Jan Schneider, Carla Spangenberg und Olga Grjasnowa © Thomas Ernst
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Demokratiecheck (3/5) - Einwanderungsland Deutschland

Olga Grjasnowa: "Politisch sind wir noch auf dem Stand der Siebziger oder Achtziger."

Die Debatte mit Carla Spangenberg, Olga Grjasnowa und Jan Schneider

"Deutschland ist ein Einwanderungsland" – dieser Satz findet sich in einigen Wahlprogrammen und auch Angela Merkel geht er völlig natürlich über die Lippen. Doch was bedeutet dieser Satz? Wie will die deutsche Gesellschaft, wollen die Parteien, dieses Einwanderungsland gestalten? Haben Menschen mit Einwanderungsgeschichte in der Politik eine Lobby und wer steht in der "Bringschuld"? Wie kann echte Teilhabe aussehen? Und was ist mit dem Begriff "Migrationshintergrund" – gehört er abgeschafft oder brauchen wir ihn, um Lebensrealitäten zu beschreiben?

Olga Grjasnowa, Jan Schneider und Carla Spangenberg © Thomas Ernst
Bild: Thomas Ernst

Der Begriff Integration ist bei vielen verbrannt. Doch die Sprachwurzel besagt eigentlich, dass etwas zusammenwächst. Das erfordert nicht irgendeine einseitige Anpassungsleistung, sondern da bewegen sich mehrere Seiten aufeinander zu und bilden etwas Neues. Insofern ist der Begriff aus meiner Sicht nicht obsolet.

Jan Schneider

'2015 darf sich nicht wiederholen'? Man hätte auch sagen können: Hanau darf sich nicht wiederholen. Damit hätte man deutlich mehr Leute erreicht. Und es ist natürlich ein Slogan, der einfach nur als Slogan funktioniert. Mit gesundem Menschenverstand ist klar: 2015 kann sich gar nicht mehr wiederholen, weil 2015 schon gewesen ist.

Olga Grjasnowa
Olga Grjasnowa und Jan Schneider © Thomas Ernst
Bild: Thomas Ernst

Gäste

Olga Grjasnowa, geboren 1984 in Baku/Aserbaidschan, ist eine deutsche Schriftstellerin und Autorin mehrerer Romane. Sie stammt aus einer russisch-jüdischen Familie und lebt seit ihrem 11. Lebensjahr in Deutschland. Sie studierte "Literarisches Schreiben" am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und erhielt für ihr Schreiben zahlreiche Stipendien. Ihre Romane (u.a. "Der Russe ist einer, der Birken liebt und Gott ist nicht schüchtern") kreisen um die Themen Identität, Migration, Flucht und Krieg und wurden am Gorki Theater sowie am Berliner Ensemble dramatisiert. Grjasnowa spricht zahlreiche Sprachen und beschreibt in ihrem Essay "Die Macht der Mehrsprachigkeit", wie Sprachen in der Mehrheitsgesellschaft hierarchisiert werden und stellt die Konzepte Leitsprache und -kultur in Frage.

Dr. Jan Schneider ist Leiter des Bereichs Forschung im Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR). Er studierte Sozialwesen, Politikwissenschaft und Soziologie und promovierte am Institut für Politikwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen über Beratungsprozesse in der deutschen Migrationspolitik. Zwischen 2003 und 2008 war er u. a. für die Bundeszentrale für politische Bildung, für das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut und für das Kulturwissenschaftliche Institut Essen tätig. Von 2009 bis 2012 arbeitete Jan Schneider als Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

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2 Kommentare

  1. 2.

    Liebe Frau Falke,
    vielen Dank für Ihren Kommentar! In ihrem Essay "Die Macht der Mehrsprachigkeit" nennt Olga Grjasnowa die Europa-Schulen ebenfalls als ein positives Beispiel, wie bilinguale Bildung möglich sein kann. Allerdings beschreibt sie auch, dass es davon noch zu wenige gebe und die Nachfrage viel höher sei, als die Anzahl verfügbarer Plätze.
    Viele Grüße aus der Redaktion

  2. 1.

    Frau Grjasnowa spricht von Brennpunktschulen und bilingualen Privatschulen und möchte damit belegen, dass gute bilinguale Bildung in Berlin einkommensabhängig sei. Es gibt aber in Berlin zahlreiche staatliche Europaschulen, und damit - auch nach meiner persönlichen Erfahrung - gute bilibguale Bildung in zahlreichen Sprachen, kostenfrei.