Der Ring des Nibelungen | Martina Gedeck © rbb/Thomas Ernst
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"Der Ring des Nibelungen" - Martina Gedeck über ihre "Fricka" im Nibelungen-Hörspiel

Auch wenn sie durch ihre Filmrollen in "Bella Martha" und "Das Leben der anderen" berühmt wurde - Martina Gedeck ist dem Radio und insbesondere dem Hörspiel immer treu geblieben. Erst vor kurzem hat sie den Deutschen Hörspielpreis bekommen. Jetzt ist sie in der aufwändigen rbbKultur-Produktion "Der Ring des Nibelungen" zu hören. Sie spielt die Fricka. Was ist der "Ring" für sie - Märchen oder große Oper? fragen wir Martina Gedeck.

Wie war Ihre Beziehung zu Wagner und zum "Ring" vor diesem Projekt? Sind Sie eine Wagnerianerin?

Martina Gedeck: Nein, das bin ich nicht. Ich muss gestehen, dass ich bis dahin wenig Zugang hatte zu Wagner. Ich habe mal auf einer Autofahrt viel Wagner-Musik gehört und war vollkommen begeistert. Aber ich war nicht in der Oper, bis ich dieses Projekt voriges Jahr in Angriff genommen habe. Es war natürlich ganz aufregend für mich, das alles zu erfahren und zu hören.

Sind Sie direkt reingegangen, ohne sich die Opern anzuhören, oder haben Sie das getan, damit Sie vorbereitet sind?

Martina Gedeck: Doch, ich habe mir die Oper angehört. Sie ist zwar berühmt und man kennt die Geschichte, aber ich wollte ein Gefühl für die Größe und die Bedeutung entwickeln und auch den inneren Gehalt dieses Wahnsinns, den das ganze Werk umgibt. Man merkt auch, wenn man den Podcast hört, dass die Musik doch eine gewisse Rolle spielt und sie dem Ganzen eine ganz andere Kraft verleiht.

Lassen Sie uns mal einen Ausschnitt hören: Da ist Ihre Figur, Fricka heißt sie. Sie ist im Gespräch oder eher im Streit mit Ihrem Gatten Wotan.

Fricka: Das ist alles, was dir dazu einfällt? Dich im Anblick der Burg zu sonnen, nur weil du der Welt zeigen willst, dass du der Größte bist von allen.

Wotan: Aber Fricka…

Fricka: Mir macht der Anblick Angst. Hast du denn etwa schon vergessen, welchen Lohn du bei der Fertigstellung der Burg zu zahlen hast?

Wotan: Fricka, natürlich erinnere ich mich. Es ist alles in Verträgen festgelegt. Darum musst du dich nicht kümmern.

Fricka: Nicht kümmern? Wenn ich rechtzeitig von diesem Vertrag gewusst hätte, hätte ich ihn schon verhindert. Aber du hast mich hintergangen und mit den Riesen allein verhandelt. Und was ist das Ergebnis? Als Lohn hast du ihnen meine Schwester Freia in Aussicht gestellt. Nichts ist euch Männern heilig, wenn es darum geht, euren Machthunger zu stillen.

Wotan: Und wer war es, der mich zu dem Bau der Burg gedrängt hat, liebe Fricka?

Fricka: Das war aus der Not geboren und das weißt du genau.

Man hat jetzt schon gehört, das ist eine andere Sprache als die klassische Wagner-Sprache mit dem Stabreim und dieser Altertümlichkeit, die die an sich hat. Wie würden Sie die Sprache in dieser Podcast-Fassung beschreiben?

Martina Gedeck: Es ist eigentlich eine heutige Sprache, was die Sache sehr erleichtert, weil man einfach versteht, worum es geht. Es ist aber auch eine gehobene Sprache, also keine normale Alltagssprache. Die ist von Regine Ahrem extra für dieses Projekt entwickelt worden. Das hat eine gewisse Poesie und eine literarische Kraft, aber trotzdem bleibt es ganz auf dem Boden dessen, was wir kennen. Wenn man die Wagner‘sche Sprache hört, da versteht man oft überhaupt nicht, was gemeint ist. Die Sprache bringt uns die Geschichte sehr nah und man versteht, worum es überhaupt geht. Und das ist eine wahnsinnig spannende Geschichte.

Das kann man wohl sagen. Eine sehr aufregende Geschichte. Sie haben vorhin auch schon die Musik angesprochen. Es gibt jetzt in dieser Fassung auch eine andere Musik von dem Komponisten Felix Ravel auf der Basis von Richard Wagners Musik, aber dann doch wieder ganz anders. Wie wirkt diese neue Musik auf Sie?

Martina Gedeck: Ich bin vollkommen begeistert davon. Ich habe das nicht erwartet. Die Kunstkopf-Aufnahmetechnik, die wir damals benutzt haben, war völlig neu für mich. Man hört das Ganze dabei in Stereo und muss beim Spielen und Sprechen völlig anders agieren, als das normalerweise der Fall ist. Wir sind immer sehr nah an den Kunstkopf rangegangen, wenn wir sehr nah sprechen wollten zu unserem Partner – dadurch entsteht eine Dreidimensionalität. Es ist wirklich sehr beeindruckend wenn man es hört und die Musik einen unglaublichen Untergrund gibt. Das Ganze wird dadurch sehr plastisch und gewaltig. Also die Musik ist ein großer Bestandteil und gemahnt natürlich an Wagner oder ist teilweise auch auf Basis von Wagners Musik entstanden. Das Ganze hat eine große Kraft, es hat etwas von "Herr der Ringe“. Daran denkt man unmittelbar, wenn man es hört.

