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Bild: Elisabetta Gaddoni

rbbKultur-Reihe: Wochenmärkte zum Schwelgen - Der Winterfeldtmarkt in Schöneberg

Unsere kulinarische Sommer-Serie "Wochenmärkte zum Schwelgen" hier auf rbbKultur geht weiter. Wir stellen Ihnen jeden Dienstag die schönsten Wochenmärkte der Stadt vor. Zum Schlendern, Genießen und Schwelgen in den Ferienwochen. Heute geht es auf den Winterfeldtmarkt, im Herzen Schönebergs, der größte Wochenmarkt Berlins und einer der ältesten. Der Markt lädt am Mittwoch und am Samstag zum Einkaufen ein, und danach zum Verweilen in einem der vielen umliegenden Cafés und Restaurants. Elisabetta Gaddoni war für uns an einem Samstag dort.

Die Sonne steht schon hoch am Himmel. In den langen Reihen mit Marktständen tummeln sich Menschen, die ihre Wocheneinkäufe erledigen, aber auch viele, die einfach nur bummeln und Freunde treffen wollen. Einige Touristen sind auch dabei.

Der Blumenverkäufer versucht, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen: Einen Strauß Freilandrosen für zehn Euro. Früher war an diesem Blumenstand ein Mann mit einer besonders tiefen und lauten Stimme: Rudi war mit seinem Ausruf "Zehnerle, Zehnerle!" legendär.

Von "Marktschreiern" und Bienenstich

Die Verkäuferin am Brotstand, Jasmin, hat auch eine markante Stimme. Sie kannte den alten Rosenverkäufer, der leider vor drei Jahren gestorben ist, sehr gut. Sie erzählt, dass er "Marktverbot" hatte und nicht mehr schreien durfte - zu laut sei er gewesen, viele Leute beschwerten sich. Doch irgendwie gehörte er auch immer dazu.

Jasmin verkauft mit ihrer Freundin Anna Brot und Kuchen aus der kleinen regionalen Backstube von Johann Mayer am Innsbrucker Platz. Eine Spezialität sind Brote auf Sauerteigbasis mit einer dunklen Kruste. Die Laibe werden vor dem Backen 24 Stunden in Olivenöl mariniert, damit sie sich länger frisch halten.

Auf dem Tresen liegen verschiedene Sorten Blechkuchen. Von Anna besonders angepriesen wird der Kirschstreuselkuchen – doch die große Mehrheit der Kund:innen nascht am liebsten ihren Honig-Mandelkuchen: ein typischer Bienenstich, untypisch ohne Füllung. Dieser schmeckt frisch, lecker - und auch bei 30 Grad!

Ein Versorgungsmarkt, der sich auch zum Bummeln eignet

Ich kaufe ein Brot und zwei Apfeltaschen und gehe weiter. Am Ende der Reihe, vor einem großen Obst- und Gemüsestand, ruft mich jemand: Hakan, mein früherer Gemüseverkäufer in der Marheineke Markthalle in Kreuzberg. Die Arbeit an der frischen Luft gefalle ihm viel besser als in der Halle, erzählt er. Gearbeitet hat er hier schon zu D-Mark-Zeiten, besonders die gute Atmosphäre schätze er hier.

Und wenn es im Winter kalt ist? "Man gewöhnt sich daran und hat warme Gedanken!"

Für eine Kleinigkeit zum Mittag empfiehlt Hakan den Thai-Imbiss, den Hummus-Laden direkt hinter seinem Stand und einen Italiener, der Pizza verkauft.

Ich lasse Hakan zurück an seinem Stand, biege ab in eine neue Reihe und kann mich schwer zwischen Hummus und Börek entscheiden. Das Angebot an Street Food ist beeindruckend, aber das Besondere an diesem Markt ist, dass Gastronomie, Mode und Kunsthandwerk den populären Charakter nicht verdrängt haben. Mit den vielen Brot-, Fleisch- und Fischständen und dem großen Angebot an Obst und Gemüse ist der Winterfeldtmarkt immer noch ein Versorgungsmarkt, der sich auch noch zum Bummeln eignet.

Griechischer Berghonig zum Schwärmen

"Schwärmerei" steht groß auf einem Verkaufsstand, der Honig und andere Spezialitäten aus Griechenland anbietet. Verkäufer Samir erklärt uns den Namen: "Schwärmerei, weil wir für die Bienen schwärmen - und die Bienen schwärmen für uns!“

Samir ist eigentlich Schauspieler und Synchronsprecher, aber an freien Wochenenden hilft er seiner Frau, einer Griechin, auf dem Markt. Der Honig stammt aus dem Pindus-Gebirge im Norden des griechischen Festlands - Richtung Albanien, auf 1.000 Metern Höhe. Er ist sehr dunkel und besteht aus allem, was das Bienenjahr mit sich bringt. Es ist kein Monohonig: Drin ist das, was gerade blüht. Geernet wird nur einmal im Jahr und im Honig enthalten ist viel Zistrose, Bergtee, im Umkreis gibt es außerdem viele Eichen und Pinien.

Samir berichtet, dass sich ein Großcousin um die 70 Bienenstöcke kümmert. In der Region, einem großen Waldgebiet, gäbe es neben Jägern und Förstern auch ganz viele Bären. 400 der Tiere seien dort renaturalisiert worden – und die wollen natürlich auch an den Honig ... Da helfen nur Zäune mit elektrischen Drähten – sonst ist der Honig weg!

Ich kaufe ein Glas von dem dunklen, köstlichen Berghonig und fürchte, dass es noch schwieriger sein wird, ihn vor meinen Mitbewohnern zu retten, als vor den Bären in den Bergen Griechenlands.

 

Elisabetta Gaddoni, rbbKultur

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