Wohnraum für alle © Christoph Soeder/dpa
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Die Debatte mit Natascha Freundel, Nikolaus Bernau und Andrej Holm - Wohnen für alle – Enteignen in Berlin?

Andrej Holm: "Wir haben einen absoluten Mangel an Wohnungen."

Wohnen ist ein Menschenrecht - und wird in Berlin zunehmend zum Luxusproblem. Wohl nirgendwo sonst in Deutschland unterscheiden sich die Preise von Bestandsmieten und Neuvermietungen so stark wie in Berlin, sagt der Stadtsoziologe Andrej Holm. Bezahlbare Wohnungen sind rar, vor allem für Menschen mit niedrigem Einkommen. Was bewirkt eine Initiative wie "Deutsche Wohnen & Co. enteignen"? Sie zwingt die Politik, sich ihrer Verantwortung für gerechte Wohnverhältnisse zu stellen, meint Andrej Holm. Sie verdrängt notwendiges Kapital aus einer Stadt, die ohnehin am Tropf des Bundes hängt, meint dagegen Nikolaus Bernau.

In Marktlogik sind leistbare Wohnungen gar nicht herzustellen, denn es gibt kein ökonomisches Motiv, Mietpreise unterhalb des Durchschnitts anzubieten.

Andrej Holm

Diese Enteignungs-Initiative schafft keine einzige neue Wohnung. Sie verwandelt nur den Eigentumstitel von bereits bestehenden Wohnungen.

Nikolaus Bernau

Gäste

Andrej Holm (© Humboldt-Universität zu Berlin/ Matthias Heyde) und Nikolaus Bernau (© Carsten Kampf)

Andrej Holm, Dr., Jahrgang 1970, ist promovierter Sozialwissenschaftler und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Themen sind die Stadt- und Wohnungspolitik sowie die damit verbundenen gesellschaftlichen Konflikte. 2016/2017 war er Staatssekretär in der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen und musste nach kurzer Zeit wegen seiner Stasi-Vergangenheit und seinem Umgang damit zurücktreten. In seinen Forschungsprojekten beschäftigte er sich u.a. mit Stadterneuerung, Gentrification und Zwangsräumungen. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit an der Humboldt-Universität zu Berlin engagiert er sich seit über 25 Jahren in Stadtteilinitiativen und Mieterorganisationen und setzt sich aktiv für das Recht auf Wohnen ein.

Nikolaus Bernau, geboren 1964 in Bonn, ist Architekturkritiker und Sachbuchautor. Er studierte Kunstwissenschaften an der Technischen Universität Berlin und Architektur an der Hochschule der Künste Berlin. Seit 2000 arbeitet er als freier Redakteur u.a. für die Berliner Zeitung, Deutschlandfunk und den rbb. 2003 bis 2014 war er Mitglied des Berliner Landesdenkmalrats und hatte Lehraufträge für Architektur- und Museumsgeschichte u. a. an der BTU Cottbus, der FHTW in Berlin, der TU Berlin und am Dawidson College NC, USA.

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Podcast | Der zweite Gedanke © rbbKultur

Debatte mit Natascha Freundel & Gästen - Der Zweite Gedanke

Hier geht es um alles, was unser Miteinander betrifft: Bildung, Demokratie, Freiheit, Klima, Städtebau - Themen und Fragen unserer Zeit. rbbKultur-Redakteurin Natascha Freundel spricht mit zwei Gästen, die wissen, wovon sie reden. Philosophisch und persönlich. Kritisch und konstruktiv. Immer auf der Suche nach dem zweiten, neuen Gedanken.

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1 Kommentar

  1. 1.

    Jeder Mensch braucht eine Behausung. Daher müßten Wohnungen zur öffentlichen Infrastruktur - wie z.B. Straßen - gehören. Der Kapitalverwertung müssen Wohnungen in jedem Fall entzogen werden. Natürlich muß für ein gutes Management der Wohnungsversorgung gesorgt sein. - Gut, daß Sie eine solche Sendung machen!
    frdl. Grüße
    Ursula Klingmüller