6.130 Plätze für Geflüchtete - Berlin baut Container-Unterkünfte an 16 neuen Standorten

Di 26.03.24 | 15:40 Uhr
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Symbolbild: Einsamer Mann läuft über das Gelände der temporären Flüchtlingsunterkunft auf dem Flughafen Tempelhof. (Quelle: IMAGO/rolf kremming)
Video: rbb24 Abendschau | 26.03.2024 | Viktoria Kleber | Bild: IMAGO/rolf kremming

16 Standorte für mehr als 6.000 Menschen: Der Berliner Senat hat neue Standorte für Container-Unterkünfte benannt. Laut Regierendem Bürgermeister Wegner war die Standortsuche nicht einfach.

In Berlin sollen 16 neue Container-Unterkünfte mit bis zu 6.130 Plätzen für Flüchtlinge entstehen. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Senat bei seiner Sitzung am Dienstag, wie der Regierende Bürgermeister Kai Wegener (CDU) anschließend bekannt gab.

"Natürlich war es ein Ringen. Wenn Sie 16 Standorte beschließen plus die soziale Infrastruktur, dann können Sie sich vorstellen, dass nicht alle direkt an einem Strang gezogen haben", sagte Wegner. "Und trotzdem ist es gelungen, hier gemeinsam ein Gesamtpaket zu schnüren. Das zeigt den Willen des Berliner Senats, sich dieser gemeinsamen Aufgabe zu widmen."

Container-Unterkünfte rechnen sich ab drei Jahren

Die Unterkünfte sollen verteilt über neun Bezirke der Stadt in den Jahren 2025 und 2026 errichtet werden. Die kleinste Anlage hat 150, die größte 620 Plätze. Dabei sind den Angaben zufolge sowohl mehrgeschossige Unterkünfte, die als Wohnheim genutzt werden, als auch ein- oder dreigeschossige Containeranlagen mit Appartements vorgesehen.

Laut Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) ist das sogenannte Wohncontainer-Programm 2.0 dringend erforderlich, um die Unterbringung von geflüchteten Menschen in den kommenden Jahren zu gewährleisten. Es trage dazu bei, die Unterbringung in Notunterkünften zu reduzieren und später aufzulösen.

Container-Anlagen auf Brachen und Parkplätzen

Die Container-Anlagen entstehen demnach auf Brachen und Parkplätzen sowie Flächen, die erst in einigen Jahren bebaut werden sollen. Geplant sind ein- bis dreistöckige Unterkünfte, teils Wohnheime mit Gemeinschaftsküche und -sanitäranlagen, teils Mini-Appartements mit kleiner Küche und Bad für zwei Zimmer.

Laut Angaben des Senats rechnet sich die Aufstellung von Containern erst ab einer Nutzungsdauer von mindestens drei Jahren. Für eine der Flächen (in Tegel Nord) ist in der Liste eine maximale Laufzeit bis 2029 angegeben, danach ist dort regulärer Wohnungsbau geplant. Bei den übrigen Flächen ist entweder Ende Dezember 2030 als Enddatum ausgewiesen oder eine unbefristete Laufzeit.

Grünen-Fraktionsvorsitzende Bettina Jarasch teilte am Dienstag mit, Containerdörfer in den Bezirken seien allemal besser als Massenunterkünfte wie in Tegel. "Die beste Lösung bleibt gemischtes Wohnen von geflüchteten und nicht geflüchteten Menschen." Das neue Programm könne deshalb nur ein erster Schritt sein. "Es braucht soziale Angebote, Betreuung, Schulplätze und Verkehrsanbindungen. Hier darf der Senat die Bezirke nicht länger allein lassen."

Broemme: Verteilung der Flüchtlinge ist ungerecht

Berlins Flüchtlingskoordinator Albrecht Broemme sagte der rbb24 Abendschau am Dienstag, die Verteilung der Flüchtlinge in Berlin sei ungerecht. Broemme sagte, dies liege an den verfügbaren Flächen für Wohncontainer. Da gebe es in einigen Bezirken mehr und in anderen weniger oder gar keine geeigneten Plätze. Die Verwaltung versuche das ein stückweit zu kompensieren, indem Hotelplätze angemietet werden. "Aber einen Verteilungsschlüssel, wie er gut wäre, werden wir in Berlin nie hinkriegen", so Broemme.

Auf der Suche nach geeigneten Unterkünften werde nun auch der Leerstand auf privaten Grundstücken geprüft. Hier müsse man aber immer auf den Zustand schauen, denn eine leerstehende Industriehalle mit kaputtem Dach helfe da wenig. Der Flüchtlingskoordinator erklärte, er angesichts anhaltender weltweiter Krisen längerfristig keine Entspannung bei den Flüchtlingszahlen.

