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Bild: Gregor Fischer/dpa

Forderung des Deutschen Lehrerverbands - Wieder Masken in den Schulen?

Bei den Kindern schnellen gerade die Infektionszahlen in die Höhe. Gerade bei denen, die jünger sind als 12 Jahre, weil für sie der niedriger dosierte Impfstoff noch vor der Zulassung steht. In Amerika ist es Anfang November soweit, bei uns wird es noch etwas dauern. Krankheitsverläufe bei Kindern und Jugendlichen sind zwar nicht so schlimm, aber "Long Covid" kann eben auch Kinder betreffen. Und die Langzeitfolgen sind da eben noch nicht überschaubar. Der Deutsche Lehrerverband will darum zurück zur Maskenpflicht in den Schulen. Aber ist das gerade für die kleinen Kinder der richtige Weg, nach so vielen Monaten Home-schooling und Unterricht mit verdecktem Mund und verdeckter Nase? Und: wäre es nicht viel nützlicher, wenn alle Lehrer:innen und Erzieher:innen geimpft wären? Albrecht Selge kommentiert.

Ich kann es nicht mehr hören. Sie wahrscheinlich auch nicht. Und unsere kommende Regierung weiß, dass wir es nicht mehr hören können: Demnächst soll es, so haben SPD, Grüne und FDP beschlossen, keine "epidemische Lage von nationaler Tragweite" mehr geben, und bis Ende März steigt Deutschland ganz aus – zwar nicht aus der Kohle, aber aus der Seuche.

Ganz Deutschland hat sich also "in die Freiheit geimpft", wie unser Noch-Gesundheitsminister Spahn sagte … Ganz Deutschland? Nein! Ein von unimpfbaren Deutschen bevölkertes Dorf hört nicht auf, der großen Befreiung im Weg zu stehen. Es sind die Kinder unter zwölf, die noch nicht geimpft werden können und unter denen die Infektionszahlen gerade rasant steigen.

Sollte also an Grundschulen wieder die Maskenpflicht eingeführt werden, wie der Deutsche Lehrerverband fordert? Ich bin hin und hergerissen. Seit die Pandemie ausbrach, trampelt unsere Gesellschaft auf Kindern und Jugendlichen herum – so empfinde ich das. Während Bundesligafußballer schon dank Sondergenehmigung wieder loslegten und Erwachsene schon wieder im Restaurant saßen, jagte die Polizei noch kickende oder feiernde Teenager im Park.

Ich werde wütend, wenn ich an eine mir bekannte Lehrerin denke, die sich nicht impfen lässt. In anderen Ländern käme sie damit nicht durch, in Deutschland darf sie das. Denn wir sorgen uns fürchterlich um die Gefühlslage freiwillig Ungeimpfter, die sich ausgegrenzt fühlen könnten, wenn sie aufgrund ihrer eigenen Entscheidung ein Café nicht betreten dürfen. Wir haben Verständnis für desinformierte Impfmuffel und sogar für verblendete Querulanten; sonst könnten wir ja "die Gesellschaft spalten".

Ja, bitte, spaltet sie! Wie in Frankreich oder Italien, wo es Proteste gegen stärkeren Impfdruck gab, aber die Impfquote zugleich deutlich gestiegen ist. Der Gedanke, dass wir Sechsjährigen wieder die Masken aufzwingen, zerreißt mir fast das Herz. Aber über eins bin ich sicher: Sollten wir Kinder tatsächlich wieder dazu verdonnern, dann schulden wir es ihnen, dass wir endlich alle, die mit Kindern und anderen Ungeschützten zu tun haben, zu dieser verdammten Impfung verdonnern. Einsicht wäre schön, Pflicht ist besser. Impfpflicht für Lehrer wäre eine Forderung, die auch der Lehrerverband stellen sollte. Muten wir nicht immer wieder nur Kindern etwas zu, sondern auch uns.

Ein Kommentar von Albrecht Selge

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