Migranten stehen zwischen Zelten im Lager in der Sicherheitszone © Ulf Mauder/dpa
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Die Debatte mit Natascha Freundel und Steffen Mau - Die Grenzen der Globalisierung

Steffen Mau: "Wir tun wir alles, um unsere Verpflichtung zum internationalen Flüchtlingsrecht nicht einlösen zu müssen."

Vor über 30 Jahren wurde der Fall der Mauer bejubelt. Ein neues Zeitalter brach an – das Zeitalter der Grenzenlosigkeit, glaubten viele. Inzwischen wissen wir: Grenzen, Mauern, Zäune spielen weltweit eine entscheidende politische Rolle. Wer sie easy jettend überwindet, hat den richtigen Pass, genügend Geld, das kommunikative Know How. Außen vor bleiben jene Migranten, die vor Krieg, Armut, Gewalt fliehen. Um Einwanderung einzuschränken, nimmt die EU massive Menschenrechtsverletzungen nicht nur an den eigenen Außengrenzen in Kauf. Grenzregime sind "Sortiermaschinen der globalisierten Welt", schreibt der Soziologe Steffen Mau in seinem neuen Buch. Ein Gespräch über den Nutzen und Nachteil der Grenzen des 21. Jahrhunderts. Die italienische Philosophin Donatella Di Cesare ("Philosophie der Migration"), die gern mit Steffen Mau debattiert hätte, musste kurzfristig aus Krankheitsgründen absagen.

"Wir leben global in einer Art von feudalistischen Ordnung, in welcher der Geburtsstand qua Staatsbürgerschaft entscheidend ist über die Rechte, über die Lebenschancen, die wir genießen können. Der wird durch eine Art von Lotterie, durch eine Zufälligkeit bestimmt. Manche reden von der Spermien-Lotterie oder der Geburtsort-Lotterie. Ob Sie in Somalia oder in Afghanistan geboren sind oder in der Schweiz, in Deutschland oder Schweden, das ist ganz entscheidend dafür, welche Rechte und welche Chancen sie in ihrem Leben genießen können."

Steffen Mau
Steffen Mau © picture alliance/dpa/HU Berlin | Marten Körner
Bild: picture alliance/dpa/HU Berlin | Marten Körner

Steffen Mau, geboren 1968 in Rostock, ist Professor für Makrosoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und Mitglied im Sachverständigenrat für Migration. Zuletzt sind von ihm erschienen: „Das metrische Wir. Über die Quantifizierung des Sozialen“ (2017) und „Lütten Klein. Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft“ (2019). In seinem aktuellen Buch "Sortiermaschinen“ beschreibt er die neue Filterfunktion von Grenzen im Zeitalter der Globalisierung. Mau wurde 2021 mit dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet.

Steffen Mau: Sortiermaschinen © Edition Mercator | C.H. Beck
Bild: Edition Mercator | C.H. Beck

Steffen Mau: "Sortiermaschinen. Die Neuerfindung der Grenze im 21. Jahrhundert"

C. H. Beck/Edition Mercator 2021
Gebunden, 192 Seiten

14,95 Euro

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