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Wer ist eigentlich meine beste Freund*in? - Kontaktverbote - Wer darf wirklich auf die Einsame Insel?

Die Corona-Zahlen sinken nicht schnell genug, mehr Einschränkungen sollen helfen. Das könnte bedeuten: Keine privaten Feiern mehr, nur noch Kontakte mit einem anderen Haushalt. Und auch Kinder und Jugendliche sollen sich nur noch mit einem Freund oder Freundin treffen. Aber wer ist eigentlich meine beste Freundin, mein bester Freund? Gedanken dazu von André Bochow.

Corona? – nun ja, wir sind gestählt. Dachte der Familienverband. Bis gestern. Dann sickerten die neuen Daumenschraubenvorschläge der Bundesregierung durch. Gut, sich bei jedem Husten fünf Tage zurückzuziehen, kommt dem fauleren Teil der Kinder entgegen. Aber dann fragte der Mittlere: Was ist, wenn ich keinen besten Freund habe?

Die Milch im Kaffee begann vor Panik zu flocken. Wie, Du hast keinen besten Freund, hieß es von allen Seiten. Was ist denn mit Paul? Paul sei ebenso sein bester Freund, sagte der Mittlere, wie es Benjamin und Cem seien. Aus pädagogischen und politischen Gründen unterdrückte das Elternpaar nicht zitierfähige Flüche gegen die Bundesregierung. Denn nun war es da, das Dilemma. Jedes Kind sollte sich auf ein einziges anderes Kind als festen Corona-Freund festlegen.

Der älteren Tochter fiel die Festlegung leicht, was aber den Erziehungsberechtigten nicht passte, weil sie dahinter mehr als das gemeinsame Brüten über Hauaufgaben vermuteten. Jerome, der Erwählte, wurde von der Liste gestrichen, was neue Fragen aufwarf. Die übrigens mit knallenden Türen unterstrichen wurden.

Der Jüngste wiederum hatte folgendes Problem: Wenn sich der, mit dem er sich treffen würde, lieber mit einem anderen träfe, der wiederum sich mit ihm, also dem Jüngsten zusammenschließen zu wollen verkündet hatte, blieben dann möglicherweise alle allein?

Das kann die Regierung sowieso nicht kontrollieren, sagte der männliche Teil des Elternpaares, worauf der weibliche Teil mit einem vernichtenden Blick reagierte. Noch schlimmer war die sich anschließende Frage, mit welchen zwei Erwachsenen welchen Hausstandes man sich in den nächsten Wochen treffen wolle. Ähm, sagte er, ähm … mit Klaus und Marie? Schnell wünschte er, etwas anderes vorgeschlagen zu haben. Reden wir von derselben Marie, die unseren Jüngsten durchschnittlich begabt genannt hat? – schrie sie. Worauf er, jetzt doch schon sehr defensiv, die Schwiegereltern aufs Tapet brachte, was schließlich schnaubend akzeptiert wurde.

Das also steht nun allen bevor. Wir sollen etwas tun, was die meisten von uns schlecht oder gar nicht können. Sich auf Menschen festlegen. Ohne Ausweichmöglichkeiten. Kein: Heute hier, morgen dort. Noch schlimmer wäre es, wenn wir die falsche Wahl träfen. Nicht auszudenken.

Bund und Länder, mal herhören! Die Diskussion geht zwar weiter, aber es gibt letztlich nur eine Lösung: Isoliert uns komplett! Wir können uns einfach nicht entscheiden.

André Bochow, rbbKultur

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