Kyjiw im Krieg – Schnee auf Barrikaden; © Yevgenia Belorusets
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Kriegsalltag in Kyjiw | rbbkultur-REIHE - Nachricht von Yevgenia: Butscha. Trauer in Kyjiw

Die ukrainische Schriftstellerin und Künstlerin Yevgenia Belorusets sendet jeden Tag eine Nachricht aus Kyjiw an rbb Kultur, in der sie davon erzählt, wie sie den Krieg erlebt.

Gestern noch sah Kyjiw lebendig aus. Ich hörte sogar Lachen am Abend in den Straßen. Es war Samstag und die ersten Nachrichten aus Butscha, Irpin und der Umgebung von Kyjiw kamen erst später. Alle Kyjiwer wussten, dass dort etwas los ist. Immer wieder kamen Flüchtlinge aus diesen Gegenden – schweigsam, traurig sah man sie auf den Straßen. Aber erst heute wurde dem ganzen Land, ganz Kyjiw wieder bewusst, was dort abgelaufen ist. Was für schreckliche, unsagbare Kriegsverbrechen gerade in der Ukraine stattfinden.

Ich sah ein Video mit zwei erfahrenen Soldaten, die durch Irpin gehen. Dann sagt einer der beiden plötzlich: "Schau! Ich kann das nicht sehen …". Ich wollte selbst nicht sehen, worauf sie schauten. Der andere Soldat sagte: "Beruhige Dich, es ist doch nur ein Mannequin! Es ist etwas aus einem Laden!" Der andere antwortete fast weinend: "Nein, was sagst du denn? Es ist wirklich kein Mannequin aus einem Laden!"

Man geht durch diese Straßen, man geht durch diese Städte und man glaubt den eigenen Augen nicht, was dort abgelaufen, was dort passiert sein muss. Ein wirklicher Genozid. Ein Riesenverbrechen.

Man darf auch nicht vergessen, dass gerade dort, in diesen kleinen Vororten von Kyjiw, die Menschen aus dem Donbass und von der Krim die Wohnungen gemietet und gekauft haben. Sie waren auf der Flucht vor der Katastrophe des Krieges und suchten nach einer ruhigen Umgebung und nach günstigeren Wohnungen, um nach Kyjiw zu fahren, um in Kyjiw weiterzuarbeiten. Und jetzt sollen gerade die Menschen, die seit 2014 am meisten gelitten haben, wieder Gewalt erleiden. Aber dieses Mal geht es um etwas, das sogar wir alle, die 2014 erlebt haben, uns nicht vorstellen konnten.

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