Sänger Gisbert zu Knyphausen bei einem Konzert in der Columbiahalle in Berlin; © dpa/Eventpress Hoensch
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rbbKultur-Konzert "Stadt. Land. Lied" am 8.11. im Haus des Rundfunks - Gisbert zu Knyphausen: "In Berlin hänge ich der Liebe wegen fest, was natürlich schön ist"

Der Liedermacher Gisbert zu Knyphausen ist wahrlich vielseitig. Er wagt immer wieder neue Kooperationen mit Musikern unterschiedlicher Couleur. Am 8. November spielt er im Rahmen unseres exklusiven Konzertes "Stadt. Land. Lied" im Haus des Rundfunks und stellt dabei mit dem Pianisten Kai Schumacher sein aktuelles Programm mit Schubert-Liedern vor. Ein Gespräch mit Gisbert zu Knyphausen.

rbbKultur: Herr zu Knyphausen, kann man sagen, dass dem "schön Schrägen" all Ihre Leidenschaft gehört?

zu Knyphausen: Dem schön Schrägen gehört unter anderem meine Leidenschaft. Aber meine Leidenschaft gehört auch dem sanft Romantischen und Friedvollem.

Mir ist es wichtig, zum Beispiel bei der Arbeit an meinem aktuellen Album, dass da auch etwas Schräges reinkommt, indem wir Schubert mit einer E-Gitarre interpretieren, dass unerwartete Instrumente wie eine Posaune auftauchen und dass ein Schlagzeug dabei ist, um die Schwere und Düsterkeit, die manche Schubert-Stücke in sich tragen, in meine Musikwelt zu transportieren. Aber ich bin auch ein großer Fan von Dissonanzen, von schrägen, verzerrten Gitarren – aber das kommt jetzt nicht alles auf diesem Album vor.

rbbKultur: Können Sie Ihre Musikwelt skizzieren?

zu Knyphausen: Meine Musikwelt erstreckt sich, wenn ich sie selber auf der Bühne aufführe, von ruhigen Akkustikgitarren-Klängen mit viel Text bis zu recht krachigen, rockigen Stücken. Und neuerdings geht es auf der Bühne auch orchestral zu – mit Streichquartett, Kontrabass, Flügel, Posaune, Schlagzeug, E-Gitarre wenn wir die Schubert-Lieder interpretieren und zwischendurch auch Lieder von mir. Wir stellen diese Lieder dann einander gegenüber und gucken, was sich diese alten und meine Lieder zu sagen haben.

rbbKultur: Am 8. November werden Sie - neben Sebastian Krämer und Dota Kehr - mit dem Pianisten Kai Schumacher bei unserem "Stadt. Land. Lied"-Konzert um 18:30 Uhr im Kleinen Sendesaal auftreten. Was haben Sie sich für den Auftritt vorgenommen? Eine, wie Sie es gerade skizziert haben, Gegenüberstellung von Neuem und Altem?

zu Knyphausen: Das wird es auch geben, nur reduziert. Wir werden nur zu zweit auftreten. Wir werden zwei Schubert-Stücke spielen, zwei Lieder von mir und Kai wird ein selbst komponiertes Solo-Piano-Stück spielen, das logischerweise ziemlich modern ist im Vergleich zu den Schubert-Liedern.

rbbKultur: Ich habe Sie vorhin einen Entertainer genannt. Manche bezeichnen Sie als Liedermacher, wieder andere als Singer-Songwriter. Wie bezeichnen Sie sich selbst, wenn Sie an sich als Künstler denken?

zu Knyphausen: Ein Entertainer bin ich nicht wirklich, weil jeder, der mal auf einem meiner Live-Konzerte war, weiß, dass ich nicht besonders gut darin bin, die Ansagen zwischen den Liedern zu machen. Da fühle ich mich immer unsicher. Ich bezeichne mich selbst einfach als Musiker und wenn ich gefragt werde, was für Musik ich mache, sage ich, dass ich deutschsprachige Lieder schreibe, die mal ganz sanft und mal ganz krachig klingen. Aber mir sind alle Schubladen recht. Wenn jemand sagt, ich bin Singer-Songwriter oder Liedermacher, dann darf er das gerne sagen.

