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Demokratiecheck 4/5 - Das Versprechen der Parteien

Robin Alexander: "Wir haben zu viele Dystopien und zu wenig Utopien."
 
Die Debatte mit Nils Heisterhagen, Robin Alexander und Natascha Freundel

"Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen". Der viel zitierte Satz von Helmut Schmidt ist so witzig wie toxisch. Was machen Politiker, wenn sie keine Visionen haben? Hat Angela Merkel in 16 Jahren Kanzlerinnenschaft Pragmatismus zur politischen Norm gemacht? Welche großen Erzählungen vertreten die etablierten, demokratischen Parteien? Ist die SPD noch die Partei der Arbeiter:innen und wofür steht das C in CDU? Vielleicht geht es weniger um Visionen, als vielmehr um Werte.

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Meine Partei genauso wie die Christdemokratie muss sich nach der Wahl sehr dringend mit einem Narrativ und der Frage beschäftigen, wo sie eigentlich hinwill. Für die Identität, die Seele dieser beiden Volksparteien brauchen wir demnächst mal Bilder und eine Story. Sonst kann sich die Wählergunst wieder sehr viel verschieben und zum Beispiel zu den Grünen gehen, die ja diese Geschichte haben: wählt uns, um etwas zu verhindern, nämlich dass es so warm auf diesem Planeten wird, dass wir darauf nicht mehr leben können. Es ist ja zumindest eine Geschichte, die die haben, auch wenn sie sie falsch erzählen.

Nils Heisterhagen

Denken Sie an 2019, die Fridays for Future-Demonstrationen, und Annegret Kramp-Karrenbauer sagt als Parteivorsitzende: 'Ist doch nicht meine Schuld, dass wir kein Klimaprogramm haben'. Dann verteilt Frau Kramp-Karrenbauer ein Buch so wie Hausaufgaben: 'Lest euch mal alle in den Sommerferien ein'. Ralf Fücks: 'Intelligent wachsen: Die grüne Revolution', ein kluges Buch, zehn Jahre alt. Und damit fangen die dann an. Also da sind die einfach komplett intellektuell blank. Das muss man in dieser Härte formulieren.

Robin Alexander

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Robin Alexander und Nils Heisterhagen © Thomas Ernst
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Robin Alexander, geboren 1975 und aufgewachsen in Wanne-Eickel, ist seit 2019 stellvertretender Chefredakteur Politik der "Welt". Er hat Geschichte und Journalistik in Leipzig studiert und war Redakteur bei der taz und Reporter bei Vanity Fair, bevor der 2008 zur Welt-Gruppe wechselte. 2013 wurde er mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. Sein Bestseller "Die Getriebenen. Merkel und die Flüchtlingspolitik" (2017) bildete die Grundlage für das gleichnamige ARD-Dokudrama. Gerade ist sein neues Buch erschienen: "Machtverfall. Merkels Ende und das Drama der deutschen Politik: Ein Report" (Siedler).

Nils Heisterhagen, geboren 1988, ist Publizist und Politologe. Er hat Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre studiert und an der HU Berlin in Philosophie über "Existenziellen Republikanismus" promoviert. Er war beim IG Metall Vorstand Grundsatzreferent und Gleiches in der SPD-Fraktion in Rheinland-Pfalz. Sein jüngstes Buch heißt "Verantwortung - Für einen neuen politischen Gemeinsinn in Zeiten des Wandels" (Dietz, 2020).

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2 Kommentare

  1. 2.

    Vielen Dank für das tolle Feedback! Ich hoffe sehr, dass wir bald mit Publikum in Studio 14 debattieren können...
    Herzliche Grüße aus der Redaktion

  2. 1.

    Ich wollte mich einfach mal bedanken für all die interessanten Gesprächsrunden am Donnerstagabend! Gute Gesprächspartner/-innen, Vieles zum Weiterdenken dabei. Am liebsten würde man mitdiskutieren :-)

    Viele Grüße