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Kunst im Bau: Im "Historischen Taxi" - Unser rbbKultur-Taxifahrer Manfred Gosch

Das Taxi ist nicht nur Fortbewegungsmittel, es ist auch ein Ort der Kommunikation – davon ist Manfred Gosch überzeugt. Er ist der Taxifahrer, den wir von rbbKultur beauftragen, wenn Studiogäste aus Kunst, Politik oder Wissenschaft ins Funkhaus gefahren werden sollen. Was er bei seinen Fahrten erlebt, wird Manfred Gosch beim Kunst-am-Bau-Festival im Haus des Rundfunks berichten. Oliver Kranz hat ihn vorab getroffen.

Eine Minute vor der vereinbarten Zeit parkt er ein. Manfred Gosch ist mit dem privaten Kleinwagen gekommen. Das Taxiunternehmen, für das er fährt, ist noch in der Corona-Pause …

Manfred Gosch: "Es wird noch ein paar Monate dauern. Fürs Taxigewerbe ist interessant, was nachts fährt. Da sieht es noch schlecht aus. Und es fehlen auch noch Touristen. Wenn sich das ergibt, im Herbst oder am Jahresende, dann bin ich auch wieder dabei…"

Eigentlich ist Manfred Gosch längst im Rentenalter - ein zierlicher alter Herr mit weißem Vollbart. Das Fahren ist für ihn nicht Broterwerb, sondern Leidenschaft – besonders, wenn es um Fahrgäste aus der Kulturszene geht…

Manfred Gosch: "Manche haben ihre positiven Macken, manche ihre negativen Macken. Ich komme damit sehr gut zurecht. Wir haben auch viele Gemeinsamkeiten, die wir besprechen. Wenn sie erfahren, dass ich nicht nur Taxifahrer bin, sondern früher Buchhändler war, dann ist erst einmal ein großes Erstaunen und die Frage wieso weshalb warum."

Vom Buchhändler zum Taxifahrer

Manfred Gosch stammt aus Schleswig-Holstein und hat in Flensburg eine Buchhändler-Ausbildung absolviert. 1972 kam er nach Berlin, wie er erzählt: "Ich habe erst in einer Firma gearbeitet, die Import/Export mit DDR-Verlagen gemacht hat. Danach bin ich zum Springer-Verlag gegangen, Julius Springer, nicht Axel Springer, und habe dort in einer Buchhandlung gearbeitet, in der Buchhandlung Rothacker. Da werden sich vielleicht Ältere noch dran erinnern. Und habe mich dann selbstständig gemacht und meine eigene Buchhandlung gehabt."

Und das war nur die erste. Manfred Gosch kaufte noch zwei weitere Buchhandlungen, so dass er am Ende drei Filialen und 14 Angestellte hatte: "Es war zu viel Stress. … Das hat meinem Herz Probleme gemacht. Da habe ich dann konsequent verkauft und bin aufs Taxigewerbe umgestiegen."

Berichte über prominente Fahrgäste

Denn im Auto gelingt es Manfred Gosch viel besser, Stress zu vermeiden. Er fährt ruhig und rücksichtsvoll. Das beruhigt auch die Künstler, die er ins Funkhaus fährt.

"Ich informiere mich schon vorher über das Thema, wer der Gast ist und meistens finden wir ganz schnell eine gemeinsame Basis. Viele Leute sind dabei, die noch nie ein Live-Interview gehabt haben im Radio. Ich nehme ihnen ein bisschen die Angst, und das klappt meistens sehr gut."

Denn im Gespräch ordnen sich die Gedanken. Nachdem er seine Fahrgäste am Funkhaus abgesetzt hat, hört er sich im Autoradio ihre Interviews an und gibt ihnen auf dem Rückweg ein Feedback, wie er sagt: "Da sind die Gäste auch sehr dankbar, wenn sie so schnell eine Reaktion bekommen." Zumal Manfred Gosch ehrlich ist. Er lobt nur, wenn ihm das Interview gefallen hat. Und diskret ist er auch. Was er im Taxi erlebt, erzählt er nicht herum ...

Manfred Gosch: "Es sind schon Millionengeschäfte abgeschlossen worden. Es sind Leid und Liebe, es gibt nichts, was nicht passiert. Die Leute können sich darauf verlassen, dass man sehr diskret ist und das nicht weitererzählt."

Wenn Manfred Gosch nun beim Kunst-am-Bau-Festival über seine prominenten Fahrgäste berichtet, erzählt er nur Dinge, die er auch erzählen darf – vom Filmfestivalintendanten, der vorm Interview erst einmal zur Bäckerei fuhr, um sich mit Brezeln und Kuchen einzudecken, und vom Schriftsteller, mit dem Gosch als Jugendlicher dieselbe Schule besuchte. – Taxigespräche mit überraschenden Beobachtungen, abwechslungsreich wie die Berliner Kulturszene.

Oliver Kranz, rbbKultur

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