Jugendliche steht in ihrem Zimmer am Fenster © Paul Zinken/dpa
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Die Debatte mit Natascha Freundel, Melisa Başkara, Lino Menden und Severine Thomas - Generation Lost? – Jugend in der Pandemie

Melisa Başkara: "Ich habe gelernt, mit mir und meinem Dasein klarzukommen."

Sie wurden als Party People und Super Spreader bezeichnet. Oder auch als "Generation Corona", die "voll am Arsch" sei. Melisa und Lino haben den Corona-Stillstand in unterschiedlichen Verhältnissen in Berlin erlebt. Für beide ist wichtig geworden, auf die eigene Stimme zu hören. Melisa hat gelernt, auf Freunde zu verzichten und liebt jetzt Sonnenuntergänge. Lino spricht von der "Generation Spaziergang". Wie viele junge Menschen haben sie durch ihr Verhalten zur Eindämmung des Virus beigetragen. Andere sehen ihr Leben "dahinschwimmen", weiß die Jugendforscherin Severine Thomas. Sie fordert, dass die Beteiligung junger Menschen an allen demokratischen Prozessen viel stärker verankert wird.

Vor der Pandemie war es so, dass ich im Hinterkopf hatte: ja, meine Mutter ist krank. Aber da war es noch nicht so, dass keine Freunde mich besuchen durften oder dass ich nicht zur Schule gehen durfte. Dass wir 24/7 miteinander zu Hause waren und ich wirklich alles hautnah mitbekommen habe.

Melisa Başkara

Mir und auch meinen Freunden ging es ähnlich, dass man ein bisschen Zeit für sich bekommen hat, sich auf seine eigene Entwicklung zu konzentrieren. Ich würde auch behaupten, dass ich mich in dieser Zeit sehr stark entwickelt habe, was meine Persönlichkeit anbelangt.

Lino Menden

Wir brauchen eine starke Lobby für Kinder und Jugendliche, um gesellschaftliche Verpflichtungen zur Mitbestimmung einzulösen. Jetzt sind alle Akteure stärker gefragt, auch in ihren eigenen Arbeitskontexten, vielleicht bis in den Rundfunk hinein: wo hören wir eigentlich auf das, was junge Menschen denken?

Severine Thomas
Melisa Başkara (© Katharina Reul), Lino Matteo Menden (© privat) und Dr. Severine Thomas (© Carolin Ehlke)
Bild: Katharina Reul | privat | Carolin Ehlke

GÄSTE

Melisa Başkara, geboren 2001, besucht seit 2014 die Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli in Neukölln. Hier hat sie in diesem Jahr auch ihr Abitur abgelegt. Die schulischen Herausforderungen der Pandemie verstärkten sich bei ihr noch durch private Umstände.

Lino Matteo Menden, geboren 2004 in Berlin, ist in Berlin-Friedenau aufgewachsen und dort Schüler am Paul-Natorp-Gymnasium. Er spielt seit Jahren Fußball im Verein und hat im Lockdown sein Viertel noch besser kennengelernt.

Dr. Severine Thomas, ist Sozialpädagogin und Jugendforscherin am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim. Sie war beteiligt an den „Jugend und Corona“-Studien, die jeweils im Frühjahr und Herbst 2020 durchgeführt wurden. Die Studien liefern ein umfassendes Bild über die Erfahrungen und das Wohlbefinden von Jugendlichen in der Pandemie.

Im Studio (v.l.n.r.): Melisa Başkara, Natascha Freundel und Lino Matteo Menden © Tobias Nolte
Bild: Tobias Nolte

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Debatte mit Natascha Freundel & Gästen - Der Zweite Gedanke

Hier geht es um alles, was unser Miteinander betrifft: Bildung, Demokratie, Freiheit, Klima, Städtebau - Themen und Fragen unserer Zeit. rbbKultur-Redakteurin Natascha Freundel spricht mit zwei Gästen, die wissen, wovon sie reden. Philosophisch und persönlich. Kritisch und konstruktiv. Immer auf der Suche nach dem zweiten, neuen Gedanken.

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