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Der feine Unterschied - Die feministische Kolumne - Die glücklichen Frauen der CDU

Diese Woche hat der Vorstand der CDU beschlossen, dem Parteitag im September eine Frauenquote vorzuschlagen. Bis 2025 sollen die Leitungsgremien der Partei zu 50 Prozent mit Frauen besetzt werden – auf Probe, mit Befristung. Heide Oestreich ist hin und weg.

Neulich schickte mir meine Gewerkschaft eine Streichholzschachtel. In der waren aber keine Streichhölzer, sondern eine Anstecknadel mit einer 25 drauf. Seit 25 Jahren in der Gewerkschaft - und fast so lange bin ich schon Fachjournalistin für Geschlechterfragen. Shocking! Noch schockierender ist nur, dass ich seit Tag eins meiner Tätigkeit mit der Quotendebatte bei der CDU zu tun habe. Zu Beginn meiner Laufbahn, im vorigen Jahrtausend, hat sich die Partei "versuchsweise" und "befristet" auf ein "Frauenquorum" von 30 Prozent geeinigt. Das war schon mal irre effektiv: Nur 25 Jahre später hat die Union ihren Frauenanteil im Bundestag auf sage und schreibe 23 Prozent gesteigert.

Und jetzt sollen es plötzlich binnen dreier Jahre 50 Prozent werden? Ja, nee, nicht etwa im Bundestag. Sondern in den Parteivorständen, ab der Kreisebene. Da kann man also jetzt eine Menge Beisitzerinnen installieren. Herrlich! Und auch nur, wenn man auch so viele Kandidatinnen hat, dass man die Quote erfüllen kann, sonst halt nicht! Aber halt, doch, sehr wohl auch im Bundestag! Die Landeslisten werden auch quotiert! Über diese Listen sind in den letzten Bundestag ganze 75 Abgeordnete eingezogen, über Direktmandate dagegen 235. Die Direktmandate werden aber nicht quotiert. Kurz: Wundern Sie sich nicht, wenn Sie im nächsten Bundestag wieder 23 Prozent Frauen bei der Union finden.

Man macht also ein paar nicht so wichtige Plätzchen frei für ein paar unerschrockene Frauen. Damit hat man genau NICHT anerkannt, dass Frauen in dieser Partei strukturell benachteiligt sind, sonst würde man sich ein bisschen mehr Mühe geben. Aber jetzt meine These nach 25 Jahren CDU-Beobachtung: Anerkennen, dass da was richtig schief läuft, das geht auch gar nicht! Denn das würde der in den Markenkern der CDU eingebauten Selbstgewissheit widersprechen: Bei uns ist die Welt in Ordnung! Unsere Strukturen sind gut! Unsere Mitglieder sind glücklich, auch die Frauen! Die werden nicht diskriminiert und die fühlen sich auch nicht so! Ich fürchte, diese unzerstörbare Selbstzufriedenheit macht den Großteil der Attraktivität der CDU für ihre Stammwählerschaft aus. Feminismus passt einfach nicht dazu – auch wenn die CDU eigentlich dringend attraktiver für Frauen werden müsste. Im Zweifel - für den Markenkern.

Und deshalb würde es mich noch nicht mal wundern, wenn der CDU-Parteitag im September sich nicht einmal auf diese "Quote light" mit eingebauter Befristung einigen könnte. Wo Parteichef Merz selbst sie ja schon als "zweitbeste Lösung" bezeichnet hat. Die Beste hat er noch für sich behalten, aber ich hätte da einen unions-konformen Vorschlag: Endlich die allgemeine Dienstpflicht für Frauen einführen – und zwar für einen Dienst in der CDU! Dann geht es auch ganz ohne Quote.

Heide Oestreich, rbbKultur