Gedenktafel am Haus Schwäbische Straße 25, Berlin-Schöneberg; © Carsten Kampf
Carsten Kampf
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- Die Akte "Herzfeld“ - Ein Entschädigungsprotokoll

Bei der Flucht aus Deutschland musste das jüdische Ehepaar Herzfeld Hab und Gut zurücklassen. 1947 landeten die beiden krank und mittellos in den USA. Mit Hilfe von deutschen Anwälten meldeten sie Entschädigungsansprüche an. 

Wir wissen es zu würdigen, wenn Menschen aus ihrem eigenen Erleben heraus noch nicht bereit sind, sich mit dem neuen Deutschland zu versöhnen. Aber wir haben keinen Sinn für jene Bestrebungen, die aus vergangener Barbarei für alle Zeit eine deutsche Erbsünde herleiten und als politisches Mittel konservieren möchten.

Bundeskanzler Ludwig Erhard, 1964

Bei Recherchen über jüdisches Leben in Schöneberg stößt Wolfgang Bauernfeind auf die Akte von Harry und Claire Herzfeld. Sie wohnten in der Schwäbischen Straße 25 im Gartenhaus und mussten, wie Millionen andere, bei ihrer Flucht 1939 nach Shanghai ihr Hab und Gut zurücklassen. Arm, krank und mittelos kamen sie 1947 in die USA. Mit Hilfe von deutschen Anwälten meldeten sie ihre Entschädigungsansprüche an.

Erst viele Jahre später wurde Harry Herzfeld eine kleine Rente zugesprochen, da war er fast 80 Jahre alt. Der Anspruch von Claire Herzfeld auf Entschädigung "wegen Schadens an Körper oder Gesundheit" wurde 1970, ein halbes Jahr vor ihrem achtzigsten Geburtstag, wegen Unerreichbarkeit der Antragstellerin abgelehnt. Da lag sie schwerkrank in einem New Yorker Krankenhaus. Die Akte wurde geschlossen.

Von Wolfgang Bauernfeind
Regie: der Autor
Produktion: rbb 2019
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