Brandenburgische Gespräche: Gleichheit © Marlies Kross/Staatstheater Cottbus
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Brandenburgische Gespräche im Staatstheater Cottbus - Gleichheit

Terézia Mora: "Unter Freien und Gleichen anerkannt …"

Die Debatte mit Natascha Freundel, Katja Lange-Müller und Terézia Mora

Ist Gleichheit eine Utopie oder Dystopie? Passen Gleichheit und Literatur zusammen? Und schafft die gendergerechte Sprache mehr Gleichberechtigung? Die vielfach prämierten Schriftstellerinnen Katja Lange-Müller und Terézia Mora denken über Gleichheit im deutschen Grundsetz nach, über ihre eigenen, vom Realsozialismus geprägten Erfahrungen der Ungleichheit und Individualität, über produktive Widersprüche in ihrem Leben und in ihren literarischen Figuren. Die Spielarten der gendergerechten Sprache sorgen bei Katja Lange-Müller und Terézia Mora für Heiterkeit und Irritation. Sie brauchen keine Gendersternchen und kein Ministerium für Heimat. Dagegen fordern sie ein "Ministerium für Teilhabe."

Ich habe schon sehr früh begriffen, dass dieses Nicht-Gleich-Sein meine Rettung sein wird. Es gibt ein schönes ungarisches Gedicht, in dem es heißt: 'bleibe immer überzählig'. Das hilft weiter. Es ist immer eins zu eins. So kann man irgendwie vorwärts kommen.

Terézia Mora

Die einzige Gerechtigkeit, die in der Literatur wirklich eine Rolle spielen kann, ist die epische Gerechtigkeit. Du musst deine unsympathischen Figuren genauso sorgsam behandeln wie die sympathischen.

Katja Lange-Müller

Gäste

Terézia Mora (© Gregor Baron) und Katja Lange-Müller (© pa / SvenSimon / Anke Waelischmiller) 
Bild: Gregor Baron | pa / SvenSimon / Anke Waelischmiller

Terézia Mora, geboren 1971 im ungarischen Sopron und aufgewachsen in einem Dorf unmittelbar an der Grenze zu Österreich, ist seit 2018 Büchner-Preisträgerin und hat 2021 die Grimm-Poetikprofessur der Universität Kassel inne. Als Übersetzerin aus dem Ungarischen hat sie u.a. die Werke von Peter Esterházy und Zsófia Bán ins Deutsche übertragen. In ihrer Familie – im Dorf die einzigen Ungarndeutschen – wuchs Mora zweisprachig auf. Nach dem Abitur ging sie zum Studium nach Budapest, 2019 nach Berlin, wo sie Hungarologie und Theaterwissenschaften an der Humboldt-Uni und Drehbuch an der Film- und Fernsehakademie studierte. Sie debütierte 1999 mit dem Erzählungsband „Seltsame Materie“. Auch ihre Erzählungen "Die Liebe unter Aliens" (2016) und ihre Romane "Alle Tage" (2004), "Der einzige Mann auf dem Kontinent" (2009), "Das Ungeheuer" (2013) und zuletzt "Auf dem Seil" (2019) zeigen Figuren, "die versuchen, sich anzupassen, aber nicht unbedingt dafür geschaffen sind".


Katja Lange-Müller,
geboren im Februar 1951 in Berlin-Lichtenberg, wurde für ihre Romane und Erzählungen u.a. mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet, mit dem Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor und mit dem Kleist-Preis. Sie ist gelernte Schriftsetzerin, hat am Leipziger Literaturinstitut studiert und ging 1984 von Ost- nach West-Berlin. Ihre Frankfurter Poetik-Vorlesungen tragen den Titel "Das Problem als Katalysator" (2018). Ihr Roman "Böse Schafe" erschien 2007, der Roman "Drehtür" 2016 (Kiepenheuer & Witsch). Über ihre Figuren sagt Katja Lange-Müller: "Sie legen es darauf an, sich an die Ränder zu begeben, damit sie nicht so angepasst sein müssen."

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Debatte mit Natascha Freundel & Gästen - Der Zweite Gedanke

Hier geht es um alles, was unser Miteinander betrifft: Bildung, Demokratie, Freiheit, Klima, Städtebau - Themen und Fragen unserer Zeit. rbbKultur-Redakteurin Natascha Freundel spricht mit zwei Gästen, die wissen, wovon sie reden. Philosophisch und persönlich. Kritisch und konstruktiv. Immer auf der Suche nach dem zweiten, neuen Gedanken.

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