Wochenmarkt Boxhagener Platz © Leon Ginzel
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Bild: Leon Ginzel

rbbKultur-Reihe: Wochenmärkte zum Schwelgen - Schlendern über den Boxhagener Platz in Berlin-Friedrichshain

Unsere kulinarische Sommer-Serie "Wochenmärkte zum Schwelgen" hier auf rbbKultur geht weiter. Wir stellen Ihnen jeden Dienstag die schönsten Wochenmärkte der Stadt vor. Zum Schlendern, Genießen und Schwelgen in den Ferienwochen. Heute geht es nach Friedrichshain, an den Boxi. Zum Wochenmarkt am Boxhagener Platz. Leon Ginzel nimmt Sie mit.

Samstagmorgen in Berlin-Friedrichshain, Boxhagener Platz. Rund um die quadratische Grünfläche in der Mitte ziehen sich die Marktstände entlang. Auf dem dunkel gepflasterten Gehweg und in zweiter Reihe auf der Straße. Bei einem der größten Stände, Obst und Gemüse von "Demir und Söhne", ist es laut und lebendig. Stand-Betreiber Demir preist die Qualität seiner Ware an: nur das Beste! Dann lädt er zum Verkosten ein: Flug-Ananas - lecker und süß.

Ein Markt mit wechselhafter Geschichte

Dass es so lebhaft zugeht auf dem Boxi, war nicht immer so. Der Markt hat eine wechselhafte Geschichte. Anfang des 20. Jahrhunderts ging es los, damals versorgten die Händler:innen die Gemeinde Boxhagen. Auf dem Pflaster sieht man noch die alten Stand-Begrenzungen, mit dunklen Steinen markiert. Dann kamen die beiden Weltkriege und die DDR-Zeit.

Organisator Stefan Frantz berichtet, dass der Markt damals unter anderem nur aus einem Kartoffelstand bestand. Nach der Wende wollten die Leute konsumieren und in Ost-Berlin gab es viele Arbeitslose - da war nichts einfacher, als hier Markthändler zu werden. Und so hat sich der Markt wiederbelebt.

Hirschhornwegerich vom Bio-Stand

Neue Leute zogen an den Boxi, es wurde jünger, hipper. Und das neue Publikum kauft bewusster ein, will zum Beispiel mehr Bio-Lebensmittel.

Einen Bio-Obst und Gemüse-Stand betreibt Frank Wesemann. Relativ viel produziert er selber, doch um ein Voll-Sortiment anbieten zu können, wird auch dazugekaft. Aus eigenem Anbau kommt zurzeit hauptsächlich alles, was schnell wächst und Blätter hat: Salat und Kräuter. Besonders der Wildsalat kommt bei seiner Kundschaft gut an.

Frank Wesemann ist der Meinung, dass man seinen Hirschhornwegerich probieren muss: Was nach langen Grashalmen aussieht, schmeckt leicht nussig und frisch. In Italien kommt dieser gerne in den Misch-Salat, er eignet sich aber auch wunderbar zum Kochen - zum Beispiel leicht angedünstet mit getrockneten Tomaten und Knoblauch zu Pasta.

Das Beste fürs Brot

An den Stehtischen nebenan, im Schatten, ist Zeit, um kurz innezuhalten. Doch dann wird weitergeschlemmt - und zwar beim vielleicht kleinsten Stand auf dem Markt, mit dem simplen Namen "Bread" - Brot. Und genau das gibt es hier auch ausschließlich. Genauer: Holzofen-Brot aus Sauerteig mit langer Teigführung, aufs Gramm abgewogen von Can. Mit seinem Brot möchte er zurück zum Einfachen: Der Brotteig reift 60 Stunden, verwendet wird sehr gutes Bio-Mehl - laut Can ist das das Beste, was man machen kann für Brot - und viel Handarbeit.

Pasta, Pizza & viel Liebe

Einmal ums Eck, Richtung Grünberger Straße, vorbei am Café-Pavillon, dem Blumenstand, einem Fischwagen und Quark-Stand trifft man auf "Pasta e Piú". Am Stand der gebürtigen Iranerin Mitra Bahramsari kommen Fans von frischer Pasta voll auf ihre Kosten: Sieben Sorten Ravioli, Bandnudeln, Maccaroni und verschiedene Sorten Gnocchi werden hier angeobten - gefüllt mit Trüffel und Walnuss-Mascarpone oder aus einem Mix aus Spinat, Roter Beete - oder Natur.

Hergestellt werden Gnocchi, Tagliatelle & Co. in einer Manufaktur in Schöneberg. Die Qualität hat sich rumgesprochen - bei "Pasta e Piú" ("Nudeln und mehr") gibt es oft die längsten Schlangen auf dem Markt.

Mehr los ist vielleicht nur am Lahmacum-Stand, betrieben von drei Frauen an der Ecke Krossener/Gabriel-Max-Straße, die ihre türkische Pizza in einem weißen Verkaufswagen anbieten. Eine der Frauen, Senem, erläutert die verschiedenen Varianten: "Normal" mit Hackfleisch, vegetarisch mit Spinat, Käse, Parmesan, Ruccola und Pinienkernen und vegan mit Kartoffel oder Soja-Hack.

Das Geheimnis ihres Erfolges? "Mama, die hat ein ganz gutes Rezept, ganz viel Liebe", verrät Senem lachend - und das kommt halt gut an - bei den Friedrichshainer:innen und den Hipstern!

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