Das stimmt. Das fand ich auch auffallend zu sehen, wie viel der "Herr der Ringe“- Autor sich geborgt hat bei Richard Wagner und seinem "Ring“. Jetzt sprechen Sie die Fricka, die Ehefrau des Obergottes Wotan. Sie ist traditionellerweise die Hüterin von Ehe und Moral. Das klingt zunächst nicht so aufregend. Ist es trotzdem eine aufregende Rolle?

Martina Gedeck: Ja, ich finde schon. Man kann darüber denken, wie man will. Sie hat natürlich sehr zu kämpfen, denn sie wird von Wotan permanent betrogen. Er hat ständig andere Frauen, verliebt sich immer wieder, lebt auch monatelang oder jahrelang - so genau kann man das bei den Göttern nicht sagen - mit anderen Frauen zusammen und bekommt Kinder von anderen Frauen. Hier geht es vor allem in diesem Konflikt der Fricka darum, dass sie verhindern möchte, dass die Geschwister Siegmund und Sieglinde ein Verhältnis miteinander eingehen. Das unterbindet sie und sagt "Das darf nicht sein“ und "Wir müssen uns an unsere alten Gesetze halten“. Das fordert sie von ihm am Schluss ein, und er muss ihr auch stattgeben und sich ihr beugen. Sie ist eine sehr kraftvolle Person, die sich gegen ihn durchsetzt, obwohl sie auch darunter leidet - also das klassische Schicksal. Sie ist gemeinhin als eine zickige Frau gezeichnet, als eine wütende, eine große und zornige Frau. Es hat mir gut gefallen, so jemanden mal zu spielen und zu verkörpern.

Das ist überhaupt interessant mit den Frauen in dieser "Ring“-Fassung. Regine Ahrem, die Autorin dieser Podcast-Fassung, hat dazu gesagt, dass sie die große Kraft der Frauen, die eigentlich schon in dem Wagner’schen "Ring“ steckt, für das Hörspiel noch mal herausgearbeitet und verstärkt habe. Ist Ihre Fricka eine stärkere Figur als sie es bei Wagner eigentlich ist?

Martina Gedeck: Es sind die Frauen im Allgemeinen, die Erda zum Beispiel und vor allen Dingen die Brünhilde, die einen großen Spielraum bekommen. Aber die Frauen haben das im Grunde schon in sich. Sie haben auch bei Wagner eine große Bedeutung. Ich könnte das nicht gegeneinander abwägen. Aber es stimmt, dass die Frauenfiguren hier besonders beleuchtet sind und auch ihr Schicksal miterzählt wird, und nicht nur der Streit und der Krieg der Männer oder die Liebesgeschichten. Es geht eben auch noch um andere Dinge

Jetzt sind Sie, Frau Gedeck, in diese "Ring des Nibelungen“-Welt eingetaucht. Das ist aber nicht das erste Opernprojekt, an dem Sie beteiligt sind. Sie waren 2019 auch an der Uraufführung der zeitgenössischen Oper "Violetter Schnee“ in der Berliner Staatsoper beteiligt. Wie sind Sie mit dieser Oper damals zusammengekommen?

Martina Gedeck: Es beginnt derzeit, dass sich die Oper mit normaler Schauspielerei vermischt. Ich wurde ursprünglich als Sprecherin angefragt, es gab fünf Sängerstimmen und eine Schauspielerin. Und diese Schauspielerin spricht eben Worte, das heißt, das gesprochene Wort bekommt auch noch mal eine andere Bedeutung und es wird gemischt. Das ist eine sehr moderne Oper gewesen. Das war für mich ein tolles Erlebnis, die ganze Inszenierung hinter der Bühne, die Sänger, diese wahnsinnig beeindruckende Art zu arbeiten, auch die Stimmen und das Ganze eben von der Musik getragen. Im Gegensatz zur Schauspielerei. Das hat mich begeistert. Ich habe das sehr gerne gespielt und als etwas ganz Besonderes in meinem Schauspielerleben erlebt und bin auch seither der Musik sehr verbunden und mache viele Projekte mit Musik.

Das klingt ganz so, als ob es weitergeht mit Ihnen und der Oper?

Martina Gedeck: Ich hoffe es. Aber ich bin auch in anderen Projekten mit Musikern zusammen. Ich mache einen sehr schönen Liederabend mit Georg Nigl: Ich rezitierte Gedichte und Texte und er singt dazu. Und mal sehen, ob sich wieder mal eine Gelegenheit in der Oper bietet.

Mit Martina Gedeck sprach Frank Meyer. Es handelt sich um eine redigierte und gekürzte Fassung. Das ganze Interview können Sie als Audio hören.

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