Hier werden die neuen Standorte entstehen

Reinickendorf

Am Borsigturm: 210 Plätze

Tegel Nord: 500 Plätze

Spandau

Askanierring: 500 Plätze

Pankow

Blankenburger Pflasterweg: 500 Plätze

Buchholzer Str./Rosenthaler Weg: 500 Plätze

Eldenaer Str.: 400 Plätze

Lichtenberg

Darßer Str. (2 Standorte): 770 Plätze

Klützer Str.: 510 Plätze

Storkower Str. 310 Plätze

Treptow-Köpenick

Grünauer Str.: 150 Plätze

Fürstenwalder Allee: 500 Plätze

Tempelhof-Schöneberg

General-Pape-Str.: 240 Plätze

Neukölln

Sangerhauser Weg: 450 Plätze

Steglitz-Zehlendorf

Thielallee: 260 Plätze

Charlottenburg-Wilmersdorf

Cordesstr.: 330 Plätze

Kritik aus den Bezirken

Der Bezirksbürgermeister von Lichtenberg, Martin Schaefer (CDU), erklärte, alle vier in Lichtenberg vorgesehenen Standorte seien für die Unterkünfte nicht geeignet. Es gebe nicht genügend Schul- und Kita-Plätze oder soziale und integrative Angebote und auch keine ausreichende Gesundheitsversorgung. In der Klützer Straße solle sogar ein zukünftiger Schulstandort dauerhaft wegfallen. Das könne er niemanden im Bezirk erklären.

Schaefer forderte eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge über die gesamte Stadt - und keine "einseitige Belastung insbesondere für den Ostteil" - sowie einen deutlichen Ausbau der Kapazitäten auf dem Tempelhofer Feld.

Das Bezirksamt Reinickendorf zeigte sich verwundert über die Pläne des Senats. Man habe aus der Presse erfahren, dass in dem Bezirk zwei neue Containerstandorte vorgesehen sind, darunter am Borsigturm in Tegel.

Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) sprach von einem unabgestimmten Vorpreschen der Landesebene in Sachen Flüchtlingsunterbringung.

Das Bezirksamt erklärte, Reinickendorf liege bereits mit an der Spitze bei der Unterbringung von Flüchtlingen in Berlin. Die soziale Infrastruktur sei dadurch überlastet. So könne Integration nicht gelingen.

Sendung: rbb24 Inforadio, 26.03.2024, 10 Uhr

69 Kommentare

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  1. 69.

    Wo ist denn Buchholzer Str./Rosenthaler Weg? Die Straßen kreuzen sich nicht.

  2. 68.

    Es gibt 6 oder 7 Standorte für Geflüchtete in Steglitz-Zehlendorf. Was dachten Sie denn, das es nur 2 Stück gibt. Auch Steglitz-Zehlendorf ist bald voll und kann keine mehr Aufnehmen.

  3. 67.

    Steffen, die Welt ändert sich grad rasant und es wird noch schlimmer. Auch wenn es Dir wehtut, auch Du mußt da leider mitmachen, die Kriege werden nicht weniger und Naturkatastrophen mit sehr vielen Pferd im Menschen- als auch im Tierreich nehmen zu. Drum reiß Dich jetzt zusammen und jammere nicht wie ein bockiges Kind und mach einfach mit, daß es besser wird, mmmh?

  4. 66.

    Nun ist es aber so, lieber Steffen, dass es nicht darum geht, was man will, sondern um das, was Krisen so mit sich bringen und ich kann ihnen nur das eine mit Sicherheit vermitteln, egal, wie sehr sie gegen unsere Politiker argumentieren wollen, keine AfD kann die Millionen von Ukrainern davon abhalten, in der nächsten Zeit zu uns zu kommen, auch wenn der Krieg der Russen auf Moldau ausgebreitet wird, wird keiner die Menschen aufhalten können.
    Also wenden Sie sich bitte direkt an den Kreml und bitten sie um Frieden.
    Krisen muss man gemeinsam durchstehen und nicht nur einen Sündenbock suchen, weil es unbequem wird, denn es wird noch viel unbequemer und Rechtspopulisten sind tatsächlich nirgends eine Lösung, sie verschlimmern die Situation.
    Vielleicht können sie ansatzweise folgen.

  5. 65.

    Da Sie ganz offensichtlich kein Argument entgegenzusetzen haben, müssen Sie sich eben auf die Herabwertung anderer Meinungen beschränken. Vielleicht kommen mal Sie aus Ihrer Blase raus und sehen sich da draußen mal um. Im Moment wird unsere Politik keinem gerecht, nicht den Flüchtenden und auch nicht denen, die schon länger hier leben.

  6. 64.

    Da stellt sich mir die Frage wie dieses alles funktionieren soll mit der Integration der Geflüchteten. Wo sollen sie Ärztlich versorgt werden, wo sollen die Kinder in Kitas und Schulen untergebracht werden.
    Die nächste Frage die mich stellt wurde im Vorfeld mit den Anwohnern der betroffenen Gegiebte darüber gesprochen von Senats und Bezirksverwaltung wenn nicht wundert es mich nicht das die Rechten Parteien immer mehr Zulauf bekommen wegen Ablehnung dieser Unterkünfte.

  7. 63.

    Und der Nächste, der hier min. rechtspopulistische Narrative zum Vortrag bringt. Warum kann man sich denken.

  8. 62.

