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Glosse - Jugendwort des Jahres 2022: "Smash"

Das "Jugendwort des Jahres" 2022 lautet "Smash". Das hat der Langenscheidt Verlag heute bekanntgegeben. Wie immer folgt direkt auf die Wahl nicht nur die Frage, was denn das Wort bedeutet. Sondern auch die Debatte darüber, ob die ganze Aktion bloß Marketing ist. Wer benutzt die angeblichen Jugendwörter überhaupt? Die Antwort lautet: Doris Anselm – und zwar alle. Nebenbei klärt die 40-Jährige hier jetzt auch die Bedeutung von "Smash".

Ok, Boomer - chill' mal bitte, sage ich zu mir selbst. Ich meine: Safe ist die jährliche Aktion dieses Wörterbuchverlags total cringe. Und ja, sie ist auch sus, verdächtig also, verdächtig kommerziell. Aber wer nicht versteht, dass es auf der Welt Schlimmeres und Dümmeres gibt, der ist einfach nur lost. Außerdem: Über Kleinkram zu schimpfen macht erst richtig alt. Man verliert sofort jeglichen Swag, man wirkt alles andere als fly, man ist einfach kein Macher, sondern bodenlos. Sheesh!

Das "Jugendwort des Jahres" provoziert Debatten über sprachliche Sensibilität

Es ist doch völlig egal, welche der Wörter, die ich hier jetzt untergebracht habe, offiziell auf irgendeiner Verlagsliste standen, wie sie dahin gekommen sind, welche gewonnen haben und welche ich im Vorbeigehen an Berliner Schulhöfen oder Seniorenheimen aufgeschnappt hab. Das Nachdenken und Reden übers "Jugendwort des Jahres" ist ein Spiel. Ich finde dieses Spiel, um es mal mit Platz zwei von 2018 zu sagen: Glucose-haltig. Also: Süß. Oft ist es aber auch richtig schön wyld. Denn es provoziert Debatten über sprachliche Sensibilität. Zum Beispiel, als 2009 das Wort "hartzen" gewann, das für faules Nichtstun stehen sollte. Es wurde sofort als diskriminierend gegenüber Hartz-4-Empfängern beanstandet – zu Recht, wie ich finde.

Gönn Dir, Langenscheidt!

Aber ein Wort ist eben nur ein Bote. Es überbringt kurz und knapp, wie manche Leute voneinander denken. "Hartzen" hätte auch als Unwort des Jahres getaugt, das ja häufig soziale Risse offenlegt. Generell sind Wortkür-Wahlen Geschmackssache. Und damit kommen wir zum diesjährigen Gewinner: Smash.

Letztlich muss jeder für sich selbst klären: Sage ich zum Thema "Jugendwort des Jahres" smash oder pass? Also: ja, gerne oder nein, danke? "Smash or pass" war ursprünglich ein Spiel, bei dem man die sexuelle Attraktivität einer Person spontan beurteilen sollte. Smash: Man ginge theoretisch gern mit der Person ins Bett. Pass: Nein, Danke, ich passe.

Als Autorin finde ich Sprachthemen einfach immer attraktiv. Ja, fast schon sexuell. Aber nie im Leben würde ich ein Jugendsprache-Wörterbuch kaufen. Insofern ist es mir total egal, warum der Verlag die Aktion durchführt – ich sage großzügig: Gönn Dir, Langenscheidt! Sich hier aufzuregen, halte ich für einen epic fail. Außerdem habe ich bei der Recherche für diesen Beitrag noch ein zwar garantiert gefaktes Jugendwort gelernt, das ich aber herrlich finde: Arschfax! Ein Fax vom Arsch ist ein Unterhosen-Etikett, welches einem hinten über den Hosenrand hängt!

Ich glaube nicht, dass noch viele Jugendliche wissen, was ein Fax ist - aber egal: Das Bild ist so lustig und (sorry:) po-etisch, dass die Jugendwort-Aktion allein dafür doch ein bisschen fame verdient hat.

Doris Anselm, rbbKultur