Herman Melville (1819-1891); © imago
imago
Bild: imago Download (mp3, 23 MB)

- Herman Melville: Außenseiter, Visionär, Träumer

Ein Porträt von Wolfgang Schneider zum 200. Geburtstag des Autors

Die Geschichte von Ahab – dem Kapitän – der den Kampf gegen das aufnimmt, was er als das Ur-Böse empfindet – den Wal – kann man heute als psychologische Studie lesen, was Hass mit einem anrichten kann:

"Ein Beben lief durch das Holz, vom Bug bis zum Heck, jede Planke und Rippe erzitterte, als der Wal, wie ein zubeißender Hai schräg auf dem Rücken liegend, bedächtig und gefühlvoll sein Maul um den Bug schloss. Das bläuliche Perlmutt seines Gaumens gähnte keinen halben Fuß über Ahabs Kopf. (…)

Der monomanische Ahab entbrannte in rasender Wut, war er doch seinem Erzfeind so quälend nahe und dennoch ohnmächtig – lebendigen Leibes in seinem verhassten Rachen gefangen. Wie von Sinnen, packte er den langen Kiefer mit seinen bloßen Händen und riss wütend daran …"

"Moby Dick", der Klassiker von Herman Melville, wurde erstmals bereits 1851 veröffentlicht, doch der Kampf mit dem Wal wird bis heute als Vergleich herangezogen – und immer wieder gelesen. Zu Herman Melvilles Lebzeiten jedoch interessierte sich kaum jemand für seinen Roman "Moby Dick" oder seine anderen Bücher. Zum Klassiker wurde er erst später.

Geboren wurde Melville 1819 in New York City. Er arbeitete als Schiffsjunge, Lehrer, Steuermann und Matrose und unternahm zahlreiche Südseereisen, u.a. auf Walfängern, über die er einige Bücher schrieb, z.B. in "Typee" oder "Omoo". Leben konnte er von seinem Schreiben jedoch kaum, in seinen letzten Jahren arbeitete er als Zollinspektor.

Vieles in seinem Leben bleibt umwittert von Geheimnis und Vermutung – der KULTURTERMIN unternimmt zum 200. Geburtstag Melvilles am 1. August eine Annäherung an diesen Autor.

Buchcover H. Melville: "Billy Budd"
Diogenes

Novelle - Herman Melville: "Billy Budd"

Mit der Novelle "Billy Budd" bricht Melville nach jahrelangem Verstummen sein literarisches Schweigen. Doch der Text bleibt zu Lebzeiten ungedruckt, erscheint erst 1924, als man sich endlich daran macht, ihm den gebührenden Platz in der Weltliteratur zuzuweisen.

Bewertung:

Zum Weiterlesen

Herman Melville

"Billy Budd. Die großen Erzählungen"
Übersetzt von Michael Walter und Daniel Göske, Hanser Verlag 2009, 572 S.

"Ein Leben"
Neu übersetzt von Werner Schmitz und Daniel Göske, Hanser Verlag 2004, 888 S.

"Mardi und eine Reise dorthin"
Übersetzt und kommentiert von Rainer G. Schmidt, Manesse Verlag 2019, 824 S.

"Moby-Dick"
Übersetzt von Matthias Jendis, Hanser Verlag 2001, 1044 S.

"Typee"
Übersetzt von Alexander Pechmann, Mare Buchverlag 2019, 447 S.

Biografien

Thomas David: Herman Melville
Deutscher Kunstverlag 2019, 96 S.

Arno Heller: Herman Melville
Lambert Schneider Verlag 2017, 320 S.

Andrew Delbanco: Melville
Hanser Verlag 2007, 471 S.