St. Hedwig Kathedrale, Berlin; © imago-images
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Klage abgewiesen – die Bauarbeiten gehen weiter - Umbau der St.-Hedwigs-Kathedrale vor Gericht

Das Landgericht verhandelte eine Urheberrechtsklage gegen die Neugestaltung des Innenraums der St.-Hedwigs-Kathedrale. Die Kritik der Kläger richtet sich vor allem gegen die geplante Schließung der zentralen, rund acht Meter breiten Bodenöffnung mit Treppe in die Unterkirche Die Klage wurde zum erneuten Mal abgewiesen, die Bauarbeiten gehen weiter – Ulrike Bieritz kommentiert.

Es ist gut, dass es Menschen gibt, die nicht alles hinnehmen, die widerstehen, die für ihre Ideale kämpfen, notfalls auch vor Gericht. Nicht nur kleine gallische Dörfer sind darin geübt. Auch die Freunde der Hedwigs-Kathedrale, am Wiederaufbau beteiligte Künstler und ihre Nachkommen ziehen seit Jahren unermüdlich vor Gericht und erleben, wie ihre Klagen regelmäßig abgewiesen werden.

Sie geben nicht auf, denn sie haben eine Mission: Die Kathedrale St. Hedwig, die imposante katholische Bischofskirche, nachempfunden dem Pantheon in Rom, darf nicht zerstört werden. Und als Zerstörung empfinden sie die Umgestaltung des Innenraums des Gotteshauses. Wobei dessen Kernstück, eine acht Meter große Bodenöffnung in der Mitte der Rundkirche, geschlossen werden soll. Durch diese gelangt man über eine Treppe in die Unterkirche und die Krypta, in der der als Märtyrer verehrte selige Dompropste Bernhard Lichtenberg liegt. Entstanden ist dieses Loch, Entschuldigung, der Zugang zur Unterkirche, als das Gebäude nach dem 2. Weltkrieg wiederaufgebaut und vom Architekten Hans Schwippert neugestaltet wurde.

Hoffnungszeichen im Kalten Krieg
Es war damals ein echtes Ost-West-Projekt – eine Sensation. Mitten im Zentrum der Hauptstadt der DDR wurde eine katholische Kirche wiederaufgebaut und dann auch noch vom Architekten des Bonner Bundeshauses gestaltet. Ein Hoffnungszeichen für so manchen im Kalten Krieg. Und das soll jetzt weg – unerhört, undenkbar, geschichtsvergessen, Zerstörung eines Zeugnisses kirchlichen Lebens in der DDR, heißt es von den Umbaugegnern. Und dabei ist es völlig egal, dass der Beschluss zur Umgestaltung in einem demokratischen Prozess gefallen ist: Es gab Experten, Symposien, alle Gremien des Erzbistums haben mitentschieden und dafür votiert. Ein Architektenwettbewerb fand statt und der Denkmalschutz war involviert.

Dass die Innengestaltung das Feiern der Gottesdienste schwierig macht, nicht den Anforderungen des Zweiten Vatikanischen Konzils entspricht – egal. Form contra Funktion – Architektur contra Gebrauchswert? Wenn das Loch geschlossen wird, dann rückt der Altar in die Mitte des Raumes, die Gemeinde wird vereint und der Priester blickt endlich den Gläubigen ins Gesicht und nicht ins Loch. Es kann um den Altar herum gegangen werden, ohne ins Loch zu fallen.

Kein Gebäude ist für die Ewigkeit
Die Argumente des Gerichts sind deutlich: Der Innenraum der Kathedrale sei Gebrauchskunst. Die katholische Kirche als Eigentümerin darf bauliche Änderungen vornehmen – bis hin zur Zerstörung. Und weil genau das passiert sei, bestehe auch kein Urheberrecht mehr. Das Recht des Eigentümers habe Vorrang vor urheberrechtlichen Interessen. Punkt. Es kann weiter gebaut werden.

Bei aller Hochachtung vor dem Engagement der Umbaugegner, für ihre Zähigkeit, ihre Widerstandsfähigkeit und ihr Durchhaltevermögen: Manchmal muss man auch erkennen, wenn es vorbei ist, ein Kampf verloren – da zeigt sich wahre Größe. Kein Gebäude ist für die Ewigkeit gebaut, Kunst vergänglich und auch Kirche lebt von Veränderung. Inhaltlich und zuweilen sogar räumlich.

Ulrike Bieritz, rbbKultur

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1 Kommentar

  1. 1.

    Wir wissen schon dass es vorbei ist - jedoch eine faire Chance hatten wir nie, weil die katholische Kirche eben nicht "demokratisch verfasst ist"(Originalzitat Dompropst P.), gemacht wird was die "Mächtigen" aus Köln fordern und die wenigsten Katholiken des Bistums Berlin überhaupt darüber seriös darüber informiert wurden, was da passieren soll. Sie sollten mal recherchieren, wie lange an der Mär der Sanierung der St. Hedwigskathedrale festgehalten wurde. Erst in den letzten 2 Jahren sprach man von der Totalvernichtung. Das nun auch noch das wertvolle und intakte Kupferdrach zerstört wird, nur um die ungenügenden Planungen des Erzbistums zu rechtfertigen, ist eine grosse Schande und nicht im Sinne der päpstlichen Enzyklika Laudato si, die sich auch an das Bistum Berlin und seine Mitglieder wendet, vgl. Laudato si, Nr.182