Das Haus des Rundfunks in der Berliner Masurenallee: Seit 90 Jahren ist es auf Sendung. (Bild: rbb/Gundula Krause)
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- 90 Jahre Haus des Rundfunks (1): Die Architektur von Hans Poelzig

Vor 90 Jahren, am 22. Januar 1931, wurde das Haus des Rundfunks in der Masurenallee in Berlin-Charlottenburg eingeweiht. Der Festakt fand im sogenannten Kleinen Sendesaal statt, der große Saal war noch nicht ganz fertig. In nur 19 Monaten Bauzeit entstand ein Rundfunkgebäude - nach München erst das zweite seiner Art und europaweit einzigartig. Begleiten Sie uns durch das Haus und seine Geschichte in einer Reihe von Sigrid Hoff. In Folge eins geht es um die Architektur, die ihm seinen unverwechselbaren Charakter gibt.

Der Verkehr rauscht vorbei an der 155 Meter langen Front in der Masurenallee gegenüber vom Funkturm. Das monumentale Gebäude ragt vier Stockwerke in die Höhe. Der Mitteltrakt geht sogar noch ein Geschoss darüber hinaus. "Haus des Rundfunks" steht in großen Messingbuchstaben über dem Eingang. Die dunkle Fassade zwischen den Fensterbändern schimmert geheimnisvoll.

"Die Fassade zeigt eine ganz strenge vertikale Gliederung mit Klinkerbändern und dazwischen gesetzt Flächen mit Keramik. Die Besonderheit der Keramik ist die Glasur, die sich fast, wenn man nah rangeht, wie Bilder von Wasser oder Ähnlichem zeigen, ein sehr starkes Farbspiel im Detail." Denkmalpfleger Norbert Heuler wirbt für genaues Hinsehen. Denn auf manche Betrachter wirkt die Front düster, sogar abweisend.

Hans-Dieter Nägelke leitet das Architekturmuseum an der Technischen Universität Berlin und hütet die originalen Pläne für das Funkhaus. Auch für ihn war es Liebe auf den zweiten Blick: "Ich hatte mal das schöne Erlebnis, dass ich hier nebenan in der rbbLounge war bei einem Gewitter, wir sind rausgekommen in den strahlenden Sonnenschein und das Gebäude war noch vom Regen nass, das Haus des Rundfunks, und die Steine haben so wunderbar geschillert, blau, grün, gelb, haben geleuchtet, das ist etwas, mit dem Poelzig ganz virtuos umgehen konnte, wo sich seine Modernität wieder gezeigt hat."

kulturradio Instawalk am 29. Oktober 2016; Foto: Kirsten Kindermann

Architekt Hans Poelzig und sein Lichthof

Hans Poelzig, das ist der Architekt, nach dessen Plänen 1929 bis 1931 das Rundfunkhaus als Monument des technischen Fortschritts und eines neuen Massenmediums errichtet wurde. Genial findet Hans-Dieter Nägelke, wie Poelzig den Übergang von dem monumentalen Äußeren in das lichte Foyer des Funkhauses inszenierte: "Es ist ja jedes Mal ein tolles Erlebnis von dieser schweren dunklen Fassade hineinzukommen in diesen Lichthof, der seinem Namen alle Ehre macht, diese hellgelben Wände und hellgelben Brüstungen hat und dieses helle Licht von oben hat und die wunderbaren großen Beleuchtungskörper von Marlene Möschke-Poelzig, der einen ganz anderen Eindruck macht, einen offenen, freundlichen, im Grunde einen starken Kontrast zu der Fassade bildet, so wie Poelzig das gerne mal gemacht hat."

Paternoster Foto: gb

Mit dem Paternoster zur Galerie

Wir fahren mit dem Paternoster neben dem Eingang in die erste Etage und schauen von der Galerie in den großen Lichthof. Er atmet kühle Strenge und zugleich Ruhe: die Galeriegeschosse ruhen auf schlanken Stahlstützen, verkleidet mit schwarz glänzenden Keramikriemchen, in jeder Etage zieht sich eine Gitterbrüstung aus gelber Keramik um den Raum. Rot leuchtet das Linoleum auf den seitlichen Treppen. Die Farben sind nicht zufällig gewählt - ein Bekenntnis zum republikanischen Deutschland der Weimarer Republik.

"Er hat hier im Lichthof mit Gelb und Rot gearbeitet und dem dunklen Klinker, der hier wiederauftaucht, die Innenhöfe zwischen Flügeln sind hellweiß, damit sie die Büros und den Sendesälen viel Licht geben können, er hat sich bemüht, im Innern eine große Helligkeit darzustellen und gleichzeitig mit Farben zu arbeiten, die für die neue Zeit gestanden haben."

Großer Sendesaal, Haus des Rundfunks © rbb/Hanna Lippmann
© rbb/Hanna Lippmann | Bild: rbb/Hanna Lippmann

Der Große Sendesaal in der Mitte des Hauses

Die Bauaufgabe war in den 20er Jahren so neu wie die Nutzung der Funkwellen zur Radioübertragung. Bedingt durch die Grundstücksform besitzt der Komplex die Gestalt eines gleichschenkligen Dreiecks. Die Seitenflügel schwingen in einem Bogen nach hinten und treffen sich in der Spitze. Das ist die Grundrissform. Ins Zentrum des Dreiecks verlegte Poelzig den Großen Sendesaal, der Festraum des Gebäudes, den man vom Lichthof aus betritt.

"Das hat er wirklich in die innerste Mitte des Gebäudes hineingelegt, auch um den Sendesaal akustisch gegen die Straße abzuschirmen. Die beiden anderen Sendesäle, der Hörspieltrakt und der kleine Sendesaal, fächern sich zu den Seiten auf, das Ganze wird nach außen umschirmt von den Räumen für die Verwaltung oder die Büros für die Redakteure. "

Das Berliner Funkhaus ist nach München das zweite Gebäude überhaupt, das eigens für den Rundfunk entstand. Zeitgenössische Kritiker würdigten es als Monument des technischen Fortschritts und den Rundfunk als – Zitat – "Organ der breiten Masse, denen er Bereicherung ihres Daseins bedeutet". Die Chancen des Rundfunks als Massenmedium und politisches Machtinstrument erkannten bald darauf die Nationalsozialisten. Nur zwei Jahre nach der Einweihung des Funkhauses ging an der Masurenallee die Hakenkreuzfahne hoch.

Sigrid Hoff, rbbKultur