rbbKultur: Haben Sie konkrete Vorbilder, die Sie bisher besonders inspiriert haben in Ihrem künstlerischen Schaffen?

zu Knyphausen: Auf jeden Fall ist das Conor Oberst aus den USA, der bei den verschiedensten Band-Projekten beteiligt war – sein bekanntestes heißt Bright Eyes. Er hat mich sehr geprägt im Schreiben und in der Art zu versuchen, den eigenen Weltschmerz in kunstvolle Worte zu packen und in intensive Songs zu gießen.

rbbKultur: Ist es denn vor allem Weltschmerz, der Sie antreibt?

zu Knyphausen: Nein, aber es kommt viel Melancholie und Weltschmerz in meinen Liedern vor. Es sind auch viele positive Gefühle wie Freundschaft, Liebe und Lust am Leben, aber ich habe schon einen Hang zu traurigen Liedern. Ich mag diese melancholische Atmosphäre in Songs.

rbbKultur: Um Sie persönlich ein bisschen besser kennenzulernen: Sie heißen mit vollem Namen Gisbert Wilhelm Enno Freiherr zu Innhausen und Knyphausen. Ich habe einen adligen Freund in Berlin, mit dem ich mal durch Brandenburg gelaufen bin und dem rutschte dann mit großer Geste heraus: "Schau Dir diese Wälder an! Der größte Teil davon gehört mir!" Gehört Ihnen im Rheingau, wo Sie herkommen, auch eine Menge an Natur?

zu Knyphausen: Nein, da gehört mir nichts. Meinem Bruder gehört jetzt ein Weingut mit Gastronomie und Hotel, das er auf dem Hof weiterführt, auf dem wir alle aufgewachsen sind. Er verfügt über ein paar Weinberge. Es ist aber nicht so, dass uns der ganze Rheingau gehört (lacht).

rbbKultur: Wein - das klingt nach Sinneslust, nach Lebenslaune. Hat Sie das vor allem geprägt – oder ganz anderes?

zu Knyphausen: Der Wein und das Großwerden in einer Weinregion haben mich schon geprägt. Da bekommt man schon eine gewisse Lebens- und Sinneslust mit auf den Weg. Aber ich habe auch Lust am Kulturellen - vor allem an Musik - mitbekommen in meiner Familie. Aber um auf den Wein zurückzukommen: Ich trinke nach wie vor wahnsinnig gerne Wein. Ich weiß wenig über seine Herstellung, das hat mich nie sonderlich interessiert, aber ich probiere mich gerne durch die unterschiedlichsten Weine.

rbbKultur: Wie weit prägt Sie Berlin, wo Sie inzwischen leben?

zu Knyphausen: Ich lebe schon seit über zehn Jahren in Berlin. Aber wie mich das geprägt hat, kann ich schwer sagen. Es ist einfach eine Riesenstadt, in der ich alles zur Verfügung habe, was ich gerne erleben möchte. Ansonsten hänge ich hier der Liebe wegen fest, was natürlich schön ist. Ich mag Berlin gerne, aber es ist auch eine anstrengende Stadt.

rbbKultur: Am Montag werden wir das "Stadt. Land. Lied"-Konzert auch live übertragen. Sie erreichen mit einem Konzert also nicht nur die Menschen, die direkt vor Ort sind, sondern auch weit darüber hinaus. Wie weit beeinflusst das auch Ihr Auftreten?

zu Knyphausen: Da geben wir uns natürlich extra Mühe (lacht).

Es ist toll, dass man nicht nur für die Leute vor Ort spielt - was mir allerdings im Moment das Liebste ist, weil wir das so lange nicht hatten. Aber es ist natürlich toll, dass alle Leute am Radioempfänger mithören können. Die Möglichkeit, dass man am anderen Ende der Welt sitzen und ein Konzert von uns hier in Berlin hören kann, ist wirklich etwas Schönes am Internet. Da hat die Menschheit schon etwas ganz Gutes vollbracht.

Das Gespräch führte Peter Claus, rbbKultur. Es handelt sich um eine redigierte Fassung.

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