Jörg Wagner vom Medienmagazin von radioeins © rbb Presse & Information
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rbb-Intendantin abberufen | Kommentar - Ein unwürdiger Abgang

Patricia Schlesinger ist nicht mehr Intendantin des rbb. Das hat der Rundfunkrat des Senders am Abend entschieden. rbb-Medien-Experte Jörg Wagner findet, als Kontrollinstanz hat der Rundfunkrat versagt. Konsequenzen aus seinem eigenen Versagen hat er gestern nicht gezogen. Aber auch Patricia Schlesinger selbst war anwesend - und hat sich nicht mit Ruhm bekleckert, sagt Wagner.

Was für ein unwürdiger Abgang der nun ehemaligen Intendantin Patricia Schlesinger. Damit ist nicht gemeint, dass sie vor der Entscheidung des rbb-Rundfunkrates über ihre Abberufung das Funkhaus verlassen hat. Auch nicht ihre hektische Flucht vor Fernsehkameras und journalistischen Fragen. Möglicherweise war ihre Exit-Strategie unüberlegt.

Überlegt war dagegen ihre Rede vor den Rundfunk- und Verwaltungsratsmitgliedern. Eine Leistungsschau der Ära Schlesinger soll es dem Vernehmen nach gewesen sein, Teile des Redemanuskriptes fanden vorher den Weg in die Presse. Welch' Brüskierung des Gremiums, das sich über quälend lange Wortstrecken anhören musste, wie sie den rbb vorangebracht habe und dass letztlich viele der einzelnen Vorwürfe haltlos seien.

Gefeilsche um Abfindung geht weiter

Trotz der Selbst-Lobhudelei fand sie einen Satz des Bedauerns gegenüber der Belegschaft. Nicht aber gegenüber denjenigen, die sie jahrelang bezahlt haben und unter ungünstigen Umständen weiter bezahlen müssen. Denn anders als es in den Mutmaßungen vor der Rundfunkratssitzung nach außen drang, kann Frauen und Männern an der Spitze öffentlich-rechtlicher Sender nicht fristlos gekündigt werden. Als Intendantin kann man vom Rundfunkrat nur abberufen werden. Das ist nun fristlos geschehen.

Das Gefeilsche über die Abwicklung einer Vertragsauflösung geht jedoch weiter. Im Verwaltungsrat. Dass man dort den finanziellen Schaden gering halten möchte, darf man angesichts der Medienöffentlichkeit unterstellen.

Ausgerechnet Höcker

Den Höhepunkt des unwürdigen Abgangs der ehemaligen Intendantin erreichte Patricia Schlesinger mit der Meldung, dass sie sich anwaltlich vertreten lässt von Ralf Höcker. Unwürdig nicht, weil dieser den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan verteidigte oder den ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen. Sondern weil dieser 2012 in einem Meinungsbeitrag schrieb: "Jeder hat das grundgesetzlich verbriefte Recht, Journalisten zu beeinflussen und ihnen zu drohen!"

Transparenz und Demut wären die besseren Leitplanken gewesen.

Ein Kommentar von Jörg Wagner, rbb

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