Anna Netrebko tritt bei einem Konzert zu ihrem 50. Geburtstag im Staatlichen Kremlpalast auf © picture alliance/dpa/epa Tass/Vladimir Gerdo
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Die Debatte mit Natascha Freundel, Kateryna Mishchenko und Sergej Newski - Kultur gegen Krieg - mit Boykott?

"Wir brauchen eine Revision der deutschen Kulturpolitik." Kateryna Mishchenko

Russland führt Krieg gegen die Ukraine, die Welt sortiert sich neu – auch in Kultur und Wissenschaft. Langjährige Beziehungen zu Russland in Kunst und Forschung werden abgeschnitten oder "auf Eis gelegt". In Russland stand die Kooperation unabhängiger Vereine oder Medien mit westlichen Organisationen schon vor dem Krieg auf dem Index.

Die Ukraine reagiert auf den Krieg mit einem Boykott russischer Bücher und Haftstrafen für die Zusammenarbeit mit russischen Institutionen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz arbeiten momentan nicht mehr mit russischen Universitäten und Museen zusammen. Konzerthäuser trennen sich von russischsprachigen Musiker:innen, und treffen manchmal auch diejenigen, die sich entschieden gegen den Krieg aussprechen. Wo und wie finden Kultur und Forschung gegen Putin zusammen?

"Was die russische Armee heute in der Ukraine macht, kann man nicht auf Putins Politik reduzieren. Das ist ein Hass, eine unglaubliche Gewalt gegen Zivilisten. Auf die Frage, wie kann das möglich sein, gibt es jetzt diese Reaktion: Wir wollen uns erstmal abgrenzen. Und europäische Institutionen werden auch dazu aufgerufen, eine Art Reality Check zu machen: Wie ist das möglich geworden? Vielleicht gab es in der Art und Weise, wie die ukrainische Kultur und die ukrainische soziale Situation wahrgenommen wurde, so eine Art russische Wahrnehmung?"

Kateryna Mishchenko

Es gibt mehrere Möglichkeiten der Solidarität zwischen allen, die diese Diktatur, diesen putinistischen Neo-Faschismus ablehnen. Es ist wichtig, einen Dialog beizubehalten. Ich glaube, wir müssen nach mehreren Plattformen suchen, wo ukrainische, belorusische, russische Künstler in Europa zusammenarbeiten, die gegen Putin sind, die gegen diesen Krieg sind. Sonst verlieren wir die Kommunikationsmöglichkeiten.

Sergej Newski
Kateryna Mishchenko ( © privat) und Sergej Newski (© Harald Hoffmann)
Bild: privat | Harald Hoffmann

Gäste

Kateryna Mishchenko, geboren 1984 in Poltawa, ist Autorin, Kuratorin und Mitbegründerin des ukrainischen unabhängigen Verlags "Medusa". Sie studierte Germanistik in Kyjiw und Hamburg und war Mitherausgeberin des ukrainischen Kulturmagazins "Prostory". Sie lehrte Literatur an der Nationalen Linguistischen Universität Kyjiw, hat u.a. Adorno und Benjamin übersetzt und arbeitete als Dolmetscherin im Bereich Menschenrechte und Soziales. Ihre Essays wurden in ukrainischen und internationalen Anthologien und Zeitschriften sowie im Fototextbuch "Ukrainische Nacht" (Leipzig 2015) veröffentlicht. Kateryna Mishchenko lebt und arbeitet in Kyjiw. Derzeit ist sie in der Westukraine.

 

 

Sergej Newski, geboren 1972 in Moskau, besuchte das College am Staatlichen Tschaikowsky-Konservatorium. Anschließend studierte er Komposition bei Jörg Herchet (Hochschule für Musik in Dresden) und Friedrich Goldmann (Universität der Künste Berlin) sowie Musiktheorie und Musikpädagogik bei Hartmut Fladt (Universität der Künste Berlin). Er erhielt Kompositionsaufträge u. a. von der Staatsoper Stuttgart, Staatsoper Unter den Linden, der Ruhrtriennale, dem SWR-Symponieorchester, dem RSO Stuttgart sowie dem Klangforum Wien, Orchester MusicAeterna und der Russischen Staatskapelle. Im September 2012 wurde seine Oper "Franziskus" am Bolschoi Theater in Moskau unter der Leitung von Philipp Chizhevsky uraufgeführt. Die Oper "Secondhand-Zeit (Boris)" hatte 2020 Premiere an der Staatsoper Stuttgart. Sergej Newski wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter 2014 der Kunstpreis Berlin und 2006 der 1. Preis bei dem Kompositionswettbewerb der Landeshauptstadt Stuttgart für das Stück "Fluss" (Version 2005).

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Krieg und Frieden – Positionen zur Zeit

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Nachricht von Yevgenia

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