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Der Feine Unterschied - Die feministische Kolumne von Heide Oestreich - Der unsichtbare Mann

Heute ist der internationale Männertag. Der ist noch etwas unbekannter als der Welttoilettentag, der ist auch heute. Und das genau ist das Problem, findet Heide Oestreich: Männer müssen dringend sichtbarer werden. Ernsthaft!

Ja, hä, der unsichtbare Mann, denken Sie jetzt vielleicht. Unsichtbar? Stehen die nicht überall im Weg rum? Gleich drei zur Auswahl hat jetzt die CDU, die eine Frau wollte noch nicht mal ihr eigener Ortsverband nominieren …

Und da haben Sie schon irgendwie recht, aber das genau macht ja die Männer unsichtbar. Sie sind nun mal da, also werden sie gewählt, keine Frau dabei, was ist mit denen schon wieder los? Und schon gucken alle auf die Frauen: Wieso denn bloß, was machen wir denn da: Quoten, Rollenmodelle, Frauenfilme und jetzt auch was auf TikTok.

Männer sind kein Thema. Sie bleiben einfach als ganz normale Männer - schön unter dem Radar.

Und die Männer? Wieso?, fragen die. Wieso sollte ich mich als Mann thematisieren? Irgendwas nicht in Ordnung? Bin doch prima so, vielleicht ein bisschen zu dick – aber neulich hab ich sogar zwei Monate Elternzeit genommen, das war eine gaaaanz tolle Erfahrung. Hat mich so bereichert, das, äh, was war es nochmal? Ah, schon wieder so viel zu tun, beruflich eingespannt. Kennt man ja.

Sehen Sie das? Die Männer sind kein Thema. Also manchmal schon, sie müssen ein bisschen aufpassen, dass sie nicht in die Ignoranten-Kategorie "Alte weiße Männer" geraten, aber das kriegen die meisten hin, die meisten werden ja auch nicht Nazi oder Totschläger. Sie bleiben einfach als ganz normale Männer - schön unter dem Radar.

Ihre Normalität ist ein Problem

Dabei ist ihre Normalität ein Problem. Die zwei Monate Elternzeit sind ein Problem. Dass sie sich den Hintern abarbeiten, ist ein Problem. Das bedeutet nämlich, dass Unternehmen immer weiter lieber Männer befördern werden, wenn sie die Wahl haben. Diese Typen verhindern in Wahrheit, dass Frauen Karriere machen, ihr ganz normales Verhalten behindert Frauen zu Hause und im Job zugleich.

Schön in Deckung bleiben ...

Ging nicht anders, sagen sie dann, haben wir so aufgeteilt, wollte sie auch… Jaja. Aber hast Du denn Deine Frau ermutigt, es anders zu machen? Gegen den Mainstream, ein historisch festgewachsenes Mutterbild in unser aller Gehirne - und gegen die Schwiegermutter? Hm? Hast Du gesagt: Nee, meine Liebe, ICH bleib zu Hause? Und danach geh ICH auf achtzig Prozent?

Ich wette, nicht. Die meisten Männer bleiben in solchen Fragen schön in der Deckung. Unsichtbar. Weil sie genau wissen, wenn sie nichts – oder nur das nötigste machen, arbeitet das System für sie. Und am Frauentag, am 8. März können wir uns dann wieder über die armen Frauen beugen, die es komischerweise schon wieder nicht weiter gebracht haben. Da hat der Welttoilettentag mehr Sinn.

Heide Oestreich, rbbKultur