Axel Bronstert; © Universität Potsdam/Karla Fritze
rbbKultur
Bild: Universität Potsdam/Karla Fritze Download (mp3, 9 MB)

Axel Bronstert, Professor für Hydrologie und Klimatologie - "Unsere Region ist beim Wassermangel besonders gefährdet"

In diesem Jahr waren die Auswirkungen des Klimawandels auch in Deutschland in katastrophaler Weise zu spüren. Hochwasserfluten haben ganze Dörfer zerstört, 180 Menschen starben allein in der Eifel. Gleichzeitig leiden weite Landstriche unter großer Trockenheit. Wasser ist eines der wichtigsten Themen bei der Frage, wie unsere Welt zu retten ist. Ein Gespräch mit Axel Bronstert, Professor für Hydrologie und Klimatologie am Institut für Umweltwissenschaften und Geographie der Universität Potsdam.

rbbKultur: Herr Bronstert, ich weiß gar nicht, was schlimmer ist: die Angst vor Hochwasser oder die vor Wassermangel und Trockenheit. Können Sie etwas dazu sagen?

Bronstert: Beides sind Naturextreme oder hydrologische Extreme, wie wir das nennen. Beide sind gefährlich und verursachen immer wieder erhebliche Schäden. Sicherlich sind die Hochwassergefahren größer für Leib und Leben bei uns. Das haben wir jetzt im Westen Deutschlands dramatisch gesehen. Bei den materiellen Schäden muss man unterscheiden, denn die sind je nach Sektor – Landwirtschaft, Infrastruktur, Forst usw. - sehr unterschiedlich. Beide Extreme sind gefährlich und kritisch.

rbbKultur: Bücher wie "Die Geschichte des Wassers" von Maja Lunde oder auch Wolf Harlanders gut recherchiertes Buch "42 Grad" beschreiben schon sehr drastisch, was auf uns zukommen könnte - gerade, wenn es um Wassermangel geht. Wie genau hängen Klimawandel und Wasserressourcen eigentlich zusammen? Was sollte man da verstanden haben?

Bronstert: Wenn die Atmosphäre, also die Luft um uns herum, wärmer wird – und das wird sie -, kann diese mehr Wasserdampf – Wasser in gasförmiger Form - aufnehmen. Bis zur Sättigung der Luft ist also mehr Wasserdampf enthalten. Wenn dieser Wasserdampf dann kondensiert, ist mehr Wasser in den Wolken und es kann auch mehr regnen. Das tut es auch.

Global gesehen haben wir durch die erhöhte Energie, den Energieumsatz in unserer Atmosphäre, mehr Wasserumsatz. Das heißt, es verdunstet und es regnet mehr.

Global gesehen – und das kann man schon ungefähr sagen: Bei einer Erwärmung von zwei, zweieinhalb Grad - über ein Grad haben wir schon - sind es zehn Prozent. Das ist eine ganze Menge, wenn man weiß, dass ungefähr - global gesehen, verteilt auf alle Meeres- und Landflächen - pro Jahr ca. 1.000 Liter pro Quadratmeter Niederschlag fallen. Da das am Ende im Gleichgewicht sein muss, muss auch so viel verdunsten - dann sind es 1.100 Liter. Also erheblich mehr.

rbbKultur: Aber das bedeutet dann doch, dass wir nicht mehr vor dem Wassermangel Angst haben müssen, oder?

Bronstert: Vorsicht! Es fällt mehr Niederschlag, aber es verdunstet auch mehr. Am Ende ist die Frage, wieviel für die Landflächen - nicht für die Meere - übrig bleibt: für die Vegetation bzw. zur Nutzung für den Menschen. Das ist das, was am Ende in den Flüssen "abfließen" kann. Wenn bei diesen kleinen, aber doch wichtigen Änderungen eine dieser beiden Komponenten - Niederschlag oder Verdunstung - stärker zunimmt, dann nimmt der Verbleib in der Landschaft ab.

Gerade unsere Region Brandenburg ist da besonders gefährdet, weil diese Differenz, dieser Überschuss an Wasser, für die Landschaft in Brandenburg für deutsche Verhältnisse besonders klein ist. Wir sind das niederschlagsärmste Bundesland.

rbbKultur: Was muss denn getan werden, um die Welt vor diesem Wassermangel beziehungsweise vor Überflutungen zu retten?

Bronstert: Die Risiken, die entstehen und die durch den Klimawandel verstärkt werden, gab es natürlich auch vorher schon. Aber sie werden leider wirklich stärker bzw. größer. Wir müssen sie verstehen, was zum Teil nicht der Fall ist. Und wir müssen sie auch quantifizieren. Wir müssen wirklich sagen, wie groß die verstärkten Risiken z.B. von erhöhten Dürren oder Überschwemmungen sind.

Wichtig ist, dass wir dabei regionale Unterschiede machen. Es bringt nichts, wenn wir globale Angaben machen – so wie ich es vorhin gemacht habe. Das macht man nur zur Illustration. Es bringt auch nichts, wenn wir es für Europa machen. Die Bedingungen in Norwegen, Deutschland, Spanien oder den Alpenländern sind völlig unterschiedlich. Trotzdem wird es oft gemacht und über einen Kamm geschert.

Doch wenn wir die Risiken in ihren Unterschieden regional quantifizieren können, dann geht es darum, diese zu managen. Wir brauchen ein modernes hydrologisches Risiken-Management. Ein Verhindern von Risiken, das geht gar nicht.

Dazu gehört die Vorsorge: Dass man sich im Vorhinein Gedanken macht, was man tun kann, wenn so etwas passiert. Dann kommt die Anpassung gegen solche Risiken: Bei Trockenheit ist das z.B. Bewässerung bzw. das zur Verfügungstellen und die Verbesserung von Möglichkeiten zur Bewässerung. Bei eintretendem Hochwasser gibt es verschiedene Möglichkeiten: Vor allem die Warnung, was bei dem Hochwasser im Westen Deutschlands nicht so perfekt geklappt hat. Last but not least: das Restrisiko. Trotz aller Anpassung und aller Vorsorgemaßnahmen gibt es immer noch ein Restrisiko, dessen man sich bewusst sein und Vorsorge treffen muss.

Das Gespräch führte Ev Schmid, rbbKultur. Es handelt sich eine redigierte Fassung.

Reihe