Maria Aljochina © dpa/Uwe Anspach
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Nach Flucht aus Russland - Pussy Riot in Berlin

Die russische Punk Band Pussy Riot hat sich immer wieder gegen Putins Regime gestellt und sie haben dafür mit ihrer Freiheit und vielen Einschränkungen bezahlt. Nun hat eines der Bandmitglieder, als Essens-Lieferantin verkleidet, Russland über Belarus verlassen: Maria Aljochina ist nun in Berlin. Antje Bonhage hat sie getroffen.

"Putin wird Dich lehren, Dein Vaterland zu lieben" heißt es in einem Song, den die kremlkritische Band Pussy Riot 2014 anlässlich der Olympischen Winterspiele in Sochi aufnahm. Putin lehrt Liebe? Natürlich Ironie - sagt Maria Aljochina.

"Ich glaube, Putin kann uns nur lehren zu hassen: ihn und seine Taten. In Russland und jetzt in der Ukraine. Das sind Verbrechen. Ja, nur DAS ist es, was wir von ihm lernen können."

Und deshalb müsse man gegen Putin und seine Verbrechen ankämpfen. Nicht aufhören zu protestieren. Und den Opfern, wie den ukrainischen Flüchtlingen, helfen. Dafür will Maria Aljochina auf Konzerttour gehen: Mit ihren Mitstreiter*innen die Stimme erheben - und die Erlöse aus den Konzerten an eine Flüchtlingsorganisation spenden.

Flucht als Essenslieferantin

Und darum musste Und darum musste Aljochina jetzt aus Russland fliehen, denn dort hätten ihr unmittelbar weitere drei Wochen Straflager gedroht – und die Tour wäre geplatzt.

"21 Tage mehr oder weniger in Haft, das ist an sich nicht das Problem. Aber ich habe mich entschieden, dass ich meine Zeit auch sinnvoller verbringen kann. Ich saß schon so oft im Gefängnis. So oft! Was letztlich natürlich auch meine Entscheidung war …"

Zwei Jahre lang war Maria Aljochina in Haft, nach der spontanen Protestaktion von Pussy Riot 2012 in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale. Seit dieser Aktion ist die Band, die sich im Jahr zuvor als Künstlerinnenkollektiv gegründet hatte, weltweit bekannt. Die letzten anderthalb Jahre verbrachte Aljochina zum Teil in Straflagern, stand zum Teil unter Hausarrest. Streng überwacht, rund um die Uhr. Trotzdem ist ihr die Flucht gelungen. In der Verkleidung einer Essenslieferantin.

"Meine Freundin hatte die Idee mit dem Lieferservice. Sie hat vor drei Wochen dasselbe gemacht, nur war es für sie etwas einfacher, weil sie – anders als ich – einen Pass hatte. Aber die Lieferantenuniform war wirklich hilfreich."

Hilfreich, wie das Reisedokument, das ihr nach Belarus geschmuggelt wurde – wo man bereits nach ihr fahndete. Von Belarus gelangte Aljochina über Litauen und Island schließlich nach Berlin.

Traurigkeit und Wut

Ein wenig müde wirkt sie von der langen Reise. Immer wieder muss sie Telefonate und Textnachrichten beantworten. Zeit für sich allein hat sie kaum. Ob sie Angst hatte während der Flucht? Nein, Angst nicht, sagt sie. Vielmehr habe sie Traurigkeit empfunden. Und Wut. Sie wolle die Hoffnung nicht aufgeben, den Traum, dass sich die Situation in Russland eines Tages ändert.

"Ich habe Hoffnung. Aus diesem Grund will ich auftreten. Ich habe die 90er Jahre erlebt, ich bin zu Perestroika-Zeiten aufgewachsen. Ich weiß, dass Russen die Freiheit lieben und dass die wunderbar sein kann."

Aber diese Freiheit sei zugleich fragil – und unter Putin, davon ist Maria Aljochina überzeugt, werde es sie nicht geben. So werde sie weiter mit Pussy Riot gegen das russische Regime protestieren. Mit frechen, ironischen Punk-Songs und spontanen Aktionen.

Und mit ihrer "Riot Days"-Schau, mit der sie jetzt auf Tour geht. Die Schau mit Musik, Performance und Video-Projektionen basiert auf Aljochinas Buch "Riot Days/Tage des Aufstands“, in dem sie ihre persönliche Geschichte erzählt – und an dem sie immer noch weiter schreibt. Die Tour führt durch Deutschland und andere Länder Europas. Im Vordergrund steht der Protest gegen den Krieg in der Ukraine und die Forderung von Frieden und Freiheit.

Antje Bonhage, rbbKultur

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