Sprecherin des Klimavolksbegehrens, Katharina Rogenhofer; © dpa/Georg Hochmuth
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Katharina Rogenhofer, Fridays for Future Österreich - "Ändert sich nichts, ändert sich alles"

Katharina Rogenhofer hat Fridays for Future in Österreich etabliert, ein Volksbegehren für ein Klimaschutzgesetz vorangetrieben und ist Autorin des Buches "Ändert sich nichts, ändert sich alles. Warum wir jetzt für unseren Planeten kämpfen müssen".

rbbKultur: Frau Rogenhofer, "Ändert sich nichts, ändert sich alles" - dieser Buchtitel ist eindringlich, gerade im Hinblick auf den Weltklimabericht, der gerade klargemacht hat, dass sich jetzt wirklich sehr schnell ganz viel ändern muss. Was ist denn das Allerwichtigste, das ich jetzt tun muss?

Rogenhofer: Ich glaube, zuallererst müssen wir mal aufhören das Falsche zu tun - zum Beispiel Öl- und Gasheizungen noch immer in Neubauten einzubauen. Wenn wir die jetzt einbauen, dann bleiben sie 20 Jahre dort. Wir müssen uns auch überlegen, wie die Zukunft unserer Mobilität aussieht: Brauchen wir noch überall Straßen oder können wir den Leuten Alternative bieten, die sie klimafreundlich von A nach B bringen?

Das sind alles Gedanken, die sich jetzt die Politik machen muss, weil die Möglichkeit, überhaupt klimafreundlich zu handeln, eng mit der Politik verknüpft ist.

rbbKultur: Über Dinge wie zum Beispiel Mobilität wird schon seit vielen Jahren gesprochen. Sie sagen, dass sich jetzt die Politik Gedanken machen muss. Doch das alleine wird nicht ganz reichen. Was muss von der Politik denn nun wirklich konkret getan werden?

Rogenhofer: Einerseits müssen wir den öffentlichen Verkehr breit ausbauen. Es müssen fast alle Orte öffentlich angeschlossen werden, damit man mit Zug und Bus überall hinkommt. Gerade für die ländlichen Gebiete gibt es schon ganz viele Möglichkeiten, Lösungen zu etablieren, die abseits von der individuellen Mobilität sind - also Rufbusse, Sammeltaxis und Möglichkeiten des Carsharings, wenn denn wirklich ein Auto benötigt wird.

Auf der anderen Seite müssen wir erneuerbare Energien jetzt ausbauen. Wir bekommen noch immer so viel Energie aus Öl, Kohle und Gas. Und dass wir so viel CO2 produzieren und in die Luft pumpen, ist ja die Grundlage der Klimakrise. Diese Sachen dürfen jetzt eigentlich nicht mehr passieren. Und da haben Sie Recht, da muss man vom Reden ins Tun kommen, weil reden tun viele Menschen darüben.

rbbKultur: Sie schreiben in Ihrem Buch: "Werden Sie zu Ihrem eigenen Vorbild". Das klingt gut. Aber wie fülle ich das mit Inhalt? Wie kann ich das machen, mir zu meinem eigenen Vorbild werden? Mir quasi an die eigene Nase fassen?

Rogenhofer: Ja, genau. Und ich will das auch abseits der Konsumentscheidungen machen, weil schon jetzt viele Politikerinnen und Politiker sagen, wir müssen etwas vor dem Supermarktregal entscheiden. Die Welt retten mit Tomatenkauf, den wir jede Woche tätigen - und das ist viel zu wenig.

Ich glaube, es ist jetzt an der Zeit, aktiv zu werden in der Umgebung, in der wir aktiv werden können. Das heißt, wenn wir Lehrerinnen und Lehrer sind, dann können wir darüber unterrichten. Wenn wir Journalist*innen sind, darüberschreiben. Wenn wir in einer Gemeinde wohnen, müssen wir dem Bürgermeister/der Bürgermeisterin einen Brief schreiben, was denn die Gemeinde tun kann, um klimaneutral zu werden. Wenn wir in einem Unternehmen arbeiten, reden wir mal mit dem Chef. Wenn wir ein Unternehmen selbst führen, dann können wir uns überlegen, wie wir unser Geschäftsmodell anpassen können, dass es zukunftsfähig ist und gute Arbeitsplätze schafft.

Also alles, was wir jetzt tun können. Und wir müssen uns vor allem organisieren und zusammenschließen, um Druck auf die Politik auszuüben, weil die jetzt die großen Hebel in der Hand hat, um etwas zu verändern.

rbbKultur: Sie selbst sind Mitgründerin von Fridays for Future in Österreich. In Berlin sind jetzt gerade die Klimaaktivist*innen von Extinction Rebellion unterwegs, heute Nachmittag wird es wieder Demonstrationen geben. Die Proteste werden immer größer und lauter - aber sind sie auch schon laut genug?

Rogenhofer: Nein, wahrscheinlich gibt es immer Luft nach oben. Ich glaube, wir haben jetzt mit den Extremwetterereignissen gesehen, dass es ja bei vielen Menschen schon angekommen ist. Die Klimakrise ist nichts Abstraktes mehr, das uns in zehn, zwanzig Jahren treffen wird und auch der Weltklimabericht zeigt auch ganz konkret, dass die durch Menschen verursachten CO2-Emissionen eins zu eins darauf zurückzuführen sind, dass wir jetzt mehr Überflutungen sehen, mehr Murenabgänge, mehr Dürrekatastrophen.

Diese Sachen werden jetzt aufrütteln und rütteln schon auf. Da geht es wirklich um die Essenz, da geht es um unsere Lebensgrundlage.

rbbKultur: Letztlich sind Sie in Ihrem Buch aber optimistisch, was mich sehr gefreut hat. Sie sagen, die Welt kann gerettet werden, auch wenn man das im Moment manchmal gar nicht mehr so richtig glauben kann. Ihnen geht es letztlich um Visionen und Chancen und nicht um Endzeitszenarios. Was lässt Sie so optimistisch sein?

Rogenhofer: Einerseits, dass sich in den letzten zwei Jahren zumindest im Diskurs schon viel verändert hat. Ich kenne Klimawissenschaftler*innen, die sagen, sie würden seit 30 Jahren dasselbe sagen - und es ist noch gar nicht angekommen. Jetzt ist zumindest die Klimakrise im Gespräch und wir müssen noch dazu beitragen, dass es auch zu Handlungen kommt.

Das Schöne ist ja, dass wir wirklich eine tolle Welt gewinnen können, wenn wir Klimaschutzmaßnahmen machen. Das ist keine Welt des Verzichts. Das ist eine Welt der Grünflächen in Städten. Das ist eine Welt, in der wir gut klimafreundlich von A nach B kommen, mit guter Luft. Wo wir uns gesund von A nach B bewegen können, weil wir mehr Rad fahren und mehr gehen. Die Kinder können dann auf der Straße spielen, weil - warum auch nicht? Weil es nicht gefährlich ist, da draußen zu sein. Und wir können unsere Natur erhalten. Ich glaube, das ist schon mal eine Grundlage, auf die wir aufbauen können: Wer ist nicht gerne draußen in der Natur und geht spazieren oder wandern?

Das sind alles Dinge, die wir erhalten oder sogar verbessern können, wenn wir Klimaschutz machen.

Das Gespräch führte Anja Herzog, rbbKultur. Es handelt sich um eine redigierte Fassung.

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