Brandenburgische Gespräche im Staatstheater Cottbus am 15.03.2021 © rbb
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Brandenburgische Gespräche im Staatstheater Cottbus - MACHT UND FREIHEIT

Die Debatte mit Natascha Freundel, Jan-Werner Müller und Karl Schlögel

Auf die Frage, was Freiheit für sie sei, sagte die Jazz-Sängerin und Bürgerrechtsaktivistin Nina Simone: "keine Angst zu haben". Der in Princeton lehrende Politikwissenschaftler Jan-Werner Müller plädiert für einen neuen Liberalismus, der dafür sorgt, dass Menschen ohne Angst und Gewalt leben können. Davon ist die Machtpolitik in Russland und Belarus weit entfernt, betont der Osteuropa-Historiker Karl Schlögel. In den USA hat der Trumpismus gezeigt, dass demokratische Strukturen geziehlt ausgehebelt werden können, meint Jan-Werner Müller. Und worauf stützen sich Macht und Freiheit in Deutschland, wenn nicht nur die Covid-Pandemie unabsehbare Veränderungen mit sich bringt?

Ich denke bei Macht an konkrete Erfahrungen der Ohnmacht, der Überwältigung, der Überforderung, des Zuschlagens, des Geschlagenwerdens. Damit sind riesige Probleme aufgeworfen. Wer es fertig brächte, zu beschreiben, was Macht in Russland ist, der sollte einen ganz besonderen großen Preis bekommen. Ich persönlich und viele meiner Altersgruppe haben keine Ahnung von der Konfrontation mit einer Macht, die zerfällt und die sich auf unmittelbare Gewalt stützt und auf die Menschen losgeht.

Karl Schlögel

Es gab die Vorstellung, Demokratien sind das einzige lernende System. Und die autoritären Systeme, die werden alle wie die Sowjetunion enden. Denn die sind nicht lernfähig, ergo nicht flexibel, ergo nicht korrekturfähig. Das wird sich irgendwie von selber lösen. Und das stimmt so wahrscheinlich nicht.

Jan-Werner Müller

Gäste

Karl Schlögel und Jan-Werner Müller © rbb
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Karl Schlögel

Jahrgang 1948, war von 1995 bis zu seiner Emeritierung 2013 Professor für osteuropäische Geschichte an der Viadrina Universität Frankfurt/Oder. Er hat in zahlreichen Büchern den sowjetischen und postsowjetischen Raum vermessen, zudem Geschichtsschreibung als ortsgebundene Erkundung erneuert („Im Raume lesen wir die Zeit“, 2003). 2008 erschien seine Studie „Terror und Traum, Moskau 1937“, 2017 sein großes Werk über „Das sowjetische Jahrhundert, Archäologie einer untergegangenen Welt“, das mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde. Sein jüngstes Buch "Der Duft der Imperien" (Hanser, 2020) geht den Gerüchen der Macht in Paris und Moskau nach. Karl Schlögel ist u.a. Träger des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Jan-Werner Müller

Jahrgang 1970, ist seit 2005 Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Princeton University. Er hat über Carl Schmitt, Verfassungspatriotismus und über die Ideengeschichte der Demokratie im 20. Jahrhundert geschrieben. 2016 erschein sein viel beachteter Essay „Was ist Populismus?“. Sein Buch „Furcht und Freiheit. Für einen anderen Liberalismus“ (Suhrkamp, 2019) knüpft an die Ideen Judith Shklars an und ist ein Plädoyer für eine demokratische Politik und Rechtsordnung, die sich vor allem daran orientiert, Menschen ein Leben ohne Angst und Gewalt zu ermöglichen. Jan-Werner Müller erhielt dafür den Bayerischen Buchpreis. 2020 bis 2021 ist er Fellow am Wissenschaftskolleg Berlin.

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Debatte mit Natascha Freundel & Gästen - Der Zweite Gedanke

Hier geht es um alles, was unser Miteinander betrifft: Bildung, Demokratie, Freiheit, Klima, Städtebau - Themen und Fragen unserer Zeit. rbbKultur-Redakteurin Natascha Freundel spricht mit zwei Gästen, die wissen, wovon sie reden. Philosophisch und persönlich. Kritisch und konstruktiv. Immer auf der Suche nach dem zweiten, neuen Gedanken.

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