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Bild: Carsten Kampf

Ein Einwurf von Nikolaus Bernau - Loblied auf die deutsche Verwaltung

Viel wird über die Berliner und die deutsche Covid-19-Politik geklagt. Alle sollen sie versagt haben, die Politikerinnen und die Ärzte, die Gesundheitsbehörden und die Transportfirmen. Auch unser Architekturkritiker Nikolaus Bernau ist gerne bereit, die Berliner Verwaltungen kritisch anzugehen. Aber jetzt gerade hat er ganz andere Erfahrungen gemacht.

Vielleicht sind wir die statistische Ausnahme von der Behauptung, dass die Berliner Verwaltung in Sachen Covid-19-Bekämpfung überfordert, inkompetent und unfreundlich sei. Mag sein. Aber alle, wirklich alle Kontakte zwischen dem Bürger Bernau, der hier spricht, und den Gesundheitsbehörden des Landes Berlin in dieser Hinsicht sind bisher überaus positiv verlaufen. Sorry, soll kein Wortspiel sein.

Das Ergebnis des nach einigen leichten Grippesymptomen gemachten Schnelltests kam Sonntag Spätnachmittag. Es verkündete, dass Bürger Bernau Viren des Typs Covid-19 in sich trägt, also eine Gefahr für sich, seine Liebsten und die Umgebung ist. Nicht einmal zwanzig Minuten später meldete sich eine freundliche Dame vom Gesundheitsamt – wohlgemerkt, Sonntag spätnachmittags! – dankte für die Vorsicht, fragte, wie es mir denn so ginge, ob ich Risikogruppe sei, ich möchte doch bitte alle "K 1" – das sind Kontaktpersonen erster Kategorie – informieren und mich ab jetzt an die Regeln der Quarantäne halten. Und am nächsten Morgen um 10.10 Uhr könne im Gesundheitshaus Pankow ein gründlicherer PCR Test gemacht werden.

Am nächsten Morgen auf ins Pankower Gesundheitshaus – ein hinreißender Bau des Berliner Expressionismus übrigens. Eine junge Bundeswehrärztin nahm mir den Test ab und erzählte von ihrer Zeit in Zittau. Es sei schrecklich gewesen. Frei erinnert: Wir sollten die Corona-Skeptiker nur einmal in ein Krankenhaus führen – danach lassen sie sich testen und impfen. Zwei Tage später kam der offizielle Brief des Amts, das mir mitteilte, was ich nun zu tun und vor allem, was ich zu lassen habe. Einige Tage später wurde noch einmal telefonisch nachgefragt.

Sicher, das Hin und Her etwa der Berliner Schulpolitik in Covid-Zeiten nervt. Miesepetrige Beamte und Angestellte in den Büros gibt es weiter. Aber wie die Verwaltung und der Gesundheitsdienst, wie diese Stadt sich insgesamt als Organisationsorganismus gegen die Seuche stemmt, das ist auch bemerkenswert.

Wir sehen gerne die Fehler und die Fehlenden, weil uns das scheinbar entlastet: Ich brauche ja gar keinen Test zu machen, versackt eh … mit der Impfung warte ich mal, bis sich bei den Alten gezeigt hat, ob die wirkt. Und sicher: Das eigene Erleben mag eine statistische Ausnahme sein. Aber es sei gefragt: Könnten die netten, kompetenten und effizienten Stimmen am Telefon nicht auch die Regel sein, über die aber nicht gerne gesprochen wird, weil sie so langweilig normal erscheint?

Nikolaus Bernau, rbbKultur

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1 Kommentar

  1. 1.

    Lieber Herr Bernau, alles Gute für Sie und gute Besserung! Ich hoffe, alles geht möglichst sanft vorüber.
    Grüße NO 58