefeljahre waren schließlich die Merkel-Jahre. Gerade als Physikerin und Umweltministerin wusste sie am besten was sie tat. Wir hätten alle Zeit der Welt gehabt, eine sanfte Transformation zu vollziehen!!

  19. 31.

    Was bringen Vergünstigungen, wenn man sonst ohne Alternative dasteht?
    Ein fester Zeitplan ist gut für wirtschaftliche Planbarkeit.
    Aber bis 2038 planen UND realisieren?
    Kann sich noch Vieles ändern, deshalb sollte so schnell und umsichtig wie mögich die Energiewende (mit H²)kommen.
    Energiesicherheit und Klimaschutz ist eine Frage des Gemeinwohls.
    Jeder merkt doch die Kosten einer unsicheren Versorgung.
    Parteipolitsche "Stänker" bringen hier absolut nix!

  20. 30.

    Nun ja, alles was angeführt(Einsatzzeiten der Geräte/Lage/neue Module/etc.)wird der Beitragsschreiber“Nils“ wohl auch kennen und beachten etc.. Aber Lage ist nicht mal einfach zu ändern und mal eben, wie ein Großteil der Kfz-Besitzer es machen, Module im 5-Jahres-Takt zu tauschen ist irgendwie auch „ausgedacht“.
    Weil da ja auch(überwiegend)zwangsweise neue Elektronik(Steuerung/Einspeisung) erforderlich wird. Muß man „übrig“ haben und Zwei-Pfennig-Fuffzig-aus-der-Portokasse reichen da eher nicht.
    Sicherlich kann man optimieren, aber auch das geht nur in einem gewissen Rahmen. Rechnen muß/sollte es sich auch noch. „Mal schnell und janz einfach“ ist es dann doch nicht.

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