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Kommentar - Kultur nur für Geimpfte und Genesene? Ja!

Die New Yorker Metropolitan Opera lässt in der kommenden Spielzeit nur Geimpfte in ihr Haus: Sowohl Zuschauer als auch Musiker müssen sich gegen das Corona-Virus geimpft haben. Damit sind Kinder unter 12 Jahren, für die Impfstoffe noch nicht zugelassen sind, von vornherein ausgeschlossen. In den USA gehen solche Maßnahmen einher mit einer öffentlichen Debatte um die Impfplicht. Und auch hierzulande ist die Debatte, etwas gemäßigter, in vollem Gange. André Bochow kommentiert.

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Die Met in New York will im September wieder öffnen und kündigt jetzt schon an, nur Geimpften Zutritt zu gewähren. Ein Rockkonzert in den USA wurde von 20.000 Geimpften bejubelt. Und hierzulande fordert der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, künftig nur noch Geimpfte und Genesene auf Konzerte zu lassen. Es herrscht wegen dieser geplanten oder gelebten Praxis einige Aufregung. Man fragt sich allerdings, warum.

Hat denn irgendjemand etwas anderes erwartet? Wenn die privaten Veranstalter Ungeimpfte an den kulturellen Ereignissen teilhaben ließen, könnten sie es nur unter der Bedingung, dass die Säle oder Hallen nur zu einem geringen Teil gefüllt sind. Das wäre für die Veranstalter eine wirtschaftliche Katastrophe.

Aber damit nicht genug. Ein Großteil des Publikums, das sich in diesen pandemischen Zeiten der Einsicht nicht verschließt, dass Impfen sinnvoll, lebenserhaltend, gesund und solidarisch ist, müsste zu Hause bleiben. Wegen der Gleichbehandlung von Impfgegnern. Die Freiheit der Letzteren wird zum Zwang für die Ersteren. Das wäre unzumutbar - und nicht der Ausschluss von potentiellen Virenüberträgern.

Natürlich sieht das alles so aus, wie die Einführung der Impfpflicht durch die Hintertür. So ist es aber nicht. Die deutsche Politik hat sich darauf festgelegt, keine Impfpflicht einzuführen und sie wird sich an das Versprechen halten. Niemand aber hat versprochen, dass private Unternehmen, Restaurants, private Bühnen oder Fluggesellschaften nicht den Geimpften den Vorzug geben. Hierzulande werden außerdem Genesene und Getestete einbezogen. Vermutlich werden die Tests nicht ewig kostenlos sein, aber dafür gibt es ja auch bald keinen Grund mehr.

Sollten die Maßnahmen von Kulturveranstaltern einen sanften, aber doch deutlichen Druck ausüben, der zu mehr Impfungen führt, dann sei er herzlich willkommen. Denn wir wollen in vollen Opernhäusern und Theatern sitzen und wir wollen von einem Virus verschont bleiben, mit dem man nicht diskutieren kann.

Der Impfschutz ist nicht hundertprozentig und die Verbreitung des Virus führt zu immer neuen Mutationen. Die uns demnächst wieder von unserem gewohnten Leben abschneiden könnten. Und deswegen sollen nicht nur private Veranstalter, sondern auch deutsche Staatsopern und staatlich betreute Theater Impfgegnern und Testverweigerern verschlossen bleiben.

André Bochow, rbbKultur