    Offensichtlich sind die verzweifelten Rufe, daß man noch über ausreichend leerstehenden Wohnraum verfügt und die noch bis Januar aus Berlin und Hamburg zu hören waren, endlich erhört worden.

  9. 61.

    "..sind sich unsere Politiker der Folgen bewusst???" Sie werden doch bei jeder Wahl in ihren Handlungen wieder bestätigt. Also ist die korrekte Annahme, dass sie alles richtig machen und deshalb handeln sie weiter so. Gewählt werden heißt für Politiker, dass das, was sie tun, dem entspricht, was ihre Wähler wollen. So gesehen ist der Wille der Mehrheit klar.

  10. 60.

    Ist es nicht eher die aktuelle Politik, die die Ärmsten gegeneinander ausspielt, wenn diese erkennbar ungleich behandelt werden? Schuld ist doch nicht derjenige, der diese Missstände benennt.

  11. 59.

    Ich liebe solche aufklärenden Auftriite.
    Polizeistatistiken, zum Beispiel, NRW, sprechen da deutlich. Da geht es nicht um banale Laubeneibrüche und Ruhestörung.
    Mir ist es egal.
    Hier im ThälmannPark neben einer Grundschule, im gutbürgerlichen KavalierKiez Verdichtung.
    Dafür die schon jahrelange Verhinderung von 5.000 Wohnungen plus Soziales wie Schule, Kindergarten, Arztpraxen und Einkaufsgelegenheiten durch die Grün/SED-Bezirksfürsten.

  12. 58.

    "Die Anwohner werden begeistert sein über die steigende Zahl von Laubeneinbrüchen, Diebstählen und Ruhestörungen im Nahfeld. "

    Werden? Unbewiesene Behauptungen und von wem die kommen ist auch bekannt.

  13. 57.

    Warum wollen gewisse Kreise die Ärmsten der Gesellschaft gegeneinander ausspielen?

    Fragen über Fragen.

  14. 56.

    Wir haben doch beim letzten Zensus die Frage zur Wohnungsgrösse und Anzahl der Bewohner beantwortet. Liegt also alles bei den staatlichen Stellen vor.

  15. 55.

    Antwort auf Toscana:
    Ich bin auch voll Ihrer Meinung das was ich geschrieben habe war von mir ironisch gemeint.

  16. 54.

    Ja, Sie gehen nun weiter als die so. Unterkunft. Korrekt, die alten Modelle, dass es dt Muttersprachler/Fachkräfte sein müssen, das können wir beim besten Willen nicht mehr ohne dass neue Löcher gerissen werden. Da müssen einfach neue Modelle her. Das kann beim Sauberhalten nach Plan, Kontrolle, gemeinsamen Sprachlernzirkeln m. einem "Smartphone-Versteher", den man natürlich anleiten muss, starten. Eine aktive Person gibt es immer. Das alles hat/ist der Charakter einer Vorbereitung oder Vorkurse,die Ehrgeize zu wecken, dass die neue verbindende Sprache Deutsch sein muss, anspruchsvoller Englisch. Und Vorbereitungskurse sind nicht grundsätzlich geschützte Begriffe. Mit den HWK und JC abstimmen, was man anbieten kann. Wohin gute Vorbereitungsarbeiten u. Berufseinstiegskurse, zumindest im Bäckerhandwerk, führen können, hat eine Familienbäckerei in EBW längst bewiesen.Trotzdem sind damit nicht die weiteren Probl. gelöst. Die Wohnungen - für alle. Uralt-Probleme aus 1970 u.eher

  17. 53.

    Ein Dach über dem Kopf ist nicht alles. Es gibt keine Kitaplätze, keine Schulplätze, keine ausreichende ärztliche Versorgung, keine Infrastruktur…..
    Es macht überhaupt keinen Sinn, die Menschen in einer hektischen, überfüllten Großstadt unterzubringen.

  18. 52.

    In Berlin-Altglienicke entstanden hunderte Flüchtlingswohnungen Neubau am Rande des Naturschutzgebietes. Wer würde dort nicht gerne wohnen als Berliner ? Am Britzer Garten Sangershauser Weg entstehen 450 Plätze für Flüchtlinge. Die Anwohner werden begeistert sein über die steigende Zahl von Laubeneinbrüchen, Diebstählen und Ruhestörungen im Nahfeld. Wo bisher keine großen Probleme waren, werden Probleme geschaffen. Was sagt eigentlich Herr Dr. Robbin Juhnke von der CDU dazu, der ja hier immer massenweise seine Zettel in den Briefkästen verteilen lässt?

  19. 51.

    Finde ick jut. Man muss Menschen in Not helfen.
    Warum aber im Pankower Grünen-Habitat nur drei Container-Unterkünfte?
    Die sich moralisch über andere Erhebenden können Willkommenskultur vor Ort ausleben.
    Ich persönlich freue mich auf die Menschen, die Hilfe benötigen.

  20. 50.

    Pankow und Lichtenberg scheinen immer doppelt 'Hier' zu rufen. Es gibt jetzt schon keine Arzt u. Bürgeramttermine mehr. I love It

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