Juliane Kay: Zwei in Italien; Montage: rbbKultur
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Vergessene Autorinnen wiederentdecken - Die Überlesenen: Juliane Kay

Wie in jedem Frühjahr erscheinen auch in diesem wieder viele neue Bücher. Die Autorinnen und Autoren warten auf Besprechungen, die Verlage auf gute Umsatzzahlen. Wir halten einen Augenblick inne angesichts all der neuen Titel und schauen zurück und fragen, was eigentlich mit früheren wichtigen Büchern geschehen ist. In unserer Reihe "Die Überlesenen" stellt Ihnen Manuela Reichart zu Unrecht vergessene Autorinnen vor. Zum Beispiel die österreichische Schriftstellerin Juliane Kay.
 
 

Im letzten Jahr erschien ein alter, vollständig vergessener Roman von Juliane Kay neu. Ein Roman, der, der nichts an Unterhaltungskraft und Klugheit eingebüßt hat: "Zwei in Italien".

Wiederentdeckung einer großen Autorin

Wiederentdeckt hatte ihn der Literaturredakteur des österreichischen Rundfunks, Peter Zimmermann:

"Ich bin auf Juliane Kay durch die Recherche an einer ganz anderen Geschichte aufmerksam geworden. Ich bin auf ein Stück namens 'Leni' gestoßen - da gab es eine Verfilmung der Österreichischen Fernsehens 1966. Das ist die Geschichte einer jungen Frau in Wien, die drei uneheliche Kinder hat. Sie betreibt ein kleines Geschäft. Das fand ich schon sehr außergewöhnlich in dieser Zeit, in dem damals sehr konservativen Österreich. Ich bin dann dieser Autorin, die ich überhaupt nicht kannte, nachgegangen: Sie war nach 1945 bis Anfang der 60er Jahre eine der meistbeschäftigten Drehbuchautorinnen des deutschen - also nicht nur des österreichischen - Films, und sie galt damals als die meistgespielte österreichische Dramtikerin. Es hat mich sehr verwundert, dass diese Autorin heute vollkommen vergessen ist."

Bundesfilmpreis für die Ehekomödie "Vergiss die Liebe nicht"

1957 erschien der Roman "Zwei in Italien". Juliane Kay war Ende 50, vier Jahre vorher war ihr ein deutscher Bundesfilmpreis verliehen worden als beste Drehbuchautorin für die erfolgreiche Ehekomödie "Vergiss die Liebe nicht". In diesem Film kehrt die vernachlässigte Ehefrau und Mutter nach einem kurzen Ausbruchsversuch am Ende brav wieder in die Familie zurück. Das musste damals so sein, auch wenn man diesen reumütigen Entschluss der Heldin heute nicht wirklich versteht.

Peter Zimmermann:

"Es ist in diesem Film – wie in vielen andere Filmen, die sie gemacht hat – in der Regel immer die Frau, die die Initiative übernimmt, die zwar die Möglichkeit hätte, auszubrechen, am Ende obsiegt dann doch immer die Pflicht, aber sie geht am Ende doch gestärkt in diese Beziehung hinein, weil sie gezeigt hat: es hängt doch in erster Linie von ihrer Aktivität und Entscheidung ab."

Schluss mit eindeutigen Rollenverteilungen

Im Zentrum des Romans "Zwei in Italien" steht dagegen eine berufstätige Frau, die genug von all den Liebesspielen zwischen den Geschlechtern hat, von den - wie man heute sagen würde - eindeutigen Rollenverteilungen.

Juliane Kay: "Was mich betraf, so war ich es müde geworden, mich mit Komplexen herumzuschlagen und die Mühen und Plagen der Eitelkeit zu ertragen. Ich fand, dass der ewige Kampf um ihn – wenn man die Lupe der kaltblütigen Vernunft nahm und ihn innen und außen scharf betrachtete – sich in den seltensten Fällen lohnte."

"Zwei in Italien" ist ein besonderer literarischer Roadtrip

"Zwei in Italien" ist ein Reiseroman, ein literarischer Roadtrip. Zwei Menschen machen eine Autofahrt nach Rom. Beide sind nicht mehr ganz jung – und das Besondere: sie sind k e i n Paar – sie sind gut befreundet und arbeiten gerne zusammen. Beide sind gerade Singles – damals sagte man alleinstehend – und haben die Liebe mit all ihren Kompromissen und Verrenkungen satt. Deswegen fragt er die Freundin, ob sie ihn nach Rom begleiten wolle. Keine erotische Absicht steckt dahinter. Er möchte nicht alleine fahren, gemeinsam mit ihr eine harmonische Zeit verbringen. Er freut sich darauf, ihr ein kundiger Reiseführer zu sein. Und für sie wird ein Traum wahr. Italien!

Kay erzählt von einer emanzipierten Frau in einer Zeit, in der Frauen besser folgsame Hausfrauen sein sollten

Das Ungewöhnliche an dieser heiter erzählten Geschichte (am Ende werden sie doch ein Liebespaar, aber das stört nicht weiter) ist wirklich die namenlose Erzählerin. Sie ist eine beeindruckend kluge Person, die auf das alberne männliche Imponiergehabe und dümmliche weibliche Verhaltensweisen mit scharfem Blick schaut. Sie ist eine emanzipierte, eine selbstständig handelnde und denkende Frau – in einer Zeit, in der die Frauen doch besser folgsame und brave Hausfrauen sein sollten.

Manuela Reichart, rbbKultur