Frau läuft auf dem Kurfürstendamm an schlafendem Obdachlosen vorbei © picture alliance/AP/Michael Sohn
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Die Debatte mit Carla Spangenberg, André Hoek und Katja Kipping - Was heißt hier wohnfähig? Wege aus der Obdachlosigkeit

"Ich habe mich in den U-Bahnhof Magdalenenstraße gesetzt mit einem Becher vor den Füßen – und da wurde ich plötzlich unsichtbar." André Hoek, ehemaliger Obdachloser

Unsichtbar und immer da: Obdachlose gehören zum Berliner Stadtbild, erleben in ihrem Alltag immer wieder gesellschaftliche Ausgrenzung. Berlin hat sich ein großes Ziel gesteckt: Bis 2030 soll Obdachlosigkeit in Berlin beendet sein.

Das Prinzip "Housing First" soll als Möglichkeit dienen, die Menschen von der Straße zu holen: Sie bekommen zunächst eine Wohnung, egal ob sie drogen- oder alkoholabhängig sind, um von dort aus mit Unterstützung zurück ins Leben zu finden.

Mit dem ehemaligen Obdachlosen André Hoek und Berlins Sozialsenatorin Katja Kipping gehen wir den Fragen nach: Wie empfinden Obdachlose die gesellschaftliche Ausgrenzung? Wie funktioniert „Housing First“ und ist es realistisch, dass in Berlin bis 2030 niemand mehr auf der Straße lebt?

Wer seine Wohnfähigkeit beweisen will, der braucht eine unglaubliche Frustrationstoleranz, weil du eine Vorgabe nach der anderen schaffen musst. Und wenn man dann ein psychisches Problem oder ein Suchtproblem hat oder der Ausweis wird geklaut, dann ist das so wie „Gehen Sie wieder zurück auf Los“ – du beginnst wieder von vorne.

Katja Kipping

Housing First ist ein ganz anderer Ansatz: Der Obdachlose kommt zwar mit all seinen Problemen, der Suchtproblematik, den Schulden, kriegt aber erstmal eine Wohnung. Also ein Ort der Ruhe und egal, was schiefgeht: Die Wohnung bleibt. Diese Basis bleibt, von der aus man dann seine Probleme lösen kann.

André Hoek
Katja Kipping (© dpa/Britta Pedersen) und André Hoek (© privat)
Bild: dpa/Britta Pedersen | privat

Katja Kipping (Die Linke), geboren 1978 in Dresden, ist seit 2021 die Berliner Sozialsenatorin. Von ihrer Vorgängerin Elke Breitenbach übernimmt sie das Vorhaben, Obdachlosigkeit in Berlin bis 2030 zu beenden. Vor ihrer Zeit in der Berliner Landespolitik war sie 16 Jahre lang Mitglied der Linksfraktion im Bundestag und deren sozialpolitische Sprecherin. Von 2012 bis 2021 war sie Parteivorsitzende der Partei Die Linke.

André Hoek, geborener Berliner, war in den Jahren 2016/2017 obdachlos in Berlin. Vor seiner Obdachlosigkeit hatte er ein erfolgreiches und finanziell abgesichertes Leben als Webdesigner. Trennung, Krankheit und Depressionen führten ihn auf die Straße. In seinem Podcast „Unter freiem Himmel“ berichtet er vom Alltag auf der Straße, den Problemen in Notunterkünften und auch wie er es geschafft hat, von der Straße wegzukommen. Dafür wurde er 2021 mit dem Deutschen Podcast Preis ausgezeichnet in der Kategorie „Best Independent Podcast“.

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Debatte mit Natascha Freundel & Gästen - Der Zweite Gedanke

Hier geht es um alles, was unser Miteinander betrifft: Bildung, Demokratie, Freiheit, Klima, Städtebau - Themen und Fragen unserer Zeit. rbbKultur-Redakteurin Natascha Freundel spricht mit zwei Gästen, die wissen, wovon sie reden. Philosophisch und persönlich. Kritisch und konstruktiv. Immer auf der Suche nach dem zweiten, neuen Gedanken.

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