Adolf Eichmann, am ersten Prozesstag vor dem Bezirksgericht, Jerusalem 1961; © dpa/archive/ef
dpa/archive/ef
Bild: dpa/archive/ef Download (mp3, 50 MB)

Zum 60. Jahrestag des Prozessbeginns - Adolf Eichmann: Ein Hörprozess

Ein Prozess schrieb Rundfunk-Geschichte: Vor 60 Jahren begann in Jerusalem das Gerichtsverfahren gegen Adolf Eichmann. Es endete mit dem Todesurteil. Eine Rekonstruktion mit O-Tönen und bislang unveröffentlichten Zeitzeugnissen. Ein dokumentarisches Hörspiel von Noam Brusilovsky und Ofer Waldman.

In unserem Land sind viele Menschen zu finden, die die sieben Kreise der Hölle von Eichmann und seinen Komplizen durchschritten. Bedauerlicherweise wurde ihnen aus Platzgründen der Zutritt in den Gerichtssaal verwehrt – und wer, wenn nicht sie, hat ein Vorrecht, die Stunde der Gerechtigkeit zu erleben?

Dvora Buschinski, Hörerin von "Kol Israel"

Dieses Bild ging um die Welt: Adolf Eichmann, Organisator der Deportationen zur Vernichtung der europäischen Juden während der NS-Zeit, sitzt in einer gläsernen Kabine und hört über Kopfhörer die Simultanübersetzung der Anklage durch das Jerusalemer Bezirksgericht 1961. Zeuginnen und Zeugen aus allen europäischen Ländern, aus den Ghettos und aus den Todes- und Arbeitslagern berichten vom Alltag der Verfolgung und Vernichtung.

In das kollektive Gedächtnis der Israelis brannte sich ein zweites Bild ein: die ganze Nation sitzt gebannt vor den Radioempfängern. Denn zum ersten Mal in der Aufarbeitung der NS-Verbrechen blieben die Aussagen aus dem Zeugenstuhl nicht innerhalb des Gerichtssaals, sondern wurden, wie auch die Aussagen Eichmanns, die Stimmen der Anklage, der Verteidigung und der Richter, live in die Häuser und Wohnungen in ganz Israel übertragen, durch das Radio.

Zum ersten Mal drang damit die Realität des Holocaust in seiner ganzen Dimension, das, was bisher oft verdrängt oder beschwiegen worden war, an die Ohren der Öffentlichkeit. Eine neue, nunmehr ausgesprochene Erzählung der Shoa brach sich Bahn. Das dokumentarische Hörspiel erzählt die Geschichte dieses Prozesses – aus Sicht der Radiomacher beim damaligen öffentlich-rechtlichen israelischen Rundfunk "Kol Israel".

Mit Walter Kreye, Dirk Müller, Veit Schubert, Shelly Kupferberg, Axel Sichrovsky, Vernesa Berbo, Ramona Olasz, Aviran Edri, Orit Nahmias, Benny Claessens, Rainer Sellien, Jaron Löwenberg, Yeva Lapsker, Guy Aviad, Tamar Aviad, Helene Lilien Voigt.

Regie: Noam Brusilovsky
Produktion rbb/ DLF 2021
Redaktion: Juliane Schmidt

Mehr

Hannah Arendt © Alfred_Bernheim/UPI/dpa
Alfred_Bernheim/UPI/dpa

Hannah Arendt – endlich verstehen - Wie banal ist das Böse heute, Werner Renz?

Das sogenannte Böse ist eigentlich ganz banal. Mit dieser These in ihrem Buch "Eichmann in Jerusalem" über den Holocaust-Organisator Adolf Eichmann brachte Hannah Arendt in den sechziger Jahren die halbe Welt gegen sich auf. Kein Wunder, rückte sie doch den Verbrecher, den man so gern dämonisiert, wieder in den Bereich des Menschlichen. Tina Heidborn spricht mit Werner Renz, dem ehemaligen Archivleiter des Fritz-Bauer-Instituts in Frankfurt am Main, über den Eichmann-Prozess, die Banalität des Bösen heute und ob man Schuld bestrafen kann.

Download (mp3, 33 MB)
1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland; © rbbKultur
rbbKultur

Im Hier und Jetzt - 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Im Jahr 321 wurde in einem Edikt des römischen Kaisers Konstantin zum ersten mal die Existenz einer jüdischen Gemeinde in Deutschland erwähnt. Das ist der Anlass, 2021 als Festjahr "1700 Jahre jüdisches Leben" zu begehen. Bundesweit finden zahlreichen Veranstaltungen statt, Höhepunkt soll im Herbst das größte Laubhüttenfest der Welt "Sukkot XXL" vom 20. bis zum 27. September sein.

Auschwitz und ich © rbb
rbb

Eine Geschichte des Überlebens - Auschwitz und Ich

Am 27. Januar 2020 ist der 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Weil immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus erster Hand berichten können, ändert sich die Gedenkkultur. Eine wichtige Stellung hat dabei neben der historischen Forschung die Kunst. Die Webseite "Auschwitz und Ich" nimmt die Bilder des Auschwitz-Überlebenden David Olère zum Ausgangspunkt, um zu fragen "Was kann jede*r Einzelne tun?" - damit die Opfer in Erinnerung bleiben und sich die Geschichte nicht wiederholt.