Pergamonmuseum: Thomas Burghardt vor Tier-Teppich-Fragment, Iran © Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Islamische Kunst / Valerie Schmidt
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Thomas Burghardt vor Tier-Teppich-Fragment, Iran, 1. Hälfte 16. Jh. im Pergamonmuseum | Bild: Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Islamische Kunst / Valerie Schmidt Download (mp3, 5 MB)

"Jeden Tag im Museum" | Folge 2 - Aufsichten präsentieren ihre Lieblingswerke

Wohl kaum jemand verbringt so viel Zeit im Museum wie das Personal. Da liegt es nahe, dass der einen oder dem anderen einzelne Kunstwerke besonders ans Herz gewachsen sind. Für eine Sonderpräsentation der Staatlichen Museen haben 36 Museumsaufseherinnen und -aufseher ihr Lieblingsobjekt ausgewählt. Heute stellt Antje Bonhage Thomas Burghardt mit seinem Lieblingswerk im Museum für Islamische Kunst vor.

Ein riesiger, meterlanger Wandteppich. Vor beigefarbenem Hintergrund sind bunte stilisierte Bäume und Blumen zu sehen - dazwischen: umherspringende Tiere. Ein Panter, ein Rind, ein Pferd. Rundherum hat der Teppich einen breiten schwarzen Rand, der ebenfalls abstrakte Blumenornamente trägt - rot und grün, beige und braun. Trotz des bewegten Musters geben die Farben dem Teppich etwas Beruhigendes.

Der Teppich hat es Thomas Burghardt angetan - trotz Stauballergie

Es ist dieser handgewebte Wandteppich aus dem Iran des frühen 16. Jahrhunderts, der es Thomas Burghardt ganz besonders angetan hat. Und das, obwohl er doch eigentlich eine Stauballergie hat und die Nähe von Teppichen manchmal gar nicht so gut verträgt:

"Dieser Teppich strahlt etwas sehr Warmes und Sinnliches für mich aus - etwas Wärmendes, Wohliges. Das Besondere bei diesen geknüpften Teppichen: man erkennt sie immer an der Qualität. Daran, dass die Farbe von hinten sehr gut sichtbar ist."

Ein mühsam restauriertes Kunstwerk

Der Teppich befindet sich im Museum für Islamische Kunst, das mitten in Berlin, im Pergamonmuseum auf der Museumsinsel angesiedelt ist. Dieser und andere kostbare Teppiche hatten 1945 im Bombenhagel auf Berlin starke Brandschäden erlitten. Mühsam wurde restauriert, was zu retten war. Thomas Burghardt berichtet:

"Der Teppich wurde von einer alten Dame damals nach dem Bombenangriff sorgfältig mit Nadel und Faden restauriert - und nicht, wie es heutzutage gemacht wird, mit chemischen Lösungen und unter dem Mikroskop. Also wirklich noch in Handarbeit."

Ein Sommelier im Museum

Für all das hat Thomas Burghardt Augen und einen Sinn - spätestens seit er als Museumsaufsicht arbeitet. Im Frühjahr 2021, vor gut einem Jahr also, fing er hier im Pergamonmuseum an. Gelernt hat er ursprünglich etwas ganz anderes:

"Eigentlich bin ich gelernter Bäcker und Konditor, aber ich habe 2013 noch mal eine Ausbildung in Berlin als IHK Sommelier gemacht und in Koblenz abgeschlossen. Und mein Hobby ist Musik. Ich mache nebenbei noch Musik - Filmmusik und experimentelle Musik."

Bis zur Corona-Krise hat er als Sommelier in einer Weinbar gearbeitet – dann wurde es finanziell schwieriger. So heuerte er schließlich bei der Security-Firma an, die unter anderem auch für das Pergamonmuseum zuständig ist.

Zu Tagesbeginn oder am -ende hat er die Räume des Museums manchmal für sich allein. Das strahle eine besondere Ruhe aus, sagt Thomas Burghardt. Zuweilen können die Tage ein wenig eintönig sein – denn ein inhaltlicher Austausch mit den Museumsbesuchenden ist den Aufsichten untersagt.

Das Pergamonmuseum als erste Wahl

Trotzdem gibt es für ihn viel zu entdecken. Das Pergamonmuseum war für Thomas Burghardt als Security-Mann die erste Wahl. Immer wieder kommt er so hierher, ins Museum für Islamische Kunst – an "seinen" Teppichen vorbei. Dann hat er Zeit, sie zu betrachten:

"Gezielt gehe ich nicht hin, nein. Es gibt ein rotierendes System hier im Pergamonmuseum: Man wird jede halbe Stunde weitergeschoben in einen anderen Raum und hat dadurch die Möglichkeit, die anderen Objekte auch kennenzulernen. Ich verbringe sehr viel Zeit im Museum - und da liegt es dann nahe, dass ich Kontakt zu den Objekten habe."

Antje Bonhage, rbbKultur

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