Vorasiatisches Museum Berlin: Tonschweinchen © Antje Bonhage
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"Tonschweinchen" im Vorasiatischen Museum, Berlin | Bild: Antje Bonhage Download (mp3, 6 MB)

"Jeden Tag im Museum" | Folge 3 - Aufsichten präsentieren ihre Lieblingswerke

Wohl kaum jemand verbringt so viel Zeit im Museum wie das Personal. Da liegt es nahe, dass der einen oder dem anderen einzelne Kunstwerke besonders ans Herz gewachsen sind. Für eine Sonderpräsentation der Staatlichen Museen haben 36 Museumsaufseherinnen und -aufseher ihr Lieblingsobjekt ausgewählt. Heute stellt Antje Bonhage Hartmut Peters mit seinem Lieblingswerk im Vorderasiatischen Museum auf der Museumsinsel vor.

Man könnte ihn leicht übersehen, den winzigen Keramik-Gegenstand. Doch Hartmut Peters hat sich in das sogenannte Doppel-Tongefäß in Form zweier nebeneinanderstehender Schweinchen regelrecht verliebt. Sie erinnern ihn an seine Kindheit.

Verliebt in zwei kleine, 3.000 Jahre alte Tonschweinchen

Fast 3.000 Jahre sind sie alt. In einer Vitrine stehen sie - neben einem deutlich größeren Widderkopf und einem Mädchengesicht, beides ebenfalls aus Ton. Das Vorderasiatische Museum, in dem sich die Vitrine befindet, ist – zusammen mit der Antikensammlung und dem Museum für Islamische Kunst – im Pergamonmuseum auf der Museumsinsel in Berlin-Mitte angesiedelt. Mit "seinen" Tonschweinchen hat Hartmut Peters sich auf einem seiner täglichen Routinegänge als Museumsaufsicht angefreundet:

"Wenn im Museum Betrieb ist, fixiert man sich mehr auf die Besucher und auf die Objekte. Da hat man weniger den Gedanken im Hintergrund. Aber wenn man frühmorgens oder abends die Zeit hat, reflektiert man. Man geht an ihnen vorbei, schaut sie sich an (...) und hält inne für einen Moment und sagt: 'Mensch, die sind so süß!'"

Mutmaßungen über die frühere Nutzung

Auch über den Zweck, den diese kleinen Gefäße früher erfüllt haben könnten, hat Peters sich schon oft Gedanken gemacht. Für die Aufbewahrung von Cremes oder Salben für die Damen, glaubt er, könnte sein Schweinchengefäß gedient haben. Oder für duftende Öle ...

"Vielleicht hat man auch Kügelchen reingemacht, als Kinderrassel - das wäre vielleicht auch noch eine Variante. (...) Vielleicht hat man darin auch Teig aufbewahrt."

Oder eben doch Schminke. Aber all das – betont er - seien nur seine Mutmaßungen, seine persönliche Interpretation:

"Gott behüte! Ich werde wahrscheinlich ein vernichtendes Urteil von den Kuratoren oder von unser Museumschefin für den Bereich hören. Aber gut - das ist meine freie Interpretation."

Als Museumsaufsicht kommt man rum ...

Als Kind träumte Hartmut Peters eine Zeitlang davon, Archäologe zu werden. Einer wie Heinrich Schliemann. In Geschichte hatte Peters immer eine Eins. Nur in den anderen Fächern habe es, wie er sagt: etwas gerumpelt. Er machte eine Ausbildung als Mikrooptoelektroniker, arbeitet mit LED-Lichtern und Ähnlichem.

Heute ist Hartmut Peters 56. Als Museumsaufseher arbeitet er seit 12 Jahren:

"... abwechselnd für die Staatlichen Museen zu Berlin, dann für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Charlottenburg oder Oranienburg und so weiter. Alles drum herum - durch die ganze Museumslandschaft: Kulturforum, Schlösser und Gärten, Staatliche Museen zu Berlin. Fragen Sie mich: Was ist im Hamburger Bahnhof? Oh ja - Beuys, Gordon Matta-Clark und Bruce Nauman - das kann ich Ihnen alles erzählen. Als Museumsaufsicht kommt man schon rum."

Im Pergamonmuseum ist Peters nun seit vier Jahren. Spektakuläres gibt es in den Sammlungen zu sehen, auch hier im Vorderasiatischen Museum. Doch müssen es nicht immer die allergrößten und wertvollsten Sachen sein, die einem ans Herz wachsen, findet Hartmut Peters. Alltagsgegenstände wie seine beiden kleinen Tonschweinchen:

"Die sind süß, die sind knuffig - die muss man einfach liebhaben, die kleinen süßen Schnäuzchen. Meine kleinen Lieblinge."

Antje Bonhage, rbbKultur

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