Europacity – Baustelle Quartier Heidestrasse © Britta Pedersen/dpa
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Die Debatte mit Natascha Freundel, Nikolaus Bernau und Jens Bisky - Berlin baut neu – aber öde?

Jens Bisky: "Die Stadt drückt sich darum, Erwartungen an Bauherren und an Investoren zu formulieren."

Die Stadt der Zukunft entsteht jetzt. Wir blicken auf zwei neue Stadtquartiere in Berlin, die als "urban" beworben werden, aber das Gegenteil von lebendiger, offener Stadtkultur sind: die "Europacity" nördlich des Hauptbahnhofs und das "Entertainmentviertel" an der East-Side-Gallery. Hier sieht man, was passiert, wenn die Stadt ihre Bauprojekte dem Kommerz überlässt.

Eine Stadt, die Brandenburg immer mehr "an die Wand drückt". Das meint zumindest Nikolaus Bernau bezogen auf den geplanten Ausbau des Schienennetzes ins Berliner Umland. Jens Bisky wünscht sich eine Fusion der Länder Berlin und Brandenburg. Die wichtigste Frage der Zukunft aber lautet: wie gelingt ökologische Stadtentwicklung?

Die Bauprojekte am Ostbahnhof und an der Spree richten sich an ein Publikum, das nur noch an inszenierter Stadt interessiert ist. ‚Sie wohnen an der Spree wie in New York‘, das sind die Werbeversprechen. Dass man an der Spree an der Spree wohnen könnte, kommt ihnen gar nicht in den Sinn.

Jens Bisky

Wir haben unglaubliche Kompetenzen in der Stadt, bei den Planern, in der Verwaltung. Bei den Bürgerinitiativen, den vielen Leuten, die sich seit den 80er-Jahren mit ökologischem Stadtumbau beschäftigt haben. Warum nutzen wir diese Kompetenzen nicht aus und geben stattdessen die Entwicklung der Stadt in die Hände von Kommerzleuten, die aus guten Gründen schnell und billig bauen wollen.

Nikolaus Bernau

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Jens Bisky und Nikolaus Bernau © Carsten Kampf
Jens Bisky und Nikolaus Bernau | Bild: Carsten Kampf

Jens Bisky, geboren 1966 in Leipzig, ist Redakteur für die Zeitschrift "Mittelweg 36" und das Internetportal „Soziopolis“ am Hamburger Institut für Sozialforschung. Er studierte Kulturwissenschaft und Germanistik und promovierte zu klassizistischer und romantischer Architekturästhetik an der Humboldt-Universität, mit dem Titel "Poesie der Baukunst“. Bis Ende 2020 war er leitender Redakteur im Feuilleton der "Süddeutschen Zeitung". Bisky hat Bücher über Kleist und Friedrich den Großen geschrieben. 2019 erschien sein Buch "Berlin. Biographie einer großen Stadt" (Rowohlt Berlin).

Nikolaus Bernau, geboren 1964 in Bonn, ist Architekturkritiker und Sachbuchautor. Er studierte Kunstwissenschaften an der Technischen Universität Berlin und Architektur an der Hochschule der Künste Berlin. Seit 2000 arbeitet er als freier Redakteur u.a. für die Berliner Zeitung, Deutschlandfunk und den rbb. 2003 bis 2014 war er Mitglied des Berliner Landesdenkmalrats und hatte Lehraufträge für Architektur- und Museumsgeschichte u. a. an der BTU Cottbus, der FHTW in Berlin, der TU Berlin und am Dawidson College NC, USA.

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Podcast | Der zweite Gedanke © rbbKultur

Debatte mit Natascha Freundel & Gästen - Der Zweite Gedanke

Hier geht es um alles, was unser Miteinander betrifft: Bildung, Demokratie, Freiheit, Klima, Städtebau - Themen und Fragen unserer Zeit. rbbKultur-Redakteurin Natascha Freundel spricht mit zwei Gästen, die wissen, wovon sie reden. Philosophisch und persönlich. Kritisch und konstruktiv. Immer auf der Suche nach dem zweiten, neuen Gedanken.

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