Eine ukrainische Familie flieht unter Beschuss aus Irpin © picture alliance/ AA/ Wolfgang Schwan
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Kriegsalltag in Kyjiw | rbbkultur-REIHE - Nachricht von Yevgenia

Seit über einer Woche greift Russland die Ukraine an. Bombenalarm in Kyjiw, Menschen schlafen in U-Bahnstationen, sie haben Angst. Wie ist die Lage? Die Schriftstellerin und Künstlerin Yevgenia Belorusets sendet jeden Tag eine Nachricht an rbbKultur, in der sie davon erzählt, wie sie den Krieg erlebt.

Später erfahre ich, dass friedliche Demonstrationen in den besetzten Städten mit Gewehren zerschossen wurden. Dass Menschen bei friedlichen Demonstrationen verwundet wurden – in Nowa Nachkowka, einer Kleinstadt, wo ich mehrmals war, um an meinem Projekt über Queer-Familien in der Ukraine zu arbeiten. Mich hat in den letzten Tagen fasziniert, dass sogar in einer besetzten Stadt die Menschen ohne Gewehre auf die Straße gehen - einfach mit Plakaten, mit ihren Ideen, und diese gegenüber den Panzern aussprechen, gegenüber den besetzten Administrationen der Städte. So auch in der kleinen Stadt Konotop. Dort haben Frauen die Männer auf den riesigen Panzern verflucht und gesagt: "Wir sind Hexen aus Konotop! Wir werden euch so verfluchen, dass ihr nie mehr normal leben werdet!"

Eine kleine Magie des Alltags gegen den echten Krieg. Und jetzt erfahre ich, dass Menschen und Krankenhäuser schrecklich beschossen werden. Am Abend habe ich erfahren, dass meine enge Freundin während der Evakuierung aus Irpin, der Kleinstadt neben Kyjiw gesehen hat, wie Frauen und Kinder direkt beschossen wurden bei dem Versuch, sich zu retten, beim Versuch, in Busse zu steigen.

Meine ganze Begeisterung für diesen Tag war plötzlich weg. Jetzt sitze ich in meiner dunklen Küche mit verdunkelten Fenstern und denke, dass wir internationale Unterstützung brauchen. Heute brauchen wir einen starken Widerstand - viel mehr als früher, einen viel stärkeren Widerstand.

Und trotz dieser Traurigkeit und auch Verbitterung, glaube ich doch an das Leben. Daran, dass man sogar über diese unmenschliche und böse Kraft bald gewinnen wird.

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