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Der Stichtag - 100. Geburtstag des Schriftstellers Erich Fried

Vor hundert Jahren, am 6. Mai 1921, wurde der Lyriker und Essayist Erich Fried in Wien geboren. Seine 1979 veröffentlichten "Liebesgedichte" wurden zu seinem größten Erfolg. Er machte sich aber auch einen Namen als Shakespeare-Übersetzer und war zeitlebens ein kritischer politischer Geist. Katrin Krämer über das Leben und Werk Erich Frieds.

Fried emigrierte mit 17 Jahren aus Österreich nach England, nachdem sein Vater 1938 von der Gestapo ermordet wurde. Sein Leben lang setzte er sich für Opfer von Gewalt und Unterdrückte ein. 1966 erscheint der Gedichtband "und Vietnam und". Lakonisch aufgezählte Gräuel werden zu bitteren Anklagen gegen den Krieg in Südostasien. Das überregionale Feuilleton ignoriert das Buch weitgehend. Erst Jahre später wird Erich Fried als Neuschöpfer des politischen Gedichts in der Bundesrepublik gefeiert.

Mit steigender Bekanntheit kommt es auch zu Anfeindungen: Seine Texte seien keine Lyrik, sondern Propaganda, erklären Konservative. Vielen stößt besonders Erich Frieds aktive Solidarität mit den protestierenden Studenten um 1968 sauer auf. Er wirkt am Berliner "Vietnam-Kongress" und an der anschließenden Demonstration mit. Seinen Wohnsitz in London aber behält er immer bei.

In den letzten Jahren vor seinem Tod am 22. November 1988 in Baden-Baden wuchs die Anerkennung, es gab Lesungen vor großem Publikum, zahlreiche Auszeichnungen. Erich Fried nutzte offizielle Anlässe für unbequeme Worte. Als ihm 1987 der Georg-Büchner-Preis in Darmstadt verliehen wird, weist er in seiner Dankesrede auf Unrecht gegenüber Roma vor Ort hin. Es kommt zum Eklat, der Oberbürgermeister greift den Preisträger an, worauf dieser und mit ihm viele Anwesende den Saal verlassen.

Seine "Liebesgedichte" aus dem Jahr 1979 wurden zu seinem größten Erfolg. Und sein bekanntestes Gedicht, "Was es ist" (1983), feiert die Liebe.