Johanna Lange in der Gemäldegalerie © Antje Bonhage
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Johanna Lange vor dem Gemälde "Helios und Phaeton mit Saturnus und den vier Jahreszeiten" von Nicolas Poussin in der Gemäldegalerie | Bild: Antje Bonhage Download (mp3, 5 MB)

"Jeden Tag im Museum" | Folge 4 - Aufsichten präsentieren ihre Lieblingswerke

Wohl kaum jemand verbringt so viel Zeit im Museum wie das Personal. Da liegt es nahe, dass der einen oder dem anderen einzelne Kunstwerke besonders ans Herz gewachsen sind. Für eine Sonderpräsentation der Staatlichen Museen haben 36 Museumsaufseherinnen und -aufseher ihr Lieblingsobjekt ausgewählt. Heute stellt Antje Bonhage Johanna Lange vor, die als Oberaufsicht in der Gemäldegalerie arbeitet und dort ganz speziell von einem Gemälde fasziniert ist.

Etwa 400 Jahre alt ist das Bild, das Johanna Lange in der Gemäldegalerie besonders mag. "Helios und Phaeton mit Saturnus und den vier Jahreszeiten" von Nicolas Poussin, einem Meister des französischen Barocks. Der junge Phaeton kniet vor dem Sonnengott Helios nieder und bittet ihn, ihm für einen Tag den Sonnenwagen zu leihen.

Jeden Tag im Museum: Johanna Lange in der Gemäldegalerie © Antje Bonhage
Bild: Antje Bonhage

Ein altes Gemälde, das viele Geschichten erzählt

Johanna Lange: "Dieser Phaeton ist ein Sohn von Helios, der Vater erfährt aber erst sehr spät, dass er einen Sohn hat. Der Sohn möchte Anerkennung vom Vater und bekommt die, indem der Vater ihm dann sagt: 'Okay, Kind, was immer du möchtest, du bekommst es von mir.' Und was möchte der Sohn? Natürlich das Auto. Den Sonnenwagen. Da ist der Vater ein bisschen in der Bredouille, weil er den Unfall quasi schon vor sich sieht, weil selbst Zeus es nicht schafft, diesen Wagen zu lenken. Aber er denkt sich: 'Ich muss ihm aber jetzt diese Anerkennung geben.' Und er gibt ihm den Wagen. Das geht natürlich schief. Phaeton stirbt."

Und die Welt gerät aus den Fugen. Diese Geschichte aus der griechischen Mythologie ist für Johanna Lange bis heute aktuell. Die außerdem auf dem Gemälde dargestellten Jahreszeiten könnten für einen Kreislauf stehen, eine ewige Wiederkehr.

Johanna Lange: "2.000 Jahre her und immer noch dieselbe Geschichte. Immer wieder dasselbe."

Johanna Lange bedauert, nicht Kunst studiert zu haben

Johanna Lange, die in ihrer Freizeit selber malt, ist auch von der Farbgebung dieses Ölgemäldes angetan. Und von der Art, wie Poussin, der Künstler, die Linien zieht:

"Bei mir ist es tatsächlich so: Striche sind ganz wichtig. (...) Ich finde die Farben auch super und die Stoffe - und da sind halt wieder die Linien, die ins Spiel kommen."

Johanna Lange ist gelernte Schneiderin und Bauzeichnerin und hat jahrelang in der Gastronomie gearbeitet. Im Nachhinein bedauert sie, nicht Kunst studiert zu haben:

"Ich hätte es tun sollen. Ich hätte mal auf Mami und Papi hören sollen, die gesagt haben: 'Kind, studier!' Nee, ich will lieber Geld verdienen... Ja, jetzt muss ich mir mühselig das, was ich alles im Studium gelernt hätte, ein bisschen anarbeiten - mit Techniken und Materialien spielen."

Oberaufsicht in der Gemäldegalerie

Heute ist Johanna Lange Ende vierzig. Seit dreieinhalb Jahren arbeitet sie als Museumsaufsicht – außerdem am Informationsstand in der Gemäldegalerie:

"Ich wohnte damals in Köpenick und dachte: 'Hey, cool, Museum in Köpenick.' - Dann hieß es aber: 'Nein, da brauchen wir keinen. Wir bräuchten jemanden in der Gemäldegalerie.' Dann habe ich gesagt: 'Gut, dann nehme ich halt erst mal das.' Und jetzt liegt es mir am Herzen."

Seit kurzem fungiert sie hier, in der Gemäldegalerie, auch als Oberaufsicht:

"Als Oberaufsicht schaut man, dass die Aufsichten ihren Job tun und dass es den Gästen und Aufsichten gut geht. Dasa alles in Ordnung und in Harmonie funktioniert. Dass man da ist, wenn irgendwas sein sollte. Ich öffne das Museum morgens und schaue dann, dass jeder an seinem Platz ist, dass alles in bester Ordnung ist. Dann geht man rum, löst kleinere Probleme oder spricht auch kurz mit den Aufsichten (...). Und abends wird das Museum eben wieder geschlossen."

"Bester Job der Welt!"

Und wieviel Raum bleibt ihr da, einzelne Gemälde anzuschauen?

Johanna Lange: "Das ist absolut unterschiedlich und tagesabhängig. An manchen Tagen ist so viel zu tun, dass man wirklich überhaupt keinen Kopf für gar nichts frei hat. Es gibt viel zu organisieren - mit Gruppen, hier und dort. Und an manchen Tagen ist es halt so entspannt, dass man seine Lieblinge und Schätzchen tatsächlich mal ganz in Ruhe betrachten kann."

Wie zum Beispiel ihren "Helios und Phaeton mit Saturnus und den vier Jahreszeiten" von Nicolas Poussin:

"... und das ist eben das Schöne an dem Job: Dass man für die Kunst dann auch mal Zeit hat. Bester Job der Welt!"

Antje Bonhage, rbbKultur

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