Kyjiw im Krieg – Ausgabe in der Freiwilligen-Zentrale; © Yevgenia Belorusets
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Kriegsalltag in Kyjiw | rbbkultur-REIHE - Nachricht von Yevgenia: Hoffnung

Die ukrainische Schriftstellerin und Künstlerin Yevgenia Belorusets sendet jeden Tag eine Nachricht aus Kyjiw an rbb Kultur, in der sie davon erzählt, wie sie den Krieg erlebt.

Eine Nacht in Kyjiw, mitten im Krieg. Sehr viele Kyjiwer übernachten heute in den Schutzbunkern. Sehr viele können nicht einschlafen. Man hat die Nachricht über die Telegram-Kanäle verbreitet: Es könnte ein Luftangriff mitten in der Nacht stattfinden. Und auch heute stand Kyjiw unter Beschuss. Meine Mutter war mit meinem Vater spazieren und ich habe sie angerufen. Dann wurde ihre Stimme plötzlich panisch. Sie sah eine Rakete, die abgeworfen wurde. Dann gab es Rauch. Sie vermutete, dass es keine ganze Rakete war, sondern nur ein Stück der explodierenden Rakete. Aber diese Stücke, diese Teile von Raketen sind auch sehr gefährlich. Wenn sie ein Haus treffen, dann können sie ein riesiges Feuer auslösen, es gibt Explosionswellen und es kann leider Opfer geben.

Mein Tag hat seltsam begonnen. Einerseits hat mich meine sehr nahe Freundin angerufen und gesagt, dass sie in eine kleine Stadt bei Kyjiw fahren möchte, um die Tiere zu füttern, die von ihren Besitzern zurückgelassen wurden. Die Stadt heißt Irpin und die Bedingungen in dieser Stadt waren schrecklich, die Menschen haben sie in Panik verlassen. Man konnte kaum fliehen. Selbst diese Freundin ist unter Beschuss geflohen. Ihr Bus wurde brutal beschossen, einige Menschen wurden verletzt und nicht alle konnten in dieser Situation die Katzen und Hunde mitnehmen. Jetzt möchten sie dorthin fahren, um die Tiere zu füttern. Ich versuchte alles zu tun, um sie davon abzuhalten.

Eine junge Studentin, Anastasia, Pädagogik-Studentin, leistete seit Beginn des Krieges ehrenamtliche Arbeit. Und heute wurde sie auf dem Weg nach Tschernihiw einfach brutal umgebracht. Sie war im zweiten Studienjahr.

Eine ehrenamtliche Arbeit jetzt unterscheidet sich sehr stark von der Arbeit während der Proteste zur Maidan-Zeit. Sie ist viel gefährlicher und sie erfordert noch viel mehr Mut. Die Menschen, die sie machen, sind echte Helden.

Ich dachte sehr lange an diese Studentin und konnte nicht glauben, dass es sie nicht mehr gibt.

Die Nacht geht weiter. Ich hoffe, sie wird für die Kyjiwer doch ruhig verlaufen und meine Hoffnung bleibt - trotz allem.

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