Das Cafe und der Recordstore "Gordon" mit israelischer Küche © Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB
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Die Debatte mit Natascha Freundel, Adriana Altaras und Leon Kahane - Jüdisches Leben heute – nie normal?

Adriana Altaras: "Es gibt keine Normalität nach dem Holocaust."

"1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" - unter diesem Motto steht das bundesweite deutsch-jüdische Festjahr 2021. Die Vielfalt jüdischen Lebens soll sichtbarer und der Blick in die Zukunft geweitet werden. Doch wie offen ist Deutschland heute für jüdisches Leben? In einer Zeit, in der Corona-Leugner sich wahlweise mit Juden in der Schoah vergleichen oder sich von einer jüdischen Weltverschwörung bedroht sehen. Und in der sich einige der größten Kulturinstitutionen hierzulande in der Initiative "GG 5.3 Weltoffenheit" zusammengetan haben, um die Meinungsfreiheit zu verteidigen - besonders für israelkritische Meinungen. Die Theaterregisseurin und Autorin Adriana Altaras und der Künstler Leon Kahane diskutieren über das schräge Motto des Festjahrs, über die Netflix-Serien "Unorthodox" und "Shtisel", über Joseph Beuys und über Antisemitismus, der hinter dem Schlagwort "Weltoffenheit" unaufgeklärt bleibt.

(Wiederholung vom 25.3.2021)

Auf der einen Seite wünschen wir uns einen normalen Umgang. Auf der anderen Seite können wir gar keinen normalen Umgang haben. Es gibt keine Normalität nach dem Holocaust. Aber 1700 Jahre gibt’s die Juden hier, na schau mal! Die waren Ärzte, und die haben Kunst gemacht, und ach Gott: sie fehlen uns so.

Adriana Altaras

Juden können sich eine bestimmte Form von Pessimismus nicht leisten. Zumindest keine, die in die Regression führt, sondern nur eine, die in die Aufklärung führt.

Leon Kohane

Gäste

Leon Kahane (© Nils Emmerichs) und Adriana Altaras (© 2019 Amac Garbe)
Bild: Nils Emmerichs | 2019 Amac Garbe

Adriana Altaras, geboren 1960 in Zagreb im damaligen Jugoslawien, ist Autorin, Regisseurin und Schauspielerin. Die Tochter jüdischer Partisanen wurde im Alter von vier Jahren aus dem Land geschmuggelt, wuchs zunächst in Italien auf und zog mit sieben Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland. Ihre autobiografischen Romane „Titos Brille“ und „Doitscha – eine jüdische Mutter packt aus“ behandeln ihre Familiengeschichte und die damit verbunden Traumata. In ihren Theaterstücken „Jud Sauer“ und „Trauer To Go“ setzt sie sich mit der deutschen Erinnerungskultur auseinander.

Leon Kahane, geboren 1985 in Berlin, studierte Freie Kunst an der Universität der Künste Berlin. In seinen Videoarbeiten, Fotografien und Installationen widmet er sich Themen wie Migration und Identität sowie der Auseinandersetzung mit Mehr- und Minderheiten in einer globalisierten Gesellschaft. 2018 gründete er das „Forum Demokratische Kultur und Zeitgenössische Kunst“. Derzeit veranstaltet das Forum eine Gesprächsreihe an der Volksbühne zum Thema „Kontinuitäten des Antisemitismus“.

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Debatte mit Natascha Freundel & Gästen - Der Zweite Gedanke

Hier geht es um alles, was unser Miteinander betrifft: Bildung, Demokratie, Freiheit, Klima, Städtebau - Themen und Fragen unserer Zeit. rbbKultur-Redakteurin Natascha Freundel spricht mit zwei Gästen, die wissen, wovon sie reden. Philosophisch und persönlich. Kritisch und konstruktiv. Immer auf der Suche nach dem zweiten, neuen Gedanken.

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Im Hier und Jetzt - 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Im Jahr 321 wurde in einem Edikt des römischen Kaisers Konstantin zum ersten mal die Existenz einer jüdischen Gemeinde in Deutschland erwähnt. Das ist der Anlass, 2021 als Festjahr "1700 Jahre jüdisches Leben" zu begehen. Das alles spielt zwar in Köln, ist aber für ganz Deutschland der Anlass, 2021 als Festjahr "1700 Jahre jüdisches Leben" zu begehen. Bundesweit finden zahlreiche Veranstaltungen statt, bei rbbKultur hören Sie Gespräche, Musik und finden Sie traditionelle Rezepte.

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