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Die Debatte mit Paula-Irene Villa Braslavsky und Bernd Stegemann, moderiert von Svenja Flaßpöhler und Natascha Freundel - Grenzen des Sagbaren – Wer sind die Feinde der Öffentlichkeit?

Eine Koproduktion von rbbKultur und Philosophie Magazin

"Die Öffentlichkeit und ihre Feinde", so heißt das Buch von Bernd Stegemann. Für den Philosophen und Dramaturgen ist insbesondere die Identitätspolitik für die Begrenzung des Sagbaren verantwortlich, mit der Folge, dass Personen, die diese Grenze überschreiten, gecancelt, also boykottiert würden.

Paula-Irene Villa Braslavsky widerspricht energisch. Die Identitätspolitik habe Stimmen erst hörbar und im öffentlichen Raum präsent gemacht, so die Soziologin, die aus München zugeschaltet ist.

Identity Politics ist weder der Feind der Öffentlichkeit, noch unbedingt ihr Freund. Identity Politics fragt: Aus welcher Position spricht jemand? Werde ich gehört als Soziologin, als Frau, als Migrantin, als Mutter und so weiter? Und wessen Erfahrung, wessen Stimme gilt als nicht spezifisch, sondern als universell? Wer gilt als die Vernunft oder das Theater oder die Wissenschaft?

Paula-Irene Villa Braslavsky

Meine große Kritik an der Identitätspolitik ist, dass sie quasi jede öffentliche Aussage vor allen Dingen darin bewertet, wer sie getätigt hat. Wenn ich darauf fokussiere, wer spricht und nicht, was gesagt wird, bin ich in der Gefahr, dass wesentliche Dinge, die für die Öffentlichkeit wichtig sind, nicht mehr gehört werden können, weil zuvor die Sprecherposition abgewertet wurde.

Bernd Stegemann

Gäste

Paula-Irene Villa Braslavsky (© transcript Verlag ) und Bernd Stegemann (© Katrin Ribbe )
Bild: transcript Verlag | Katrin Ribbe

Paula-Irene Villa Braslavsky, geboren 1968 in Santiage de Chile, ist Professorin für Soziologie und Gender Studies an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie publizierte u. a. zu Anti-Genderismus, Körperbildern, Rassismus, Feminismus, Sexismus. Zuletzt erschien von ihr (zus. m. Sabine Hark): „Unterscheiden und herrschen“ (transcript, 2017).

Bernd Stegemann, geboren 1967 in Münster, hat Philosophie und Germanistik studiert und ist Dramaturg am Berliner Ensemble und Professor für Theatergeschichte und Dramaturgie an der Hochschule für Schauspielkunst

„Ernst Busch“. Er veröffentlichte u. a. zum Populismus (2017) und zur Moralisierung des öffentlichen Diskurses (2018). Sein Buch „Die Öffentlichkeit und ihre Feinde“ ist gerade bei Klett-Cotta erschienen.

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Debatte mit Natascha Freundel & Gästen - Der Zweite Gedanke

Hier geht es um alles, was unser Miteinander betrifft: Bildung, Demokratie, Freiheit, Klima, Städtebau - Themen und Fragen unserer Zeit. rbbKultur-Redakteurin Natascha Freundel spricht mit zwei Gästen, die wissen, wovon sie reden. Philosophisch und persönlich. Kritisch und konstruktiv. Immer auf der Suche nach dem zweiten, neuen Gedanken.

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Antwort auf [Holger Friedrichsohn ] vom 11.03.2021 um 20:10
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3 Kommentare

  1. 3.

    Ergänzend dieser Beitrag über Stegemann:

    https://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_content&view=article&id=19394:rassismus-ueber-1400-protestieren-gegen-faz-text-von-bernd-stegemann&catid=126:meldungen-k&Itemid=100089

  2. 2.

    Obwohl ich die Ausführungen von Paula-Irene Villa Braslavsky zu Bernd Stegemanns Hypothesen wirklich bemerkenswert fand, bin ich etwas irritiert ob der Moderation, die sich kaum die Mühe machte, ihre Parteinahme in der Sache bzw. für Stegemanns Position zu verbergen.

  3. 1.

    Ihr Debatten Diskussionsbeitrag heute hat mir ausgesprochen gut gefallen und er war äußerst bereichernd für meine Gedankenwelt , besten Dank dafür.
    Mit interessierten Zuhörergrüssen
    Holger Friedrichsohn

    P.s.
    2ter Gedanke zu "Weisse Alte Männer"
    Vielleicht wäre es zusehends an der Zeit diese konkreter zu nennen anstatt pauschalisierend Affektemotionen zu provozieren.
    Es sind die toxischen Erfolgsstrategien jener Männer die genauer offen zulegen und zu nennen sind.
    Es fehlt dieser Männlichkeit Kooperationsfähigkeit , die dem Gemeinwohl dienen . Die toxisch narzisstischen Erfolgs-cooperativen dienen nur dem patriarchalen marchiavellischen Machterhalt.
    Die Machtbessesenen haben Namen.

    Pp.s.
    Cancle culture => Wertung beendet den Dialog erst recht in einer überdrehten Spektakelgesellschaft, deren Bürgermehrheit in ein Hyperego mittels selbstausbeuterischem Kadavergehorsam unter dem Joch des kapitalerhöhenden Neoliberalismus sich verstärkt.